VDMA-Präsident Dr. Lindner fordert angesichts der Eurokrise einen klaren „Masterplan“, wie

VDMA-Präsident Dr. Lindner fordert angesichts der Eurokrise einen klaren „Masterplan“, wie weiter vorzugehen ist (Bild: VDMA).

BERLIN (ks).  Die deutschen Maschinenbauer befürchten, dass der eigene Erfolgskurs durch die Schulden- und Finanzkrise beeinträchtigt wird. „Die Realwirtschaft war schon das letzte Mal Opfer der Verschuldungs- und Finanzkrise. Wir möchten das nicht noch ein zweites Mal erleben“, so VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner auf dem 5. Deutschen Maschinenbau-Gipfel in Berlin. „Die Ansteckung der Realwirtschaft durch den Wackelkurs der Banken ist – ohne Frage – gegeben.“ Es entstehe der Eindruck, „als ob das zentrale Geschäftsmodell der Banken eher virtuellen Charakter hätte.“ Bei den mittelständischen Maschinenbauern wachse die Sorge, ob die Banken – bei instabiler Lage – noch bereit seien, die Unternehmen zu finanzieren.

Maschinenbauer von den Leistungen der Politik enttäuscht
„Was die Verschuldungs- und Eurokrise betrifft, sind wir von den Leistungen der Politik mehr als enttäuscht“, sagte Lindner. „Das gilt nicht nur für die Regierung, sondern auch für die anderen politischen Parteien, die hier gefordert wären, in einer schwierigen Situation endlich Verantwortung zu übernehmen und nicht nur an Wählerstimmen zu denken. Ein weiteres Herumkurieren an den Symptomen und ein aus immer mehr Flicken bestehender Rettungsschirm sind keine stabilen Lösungen“, so der VDMA Präsident. „Eine Destabilisierung oder gar ein Auseinanderbrechen der Währungsunion wäre eine dramatische Entwicklung.“

Lindner forderte einen klaren „Masterplan“, wie weiter vorzugehen ist. „Zur Not einschließlich eines entsprechenden Schuldenschnittes.“ Die Regierungskoalition müsse sich der Verantwortung für Deutschland und für ganz Europa stellen. „Es muss klare Grenzen der Verschuldung, klare Grenzen des Transfers und klare Perspektiven geben. Die scheinbare Orientierungslosigkeit muss ein Ende haben“, forderte Lindner. Der VDMA Präsident kritisierte aber auch die Vorschläge der SPD, den Spitzensteuersatz zu erhöhen, die Vermögenssteuer wieder einzuführen und die Erbschaftssteuer zu verschärfen. Dies würde ausgerechnet die kleinen und mittleren Familienunternehmer treffen, die in der großen Krise vor zwei Jahren Deutschland vor dem Kollaps bewahrt hätten, indem sie Eigenkapital zugeschlossen und auf Entlassungen verzichtet hätten. „Es ist schon merkwürdig, dass viele Politiker einfach nicht verstehen können und vielleicht auch nicht verstehen wollen, dass sie alles tun sollten, um die Produktion in Deutschland zu schützen, auszubauen und zu fördern. Dies ist die Basis des Wohlstandes, nicht aber die Verteilung von Wahlgeschenken.“ Die Idee der Konsolidierung mit Steuer- und Abgabenerhöhungen werde nicht klappen. „Wir brauchen wirtschaftliche Strukturen, um auf Dauer Steuerlast und Staatsquote zu senken. An den Ausgaben anzusetzen, genau das, was wir von den Griechen auch fordern, ist der einzig verantwortbare Weg zu einem nachhaltigen, soliden Gemeinwesen“, so VDMA Präsident Lindner. „Wir sollten uns gemeinsam auf den Weg machen und die Schuldenbremse durch eine Staatsbremse ergänzen.“

Branche bleibt für 2012 zuversichtlich

Trotz der drohenden Risiken bleibt der Verband für das kommende Jahr optimistisch. „Wir erwarten ein Produktionswachstum von 4% für 2012. Nominal, also nicht preisbereinigt, könnten wir mit rund 197 Mrd Euro das Top aus dem Jahr 2008 von 196 Mrd Euro sogar leicht übertreffen.“ In den ersten acht Monaten 2011 ist die Produktion von Maschinen- und Anlagen – im Vergleich zum Vorjahr – um 16,7% gestiegen. Die Kapazitäts-Auslastung liegt aktuell bei 89,9%. Die Auftragsreichweite stieg im Juli auf 5,8 Monate im Durchschnitt der Branche. In den letzten drei Monaten erzielten fünf Fachzweige im Auftragseingang ein Plus von über 20%, die Werkzeugmaschinen, Bergbaumaschinen, Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate, Robotik und Automation sowie Landtechnik.

Branche rechnet mit 943.000 Beschäftigten zum Jahresende 2011

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hebt die Prognose für den Beschäftigungszuwachs im gesamten Jahr 2011 (Dezember zu Dezember) auf 30.000 an. Die volle Auslastung der Produktion brachte im August einen kräftigen Beschäftigungszuwachs um 9000 Mitarbeiter. Seit Jahresanfang stieg die Zahl der Festangestellten sogar um 25.000 auf aktuell 938.000 Beschäftigte. Problem für die Branche ist derzeit der hohe Fachkräftemangel. Aktuell gibt es 17.000 offene Stellen im Maschinenbau, davon rund 8.000 für Ingenieure.

Exporterfolge besonders in Ostasien
Die deutschen Maschinenausfuhren lagen im Zeitraum Januar bis Juli 2011 bei 81 Mrd Euro (2010 bei 69,5 Mrd Euro), und damit nominal um 16,5% über dem Vorjahreswert. „Die Region mit dem stärksten Wachstum ist mit 30% Ostasien“, berichtete Lindner. Allein die Exporte nach China stiegen um 37% auf fast 11 Mrd Euro. „Wir erwarten für 2011 ein Gesamtvolumen der deutschen Maschinenausfuhr nach China von etwa zwanzig Milliarden Euro“, sagte Lindner. „Das ist ohne Frage eine Riesenchance für den deutschen Maschinenbau, aber natürlich wegen der sich daraus ergebenden Abhängigkeit auch ein beachtliches Risiko.“ Fast jede fünfte Maschine (18,8%) geht mittlerweile nach Ostasien, das ist mehr als doppelt so viel wie nach Nordamerika (neun%).

Weltmarkt-Exportanteil Deutschlands liegt 2010 bei 16,8%
„Auch im weltweiten Entwicklungstrend liegt der deutsche Maschinenbau gut“, betonte der VDMA-Präsident. Die deutschen Maschinenexporteure hatten 2010 ihre Ausfuhren um 12,5% auf 124,8 Mrd Euro gesteigert und damit einen Weltmarktanteil von 16,8% erreicht ([2009: 18,6 %). Gefolgt von Japan mit 12,1% (89,8 Mrd Euro), den USA mit 12,0% (88,7 Mrd Euro). China zog mit 9,7% (72,1 Mrd Euro) an Italien vorbei auf Platz 4 im internationalen Ranking. „Wir sind zwar insbesondere im Verhältnis zu vielen unserer Konkurrenten immer noch sehr gut aufgestellt, aber durch die enorme Ausweitung der Produktion und des weltweiten Handels verlieren wir%ual an Gewicht. Dies muss eine Herausforderung für uns sein, insbesondere für die Anstrengungen in den asiatischen Wachstumsregionen“, sagte Lindner.
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