Ohne starke internationale Verflechtung kann heute kein deutsches exportorientiertes Unternehmen

Ohne starke internationale Verflechtung kann heute kein deutsches exportorientiertes Unternehmen überleben (Bild: imageteam - Fotolia).

Die Globalisierung hat deutschen Unternehmen eines gezeigt: Wer in Wachstumsregionen auf Dauer erfolgreich sein will, muss dort präsent sein. Der Standort Deutschland profitiert durch die internationale Arbeitsteilung.

von Claus Wilk

LANDSBERG. „Die letzte Krise hat die weltwirtschaftlichen Gewichte dauerhaft verschoben“, meint Dr. Karl Tragl, Vorstandsvorsitzender der Bosch Rexroth AG. Für sein Unternehmen ist China mittlerweile der mit Abstand größte Einzelmarkt außerhalb Deutschlands, in Indien und Brasilien wachse man zweistellig. Tragl: „Der Erfolg in diesen Märkten erfordert ein hohes Engagement vor Ort.“ Speziell für den asiatischen Wirtschaftsraum entwickelt das Unternehmen zunehmend so genannte ‚Just-enough-Lösungen‘, die es in ihrer Form in Europa nicht gibt. Beispielsweise zielt eine CNC-Systemlösung darauf ab, einfache Maschinen mit nur wenigen Achsen zu steuern, nutzt aber den gleichen Softwarekern wie die Highend-Variante für den europäischen Maschinenbau.
Industrieexperte Dr. Armin Schmiedeberg, Partner bei Bain & Company: „Die internationale Arbeitsteilung wird von drei Faktoren beflügelt: Kundennähe, Kostenstrukturen und Verfügbarkeit von Talent.“ Für Schmiedeberg ist klar, dass dabei die Produktion langfristig immer an den Ort der niedrigsten Lohnstückkosten wandert. Die Forschung hingegen sei Know-how- und talentabhängig, weshalb technologische Konzeption und Entwicklung häufig weiterhin in Deutschland erfolge. Auch Rittal-Inhaber und Geschäftsführungsvorsitzender Friedhelm Loh vertritt gegenüber der Fachzeitung Produktion diese Meinung: „Wir müssen in Deutschland vor allem auf den Brain-Faktor setzen, der hier erwiesenermaßen eine große Stärke ist.“ Dennoch ist für Loh klar, dass sich die internationale Arbeitsteilung nicht nur auf Produktion, sondern auch auf Forschung und Entwicklung beziehen muss: „Denn zur Globalisierung gehört neben der Vor-Ort-Präsenz die Internationalisierung unserer F&E-Aktivitäten. Internationale Innovationsteams spielen eine wichtige Rolle, da unsere Produkte die jeweils gültigen technischen Vorschriften der Länder erfüllen müssen.“
Sowohl Bosch Rexroth als auch Rittal setzen in ihren Globalisierungs-Strategien auf Weltprodukte. Karl Tragl: „Gerade deutsche Maschinenhersteller haben größtes Interesse an standardisierten Komponenten, die sie weltweit einsetzen können.“ Auch Friedhelm Loh beantwortet die Frage nach Weltprodukten mit einem klaren Ja: „Unsere Produkte sind für den Weltmarkt ausgerichtet.“ Berater Schmiedeberg: „Je stärker die Kosten bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielen, desto eher sind Weltprodukte sinnvoll.“

„Internationale Arbeitsteilung“ ist der Titel des Forum A beim ‚5. Deutschen Maschinenbau-Gipfel‘ am 18. und 19. Oktober 2011 in Berlin. Dort sprechen neben Werner Ressing, Leiter der Abteilung Industriepolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Dr. Karl Tragl, Vorstandsvorsitzender der Bosch Rexroth AG, und Dr. Thomas Steffen, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung von Rittal.

Weitere Informationen: www.maschinenbau-gipfel.de

aus Produktion Nr. 35, 2011