Bild: Stihl024 - Fotolia.com

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von Wilfried Kipp-Weike

LANDSBERG (ba). Die Richtlinie betrifft vor allem die Schwermetalle Blei, Cadmium, Quecksilber und in ihrer neuesten vom 8. Juni 2011 auch sechswertiges Chrom. Dafür wurden lediglich die Ausnahmen im Anhang III der Richtlinie angepasst. Einerseits ist die Liste unmittelbar geltendes EU-weites Recht, ohne dass es einer Änderung des Elektrogesetzes bedarf, andererseits wurden Fristen und Grenzwerte geändert und Ausnahmen eingeschränkt. Außerdem ist in den Fristen teilweise eine stufenweisen Senkung der Schadstoffgehalte vorgesehen.

So verbietet die neue Verordnung unter anderem die Verwendung von Cadmium in jeder Art Kunststoff. Nur noch in Recycling-PVC in Bauprodukten ist eine Verwendung erlaubt. Allerdings müssen Produkte, in den recyceltes PVC verwendet wurde, per Aufschrift und eindeutigem Piktogramm gekennzeichnet werden. Ebenfalls verboten ist künftig die Verwendung polybromierter Biphenylene (PBB), die unter anderem als Flammschutzmittel und Weichmacher in technischen Kunststoffen eingesetzt werden. Chemisch sind sie enge Verwandte von PBB. Bei ihrer Verbrennung entstehen Dioxine und Furane. PBB haben eine hohe chemische Stabilität und sind biologisch kaum abbaubar. PBB finden sich in vielen Gebrauchsgegenständen wie den Rückseiten von Fernsehern. Künftig darf der Anteil dort maximal 0,1 Gewichtsprozente betragen.

Auch polybromierte Diphenylether (PDBE) fallen unter die Verbotsliste der ROHS-Richtlinie. Sie werden vor allem als Weichmacher und Flammschutzmittel in Kunststoffen verwendet und zur Herstellung von Hart- oder Weichschaum aus Polyurethan eingesetzt. In Fahrzeuginnenausstattungen, im Kunststoffspritzguss und als Hartschaum in Gerätegehäusen sind sie zu finden. Auch diese Stoffe sind giftig, gelten als krebserzeugend und als Ursache für hormonelle Veränderungen.

Für handelnde und produzierende Unternehmen kommt es zunächst einmal darauf an, ob sich in ihrem Produktportfolio Materialien finden, in denen die genannten Schwermetalle oder Stoffe enthalten sind. Sinnvoll ist, die Unbedenklichkeit vom Hersteller bescheinigen zu lassen oder mit dem Lieferanten nach Produktalternativen zu suchen. Sind die betroffenen Stoffe identifiziert, muss im nächsten Schritt Kontakt mit dem Lieferanten aufgenommen und Produktdatenblätter angefordert werden. Vor allem die Additive wie Weichmacher, Flammschutzmittel, etc. sind im Datenblatt oft nicht genannt. Hier gilt die Offenlegung der Rezeptur, um auf der sicheren Seite zu sein. Dies schließt eventuell auch den Vorlieferanten ein, bei dem der Lieferant seine Produkte bezieht. Die Regelungen der Richtlinie gelten auch für Importeure. Auch wenn die Richtlinie nur für die in Anhang I genannten Produktkategorien gilt, sollten sich auch Hersteller von anderen Produkten mit den Stoffen befassen, weil auch sie Produktverantwortung haben.