Was ist ein Multicopter?

Als Multicopter bezeichnet man einen Drehflügler, der über mehr als zwei Rotoren verfügt, die sich um eine vertikale Achse drehen. Multicopter können dadurch senkrecht starten und landen. Großer Vorteil von Multicoptern gegenüber Helikoptern mit einem oder zwei Rotoren, ist die vereinfachte Mechanik der Rotoren bei gleich guter Flugkontrolle.

Wer kennt sie nicht, diese Strecken auf Autobahnen und Straßen in Städten, die einfach immer verstopft sind. Meist gibt es keine oder nur wenige Möglichkeiten die Straßen auszubauen oder den Verkehr anders zu leiten. Eine bisher noch völlig staufreie Alternative bietet der untere Luftraum. Zukünftig werden Flugtaxis diesen Raum füllen, um so die Straßen zu entlasten und die Passagiere schneller zum Ziel zu bringen.

Eine Marktstudie von Porsche Consulting prognostiziert, dass die ersten Flugtaxis bereits 2025 im Einsatz sein werden und dass bis 2035 sogar schon 23000 der elektrisch betriebenen Senkrechtstarter im Einsatz sein werden – hauptsächlich auf Routen zwischen Flughäfen und Stadtmitten.

Als Beispiel nennt Porsche Consulting die Strecke vom Münchner Marienplatz an den Flughafen München. Die Beratungsgesellschaft erwartet, dass die Flugdauer bei einer zu erwartenden Geschwindigkeit von 200 km/h zirka 10 Minuten dauern wird. Der Preis könnte bei ungefähr 100 Euro liegen.

Was ist ein Flugtaxi?

Das Angebot wird ähnlich werden, wie das von Taxis auf der Straße – über eine App können Flugservices für die gewünschte Strecke bestellen und das Lufttaxi holt die Passagiere ab. Zum Einsatz kommen werden sogenannte eVTOL-Flugzeuge (electric-powered Vertical Take Off and Landing), die dank des elektrischen Antriebs leiser und emissionsärmer als Helikopter sind. Porsche Consulting nennt sogar Zahlen: viermal leiser, doppelt so sicher und um ein Zehnfaches günstiger sollen die eVTOL-Taxis sein.

Diese Flugtaxis sind momentan in der Entwicklung

Einige Unternehmen haben sich der Entwicklung solcher fliegenden Taxis angenommen, auch in Deutschland. Der europäische Flugzeughersteller Airbus ist in mehrere Projekte zu diesem Thema involviert. Mit dem CityAirbus, der bei Airbus Helicopters in Donauwörth gemeinsam mit Siemens entwickelt wird möchte das Unternehmen einen Mehrwert im innerstädtischen Verkehr bringen. "Elektrisch betriebene Luftfahrzeuge für den innerstädtischen Verkehr sind keine Spielerei, sondern sollen den Menschen einen Mehrwert bringen", sagt Marius Bebesel, Programmleiter CityAirbus. "Lufttaxis werden dort zum Einsatz kommen, wo aufgrund erheblicher Verkehrsprobleme am Boden ein großer Bedarf nach städtischem Luftverkehr besteht." Die Megacities in Asien und Lateinamerika werden laut Marius Bebesel wahrscheinlich unter den ersten sein. "In Europa und Deutschland haben wir zum Glück nur wenige Städte, die vor dem Verkehrskollaps stehen", erläutert er. "Aber auch hierzulande sehen wir Möglichkeiten für einen nachhaltigen und kommerziell erfolgreichen Betrieb."

Volocopter_Interior-Design
So könnte das Innere eines autonom fliegenden Lufttaxis aussehen. Für die Version mit Pilot ist lediglich ein zusätzlicher Joystick notwendig. - Bild: Volocopter

Gemeinsam mit Audi und Designstudio Italdesign arbeitet Airbus noch an einem weiteren Projekt: dem Pop.Up Next. Dabei handelt es sich um ein etwas anderes Flugtaxi-Konzept, denn das Vehikel kombiniert ein selbstfahrendes E-Auto mit einer Passagierdrohne. "Mit zunehmender Automatisierung und den wachsenden Ballungsräumen wird die Verkehrsnachfrag weiter steigen", so Bernd Martens, Audi-Vorstand für Beschaffung/IT. "Daher ist es sinnvoll und notwendig, den Verkehr intelligent auf Schiene, Straße und Luftraum zu verteilen." Pop.Up Next kann gleich zwei dieser Räume bedienen.

Neben diesen gestandenen Unternehmen arbeiten auch zwei Start-ups an Personendrohen: Volocopter aus Bruchsal bei Karlsruhe und Lilium Aviation aus Gilching bei München. Beide haben mit ihren Fluggeräten bereits erste Flüge absolviert.

Volocopter Hub-System Explanation
So könnten die zukünftigen Haltestellen für die elektrischen Lufttaxis aussehen. - Bild: Volocopter

Die Konzepte unterscheiden sich allerdings stark. Während der Volocopter ein Mulitcopter ist, ist das Lilium Jet nach dem sogenannten Tilt-Konzept gebaut, das Flügel und Rotoren kombiniert, die rotiert werden können. Das liegt auch daran, dass die geplanten Einsatzgebiete sich unterscheiden.

Der Volocopter soll ähnlich wie auch der CityAirbus und Pop.Up Next einen Platz im innerstädtischen Verkehr einnehmen, sprich vor allem kurze Strecken abdecken. "Es geht darum, Strecken, die überlastet sind, um eine Ebene zu erweitern – wie zum Beispiel vom Stuttgarter Flughafen in den Kessel in dem die Innenstadt liegt oder in London vom Flughafen Heathrow zur Paddington Station", so eine Sprecherin des Unternehmens. Es gibt sogar bereits konkrete Projekte. Beispielsweise arbeitet das Bruchsaler Start-up mit der Flughafen-Betreibergesellschaft Fraport zusammen, um die Frankfurter Innenstadt noch besser an den Flughafen anzubinden. "Klar wird der Flug teurer sein als der Bus oder Zug, aber dafür auch schneller und zuverlässiger", so die Unternehmenssprecherin.

Das Lilium Jet hingegen soll eher längere Strecken zurücklegen. "Einer der Unterschiede zu den anderen Anbietern ist die Reichweite des Lilium Jets", erklärt ein Sprecher von Lilium Aviation. "Da es möglich sein wird bis zu 300 Kilometer mit nur einer Akku-Ladung zurückzulegen, können wir ganze Regionen miteinander verbinden, anstelle von Strecken innerhalb einer Stadt."

Lilium App Vision
Mit Apps wie dieser von Lilium sollen die Flugtaxis On-Demand bestellt werden können- Bild: Lilium Aviation

Wann werden die ersten Flugtaxis in Betrieb sein?

Bei der Frage ab wann die ersten Flugtaxis den kommerziellen Betrieb aufnehmen werden, sind sich Studien und Entwickler einig, dass wir bereits im kommenden Jahrzehnt die eVTOL-Fluggeräte am Himmel sehen werden. "Wir sind zuversichtlich, dass wir bis 2021 bereits erste Strecken anbieten können", so die Sprecherin von Volocopter. Lilium und Airbus sprechen von 2025.

Wann genau es soweit sein wird hängt tatsächlich weniger von dem Entwicklungsstand der Fluggeräte ab – schließlich sind zwei bereits in Originalgröße sowohl mit Pilot als auch autonom betriebsbereit. Stattdessen geht es nun vor allem um diverse Normen und Zulassungsverfahren. "Erst dann, wenn es rechtliche Normen für die Zulassung und den Betrieb von autonomen, elektrischen, senkrecht startenden Luftfahrzeugen im städtischen Luftraum gibt, können Flugtaxis den Betrieb aufnehmen." Voraussichtlich zunächst mit Piloten, da die Zulassung dafür schneller gehen wird, in Zukunft dann aber auch autonom.

Zuständig für die Zulassungen in Deutschland ist die EASA (European Aviation Safety Agency, Europäische Agentur für Flugsicherheit) sowie das Luftfahrt-Bundesamt. Für die Regulierung des Luftraums ist das die Luftaufsichtsbehörde Eurocontrol. Der Prozess wurde mit der Initiative für städtischen Luftverkehr bereits angestoßen, kann aber eben noch eine Weile dauern.

Was sind die Herausforderung bei der Entwicklung von Flugtaxis?

Die Zulassungsverfahren sind eine Hürde, die Flugtaxis noch nehmen müssen, es gibt aber auch noch weitere: "In den nächsten Jahren gilt es, die Bevölkerung von den Vorteilen der neuen Technologie zu überzeugen", berichtet Audi-Vorstand Bernd Martens. "Zudem müssen Fragen rund um Akustik, Batterietechnik, Regulierung und Zertifizierung sowie Infrastruktur beantwortet werden."

Gerade das Schaffen einer Infrastruktur für die Flugtaxis sowie die Einbindung in die bestehende Infrastruktur ist noch eine größere Aufgabe. "Der untere Luftraum muss noch strukturiert werden, es müssen Strecken ausgearbeitet werden und Immobilien und Plätze für die Landeplätze gefunden werden", sagt die Sprecherin von Volocopter.

Volocopter VoloHub Interior
Die Infrastruktur für die Landeplätze der Flugtaxis muss noch geschaffen werden. Die Haltestellen Könnten auch in Gebäuden mit entsprechenden 'Startbalkonen' Platz finden.- Bild: Volocopter

Die Akzeptanz der Bevölkerung hängt von mehreren Faktoren ab, wie Daniel Duwe aus dem Forschungsbereich Mobilitäts- und Innovationssysteme am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO verrät: "Die Akzeptanz in der Bevölkerung wird neben dem Preis und der räumlichen Dichte des Angebots sehr stark davon abhängen, ob es während der Test- und Markteinführungsphase zu Unfällen kommt oder nicht. Dabei sind auch Spill-Over-Effekte aus anderen Mobilitätsbereichen wie autonomen Straßenfahrzeugen zu erwarten."

Das Fraunhofer IAO arbeitet momentan an einer Akzeptanzstudie zu diesem Thema. "Die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass etwa die Hälfte aller Menschen 3D-Mobilität grundsätzlich nutzen würden", berichtet Daniel Duwe. "Allerdings liegen die Zahlungsbereitschaften der meisten Menschen unterhalb der entstehenden Kosten." 5 bis 10 Prozent der Befragten sind aber bereit den Preis für einen entsprechenden Service zu zahlen, schließlich bieten Flugtaxis eine schnellere Mobilität und in sind den elektrischen Ausführungen auch schadstoffärmer, leiser und günstiger als Helikopter sind.

Doch sie haben auch gewissen Nachteile. Zum einen Beispiel das Sicherheitsrisiko: "Die Auswirkungen auf die Gesundheit bei Unfällen ist in der Luft potenziell höher als auf der Straße", so Daniel Duwe. "Beim Absturz in der Stadt können vor allem auch 'Unbeteiligte' geschädigt werden." Als weitere Nachteile nennt der Fraunhofer-Forscher das veränderte Sichtbild am Himmel und zusätzliche Verwirbelungen.

Wie werden sich Flugtaxis in die bestehende Infrastruktur integrieren?

Unternehmen, Städte und Behörden sind sich in einem einig: in der Mobilität der Zukunft wird auch der untere Luftraum eine Rolle spielen. "Der tatsächliche Einsatz von Lufttaxis hängt stark von der Güte der bereits vorhandenen lokalen Verkehrsinfrastruktur ab", meint Daniel Duwe.

Es geht also vor allem darum die eVTOL-Fluggeräte in die bestehende Infrastruktur zu integrieren. "Der städtische Luftverkehr soll den ÖPNV nicht ersetzen, sondern eine Ergänzung sein", erläutert dies Marius Bebesel von Airbus. "Das Angebot wird vermutlich anfangs vor allem von berufstätigen Menschen genutzt werden, die es sich nicht leisten können, im Stau zu stehen oder von öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig zu sein. Um alle Verkehrsprobleme moderner Großstädte zu lösen, sind wesentlich umfangreichere Maßnahmen nötig, die von der Weiterentwicklung der Öffentlichen bis hin zu intelligenten Verkehrsleitsystemen reicht."

Video: So soll die Infrastruktur für Lufttaxis in Großstädten aussehen

Wie wird die Mobilität der Zukunft aussehen?

Die Mobilität der Zukunft wird also wesentlich vielfältiger werden. "Der Verkehr der Zukunft wird individuell, intermodal und echtzeitoptimiert sein", prognostiziert Daniel Duwe. "Menschen werden gerade im urbanen Raum die Wahl aus einer Vielzahl an Mobilitätsträgern haben, die sie je nach Verkehrslage und Pünktlichkeit dynamisch kombinieren können, um möglichst günstig, schnell, emissionsfrei oder komfortabel ans Ziel zu kommen."

Vor allem On-Demand-Services werden sich durchsetzen. Jedem wird es überlassen werden das für die jeweilige Situation passende Transportmittel zu wählen: für den schnellen Weg zum Flughafen, ist ein Flugtaxi ideal, für die gemeinsame Fahrt mit Freunden in die Innenstadt ein (elektrisches) Sammeltaxi, für den kurzen Weg zur Arbeit, das Fahrrad und für den Großeinkauf am Wochenende ein Carsharing-Auto.

Marius Bebesel von Airbus fasst das folgendermaßen zusammen: "Die Mobilität der Zukunft wird umweltfreundlich und smart, ein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener Transportmittel."

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