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Das erste große kommerziell genutzte Solarkraftwerk Gemasolar steht in Andalusien nahe der Stadt Villanueva. - Bild: Torresol

Die 1970er-Jahre waren eine Zeit technischer Aufbruchsstimmung: Der Mensch erkundete den Weltraum und die Tiefen des Ozeans. Technisch schien nichts unmöglich und groß waren die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft und Wohlstand für alle Menschen.

Ludwig Bölkow war einer dieser technischen Visionäre und eine seiner genialen Ideen war es bereits damals, die üppige Sonneneinstrahlung in den Wüstenregionen der Erde für die Energieerzeugung zu nutzen.

Angesichts niedriger Preise für die Hauptenergieträger Erdöl und Kohle verschwanden seine Ideen dann aber für viele Jahre in der Schublade. Erst seit wenigen Jahren gilt es als wissenschaftlich weitgehend erwiesen, dass die Verbrennung fossiler Energieträger eine ernsthafte Gefahr für das Weltklima ist.

Und deshalb sind die Ideen von Solarfabriken in der Wüste wieder aktuell geworden. Und noch mehr: Im Jahre 2009 wurde die Desertec Foundation gegründet, um die Visionen voranzutreiben. Andreas Huber, ehrenamtlicher Vorstand der Stiftung, erinnert sich: „Es gab damals einen regelrechten Hype um Desertec. Für Furore sorgte insbesondere die Gründung der Dii-GmbH, in der sich namhafte Firmen zusammengeschlossen hatten“.

Seiner Einschätzung nach hat dieser Medien-Hype dem Projekt mehr geschadet als genutzt. So kursierte damals eine Zahl von 400 Mrd Euro, die in das Projekt investiert werden sollte. Mit dieser Investition sollte der gesamte Energiebedarf Europa aus Wüstenstrom gedeckt werden. Gleichzeitig wurden Grafiken verbreitet, auf denen ein rotes Quadrat die theoretisch benötigte Fläche für ein riesiges Solarkraftwerk darstellen sollte.

Regelbarer Wüstenstrom

„Viele dachten damals, dass ein Kraftwerk dieser Größe wirklich zeitnah gebaut werden sollte. Das war eine komplette Fehlinformation“, klagt Huber. Dennoch berichtet er, dass von der einstigen Vision auch heute noch sehr viel übriggeblieben ist:

„Die Ursprungsvision war und ist, dass man mit einhundert Prozent erneuerbarer Energieträger die Energieversorgung unseres Wohlstandssystems betreiben kann. Dabei ist der regelbare Wüstenstrom ein wichtiger Baustein und nach wie vor aktuell“, so Huber.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt Prof. André Thess, Direktor des Instituts für Technische Thermodynamik am DLR: „Bei Desertec muss man deutlich zwischen der wissenschaftlichen Basis und dem propagandistischen Überbau unterscheiden.

Technisch halte ich das Konzept des Wüstenstromimports für sinnvoll, machbar und finanzierbar. Die aggressive Art und Weise, wie das Thema in der Öffentlichkeit propagiert wurde, ist für mich als Wissenschaftler dagegen nicht nachvollziehbar.“

Salopp gesagt sei die Lösung aller Energieprobleme der Menschheit versprochen worden. Das sei in seinen Augen eine Art Todesurteil für Desertec gewesen, welches Thess auf eine einfache Formel bringt: „Angekündigte Revolutionen scheitern.“

Als Beispiele nennt er den Transrapid oder den schnellen Brutreaktor. Umgekehrt seien alle tatsächlichen technischen Revolutionen wie Internet oder Smartphone nie vorhergesehen worden. „Ich halte es für einen großen Fehler, dass sich die Wissenschaftler in der frühen Phase von Desertec nicht klar von diesen propagandistischen Aussagen abgesetzt haben“, so Thess.

Seiner Überzeugung nach gehört es auch zu den Aufgaben von Wissenschaftlern, klare Aussagen darüber zu treffen, was man nicht prognostizieren könne. Es sei auch sein Wunsch, dass im Jahr 2050 80 Prozent der Energie aus erneuerbaren Energieträgern komme. Jedoch könne kein Mensch prognostizieren, wie das Energiesystem im Jahr 2050 genau aussehen werde.

Dies, weil die Entwicklung der ökonomischen und politischen Randbedingungen unbekannt sei. Mittel- und langfristig spricht seiner Einschätzung nach jedoch einiges dafür, zumindest einen Teil der erneuerbaren Energien aus Nordafrika zu importieren.