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Offshore-Windenergieanlagen sind teuer, aber besonders ertragsstark. - Bild: Siemens

Die Windenergie wird mittlerweile ernst genommen und ihr Anteil an der Stromerzeugung in Deutschland liegt immerhin bei rund 14 Prozent. Sollen die Zukunftspläne der Politiker allerdings Wirklichkeit werden, gibt es noch viel zu tun. Deren erklärtes Ziel ist es, bis 2050 den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch in Deutschland auf 80 Prozent zu steigern und der Löwenanteil soll aus der Windenergie kommen.

Ein ehrgeiziges Ziel, das Johannes Schiel vom VDMA Windenergie kritisch sieht: "Es ist zwar theoretisch noch sehr viel Platz im Netz für die Windenergie. Es ist aber nicht das Ziel unserer Branche, den gesamten Strombedarf in Deutschland mit der Windenergie zu decken. Das ist schon allein deswegen unmöglich, weil man dann gigantische Speicherkapazitäten für den Strom vorhalten müsste."

Er berichtet von Studien, die einen Ausbau der Windenergie von derzeit installierten 43 Gigawatt auf bis zu 200 Gigawatt für realistisch halten. "Das Flächenpotenzial ist noch groß", so Schiel. So stellen die Bundesländer oder Gebietskörperschaften gewisse Flächen für Windparks zur Verfügung, die noch längst nicht ausgeschöpft sind. Einige Bundesländer haben den Anteil der Flächen von unter einem Prozent der Landesfläche auf etwa 2 Prozent ausgeweitet. Dennoch hält Schiel einen Ausbau der Kapazitäten auf 200 Gigawatt für zu ambitioniert. Er glaubt vielmehr mittelfristig an eine Verdopplung der installierten Kapazitäten.

Strombedarf könnte zu 65 Prozent aus Windkraft kommen

Etwas optimistischer gibt sich Prof. Andreas Reuter, Institutsleiter am Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES): "Laut einer von uns durchgeführten Potenzialstudie lassen sich hierzulande rund zwei Prozent der Fläche sinnvoll für die Windenergie nutzen. Aufbauen ließen sich so weitere 160 bis 170 Gigawatt. Wir haben bei unserer Studie aber nur Flächen berücksichtigt, die tatsächlich zur Verfügung stehen. Grundsätzlich wären sogar acht Prozent der Fläche Deutschlands nutzbar."

Der heutige Strombedarf könnte damit zu 65 Prozent aus der Windkraft kommen. Das hört sich viel an. Man darf laut Reuter aber nicht vergessen, dass der Strombedarf infolge der geplanten Energiewende deutlich wachsen wird. Für Verkehr und Wärmeerzeugung werde zusätzlich immens viel Energie benötigt, die im Wesentlichen aus dem Strom kommen soll. Wenn man die Pläne der Politiker wirklich umsetze, werde sich der Strombedarf verdoppeln. Dann sei der Anteil der Windenergie gar nicht mehr so hoch.

Ein Experte der Siemens AG ist der Überzeugung, dass die Potenziale der besten Standorte in Küstennähe in aller Regel bereits ausgeschöpft seien. Seiner Einschätzung nach bietet aber das sogenannte 'Repowering' große Potenziale. Dabei werden alte Anlagen abgebaut und durch neue mit einem sehr viel höheren Wirkungsgrad ersetzt. Diese können dann deutlich wirtschaftlicher betrieben werden. "Die Anzahl der Windräder kann dabei häufig halbiert werden und dennoch ist der Ertrag deutlich höher", so der Experte.

Ein Problem der Windenergie ist, dass der Wind nicht gleichmäßig bläst und es daher zu starken Kapazitätsschwankungen kommen kann. "Kurzfristige Spitzen im Netz können zum Teil über Pumpspeicherkraftwerke in Bayern ausgeglichen werden. Langfristig geht das nicht, denn die Menge an Stromspeichern müsste dabei gigantisch sein", berichtet Schiel. Es sei vielmehr sinnvoll, das Netz europäisch zu betrachten. Man könne dann das gesamte Netz als Speicher nutzen und für einen besseren Ausgleich von Netzschwankungen sorgen.