| von Sebastian Moser
Aktualisiert am: 10. Okt. 2018
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Die Produktion von Windenergieanlagen hat sich in den letzten 20 Jahren dramatisch gewandelt. - Bilder: Siemens

Es gebe zum Beispiel in den Alpenländern Österreich, Schweiz und Italien relativ große Speicherkapazitäten. "Die werden bereits heute zum Ausgleich von Spannungsspitzen genutzt", erklärt Schiel. Aber auch alle Kapazitäten im Alpenraum werden seiner Einschätzung nach nicht ausreichen, Netzschwankungen längerfristig auszugleichen. Deshalb seien andere Technologien im Gespräch. Eine Idee sei es, Überkapazitäten für die Erzeugung großer Mengen an Wasserstoff zu nutzen, der dann in riesigen Kavernen unterirdisch zwischengespeichert wird.

Viele Experten halten das aber für unrealistisch und sind vielmehr der Ansicht, dem Speicherbedarf über eine dezentrale Energie-Infrastruktur entgegenzuwirken. Das gesamte Netz werde so flexibler und dadurch lassen sich Angebot und Nachfrage besser in Einklang bringen.

Dennoch braucht man eine Rückversicherung, wenn der Wind nicht bläst. Das sind heute noch die fossilen Kraftwerke, die derzeit rund 60 Prozent des in Deutschland benötigten Stroms erzeugen. "Es gibt gelegentlich Tage mit idealem Wetter, an denen theoretisch der gesamte Strombedarf in Deutschland über Wind- und Fotovoltaik-Anlagen gedeckt werden könnte.

Aber selbst dann braucht man Anlagen, die ohne Unterbrechung laufen, um das Netz stabil zu halten", berichtet Schiel. Allerdings sei es nicht so, dass die Windenergie völlig unflexibel sei. "Früher galten diese Anlagen als Störenfriede im Netz. Mittlerweile ist bekannt, dass auch Windenergieanlagen hervorragende Blindleistungseigenschaften haben", so Schiel.

Dennoch müsse man langfristig sicherstellen, dass eine bestimmte Leistung an das Netz abgegeben wird und das geschehe bei der Wind- und Sonnenenergie auf Basis von Wetterprognosen. Dies berge aber gewisse Risiken und je weniger langfristig die Prognosen sein müssen, desto besser für die Windenergie. Allerdings gebe es einen gewissen Erfahrungsschatz, auf den man zurückgreifen könne.

Sinnvoller Umgang mit Überkapazität

Eine langfristige Vision ist die sogenannte Sektorkopplung. Dabei handelt es sich um den Versuch, die verschiedenen Sektoren Strom, Wärme und Verkehr miteinander zu verknüpfen. Das wurde in Schleswig-Holstein bereits erfolgreich umgesetzt: Überschüssiger Strom wird zur Wärmeerzeugung genutzt und in diesen Zeiten können die herkömmlichen Kraft-/Wärmeanlagen heruntergefahren werden. "Das ist ein interessanter und vorbildlicher Weg, sinnvoll mit Überkapazitäten umzugehen", so Schiel.

Eine Frage, die ebenfalls noch nicht ausdiskutiert ist, ist die Frage nach einer zentralen oder dezentralen Organisation der Windenergie in Deutschland. Große Windparks in den windreichen küstennahen Standorten oder Offshore-Anlagen vor der Küste sind zwar sehr ertragsstark. Aber natürlich stellt sich dann die Frage des Stromtransports in die südlichen Teile unseres Landes. Und die aktuellen Diskussionen zeigen deutlich, wie kritisch neue Stromtrassen in Deutschland gesehen werden. Diese Problematik gibt es bei dezentralen Windenergieanlagen natürlich kaum.

Die Ziele der Politik auf einen Blick

Windenergie spielt eine tragende Rolle beim Ausbau der Erneuerbaren Energien hin zu einer wirtschaftlich tragfähigen und klimaverträglichen Energieversorgung bei angemessenen Preisen und hohem Wohlstandsniveau. Die Nutzung der Windenergie hat mittlerweile einen Anteil von fast 15 Prozent an der deutschen Stromversorgung.

Neben dem weiteren Ausbau an geeigneten Landstandorten und dem Ersatz alter, kleinerer Anlagen durch moderne und leistungsstärkere Anlagen – dem sogenannten Repowering – kommt dem Ausbau der Windenergie auf See – der sogenannten Offshore-Windenergie – eine wachsende Bedeutung zu.

Ende 2015 waren in Deutschland rund 3 280 Megawatt Offshore- Windleistung am Netz. Bis zum Jahr 2030 soll nach den Plänen der Bundesregierung eine Leistung von 15 000 Megawatt am Netz sein.