Heideldruck hatte die weltweite Rezession schwer zu schaffen gemacht, Finanzvorstand Dirk Kaliebe

Heideldruck hatte die weltweite Rezession schwer zu schaffen gemacht, Finanzvorstand Dirk Kaliebe stand vor einer sehr großen Aufgabe (Bild: Anna McMaster).

von Claus Wilk

BERLIN. Das weltweite Druckvolumen, 2010 immerhin 155 Mrd Euro schwer, nimmt auch in den kommenden Jahren kaum ab, eher sogar zu. Für Heidelbergers Finanzchef Dirk Kaliebe ist das Marktsegment, indem sein Unternehmen sich bewegt, deshalb groß genug, um hier nicht aufzugeben. Zwischen 3 Mrd und 5 Mrd Euro hat Heidelberger hier in der Vergangenheit verdient. In den letzten Jahren, letztendlich auch bedingt durch die Wirtschafts- und Bankenkrise, gab es jedoch dramatische Einbrüche: Der Konzern verlor die Hälfte des Umsatzes. Mit den vorhandenen Strukturen konnten die Verantwortlichen nicht weiter wirtschaften. Allein der Break Even lag bei mehr als 3,2 Mrd Euro, bei einem Umsatz von nur noch 2,3 Mrd Euro. Der Free Cash Flow verschlechterte sich analog zur Ertragslage. “Der Break Even musste deswegen auf 2,5 Mrd Euro runter,” berichtete Dirk Kaliebe den Teilnehmern des 5. Deutschen Maschinenbau-Gipfels. Kaliebes Rat: “Gehe langsam wenn Du’s eilig hast” meint, dass die nächsten Schritte für das Unternehmen sorgfältigst vorbereitet wurden. Fehlentscheidungen konnte sich Heidelberger Druck an diesem Punkt nicht mehr leisten.

Die operativen Verluste, die dadurch nachhaltig steigenden Finanzierungskosten und das zu finanzierende Restrukturierungsprogramm von bis zu 200 Mio Euro haben entsprechend deutliche Veränderungen in der Kapitalstruktur des Unternehmens hinterlassen. “Eine künftige Einhaltung der Financial Convenants war unter diesen Umständen nicht mehr ohne Weiteres gewährleistet”, so Kaliebe. Mit verschiedenen Kreditgebern war deshalb ein mittel- und langfristiges zur Zukunftssicherung zu erarbeiten. Die Maßnahmen umfassten einen syndizierten Kredit in einer Höhe von 550 Mio Euro, ein Bürgschaftsprogramm des Staates und der Länder Baden Württemberg und Brandenburg brachte weitere 550 Mio Euro und das KfW-Sonderprogramm 300 Mio Euro. Zahlen musste Heidelberg rund 10 Prozent Zinsen, also durchaus marktübliche Konditionen. Die operative Restrukturierung umfasst die Zuordnung von Arbeitspaketen je Vorstand und eine Fixkosteneinsparung von 480 Mio Euro. Eine von langer Hand vorbereitete Kapitalerhöhung im Sommer 2010 brachte dann eine signifikante Senkung der Verschuldung und bildete die Basis für eine erfolgreiche Finanzierung bis August 2012. Mit der Begebung eines High Yield Bonds (Bond mit höherer Risikobewertung) hat Heidelberg die finanzielle Restrukturierung abgeschlossen.

Was hat die Heidelberger Druckmaschinen AG aus der Krise gelernt? Kaliebe: “Ohne operativen Turnaround ist keine finanzielle Restrukturierung möglich.” Und: “Cash is King: Die Bedeutung von langfristig verfügbarer Liquidität sollte nicht unterschätzt werden!” Last but not least sei, so Kaliebe, eine vertrauensvolle und langfristige Zusammenarbeit mit allen Kreditgebern und vor allem Banken unabdingbar.