Zinsen

An den Finanzmärkten ist die Zinswende mit entsprechenden Anleger-Reaktionen schon eine Weile offenkundig. In den USA ziehen die Renditen der Staatsanleihen seit einiger Zeit an. Die sogenannten US-Treasuries mit zehnjähriger Laufzeit lieferten Mitte 2016 noch rund 1,5 Prozent Rendite, Anfang 2018 sind es schon 2,7 Prozent.

Die Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins bereits mehrfach angehoben, die Europäische Zentralbank dürfte traditionell mit zeitlichem Abstand folgen. Immerhin wurde das Anleihenkaufprogramm – die stützende Maßnahme, um aus der Finanzkrise herauszukommen – bereits halbiert und soll wohl im Herbst auslaufen. Die Renditen deutscher Staatsanleihen sind dementsprechend auch in einen Aufwärtstrens eingeschwänkt.

Was bedeuten steigende Zinsen?

Diese Entwicklungen an den Finanzmärkten haben natürlich Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Denn wenn die Zinsen steigen, dann verteuern sich Kredite - etwa für Immobilien oder Investitionen. Auch die Staatsfinanzierung wird teurer und das Geld etwa für Subventionen könnte knapper werden.

Im Bundesfinanzministerium stellt man sich mit dem jüngsten Finanzplan bis 2021 bereits darauf ein, dass die günstigen Finanzierungen auslaufen werden. "Daher wird ab 2020 ein Anstieg der Zinsausgaben unterstellt", heißt es darin. Nach dem Tiefwert von 2016, als der Bund 17,5 Milliarden Euro für Zinszahlungen ausgeben musste, wird für 2021 wieder mit einer Zahlung von 21,7 Milliarden Euro geplant.

Auf der anderen Seite profitieren von steigenden Zinsen diejenigen, die Geld risikoarm anlegen wollen oder müssen - beispielsweise Sparer, Pensionskassen oder Lebensversicherungen.

Für die Gesamtwirtschaft bedeuten steigende Zinsen in der Regel einen Dämpfer, nicht zuletzt weil Kredite und damit Unternehmensinvestitionen teurer werden und deshalb insgesamt weniger ausgegeben wird. Auch auf Wechselkurse hat das Zinsniveau auswirkungen - steigt normalerweise der Wert der Währung. Problematisch werden steigende Zinzen unter anderem für Kreditnehmer, die einen Vertrag mit "variabler Verzinsung" abgeschlossen haben. Für diese Schuldner wird die Belastung schlagartig höher, wenn die Zinsen steigen. 

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