Kupfer als viel gefragter Rohstoff steigt. Damit einher geht ein Preisanstieg in der

Kupfer als viel gefragter Rohstoff steigt. Damit einher geht ein Preisanstieg in der Elektroindustrie (Bild: Jumk.de)

Der Kampf um Rohstoffressourcen spitzt sich zu. Nicht nur der stetige Ausbau des chinesischen Einflussbereichs könnte Deutschland ins Hintertreffen geraten lassen.

Sabine Spinnarke

LANDSBERG. Die drastische Preisentwicklung bei Rohstoffen wie Kupfer oder Seltene Erden verunsichert Unternehmen der Elektroindustrie. „Die Preissteigerungen in den vergangenen Monaten waren enorm“, bestätigt Philip Harting, Vorstand Connectivity & Networks, Harting. Immerhin liegt laut ZVEI der Rohstoffanteil in der Elektroindustrie bei etwa einem Drittel des gesamten Materialkostenanteils. Auch bei Bosch Rexroth geht man davon aus, dass „die Herstellkosten einiger unserer Produkte steigen werden, wenn die Entwicklung auf der Rohstoffseite weiterhin anhält“, befürchtet Karl Tragl, Vorsitzender des Vorstands von Bosch Rexroth. Deutschland ist mangels eigener Ressourcen auf die Einfuhr von Rohstoffen angewiesen. Umso wichtiger wäre eine stabile Preisentwicklung, die wiederum von verschiedensten Faktoren abhängt.

Politische Einflüsse

Bei den Rohstoffen Tantal, Zinn, Wolfram oder den Seltenen Erden bestimmen politische Entscheidungen den Preis. Dazu Dr. Peter Buchholz, Arbeitsbereichsleiter Rohstoffwirtschaft bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: „Der Financial Reform Bill der USA wird zu einem Quasi-Importstopp von Tantal, Zinn und Wolfram aus der Demokratischen Republik Kongo führen; damit sind eine Rohstoffverknappung und Lieferengpässe in den USA programmiert.“

Rohstoffhunger der Asiaten

Bei anderen Rohstoffen treibt der enorme Bedarf der Asiaten den Preis: „China ist bei wichtigen mineralischen Rohstoffen Top-Verbraucher: 40 Prozent des weltweit abgebauten Aluminiums gehen nach China, ebenso 44 Prozent des Bleis, 39 Prozent des Kupfers und 35 Prozent des abgebauten Nickels“, sagt Buchholz. Verschärfend wirkt die Trägheit der Bergbauindustrie: „Der Anbietermarkt kann nicht schnell genug reagieren. Bis ein Bergwerk errichtet ist, vergehen in der Regel fünf bis zehn Jahre, deswegen kommt es immer wieder zu einer Kluft zwischen Angebot und Nachfrage.“

Spekulanten

Seitdem der Handel mit Rohstoffen auch für Spekulanten ein Thema ist, hat die Preisentwicklung immer weniger mit der realen Situation zu tun. Spekulativ hochgetriebene Preise können nicht unbedingt an den Kunden weitergeben werden: „Unternehmen, die beispielsweise im Automobilbereich tätig sind, haben längerfristige Rahmenverträge. Steigende Rohstoffpreise können also nicht an die Kunden weitergegeben werden, sondern schmälern die Margen. Extreme Preissteigerungen lassen sich am Markt so nicht durchsetzen“, sagt Christoph Stoppok, Geschäftsführer ZVEI Electronic Components and Systems.

Substitution und Langfristlieferverträge

Die einzige Möglichkeit, sich gegen steigende Preise abzusichern, sind neben Langfristlieferverträgen die Suche nach alternativen Materialien, wie Winfried Wittmann von der Drive Technologies Division der Siemens AG sagt: „Grundsätzlich gilt: Schon seit langem stellt sich Siemens der Herausforderung knapper werdender Rohstoffe. Wir identifizieren intern Geschäftsrisiken und leiten frühzeitig Gegenmaßnamen ein, im Wesentlichen durch eine langfristige Liefersicherung, durch eine Substitution von Materialien und durch eine effizientere Nutzung oder Recycling.“ Bei Rexroth sieht man das ähnlich. „Generell ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft, die Verfügbarkeit wichtiger Rohstoffe sicherzustellen. Es gilt, sowohl ungenutzte Reserven zu erschließen, als auch geschlossene Stoffkreisläufe durch Recycling herzustellen“, erläutert Tragl.

Keine physische Verknappung

Dass die Rohstoff-Vorräte der Erde in absehbarer Zeit zur Gänze schwinden, ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich: „Auf lange Sicht sehen wir bei den meisten Rohstoffen keine physischen Verknappungen. Eng werden kann es bei den Seltenen Erden Neodym und Dysprosium – unter der Voraussetzung, dass die Elektromobilität zur Marktreife gelangt, die Windkraft weiter ausgebaut wird und es bis dahin keine Substitutionsmöglichkeiten gibt. In über 100 neuen Explorationsprojekten wird derzeit nach Seltenen Erden gesucht, und die Entdeckung weiterer neuer Lagerstätten ist durchaus wahrscheinlich“, relativiert Buchholz.