GRAFENBERG (ba). Rampf Gießharze, das auf PUR- und Epoxidharzsysteme sowie Silikone spezialisiert ist, strebt an, seinen Umsatz mit auf Bio-Polyolen basierenden Produkten bis 2012 zu verdoppeln. “Ressourcenschonung ist das Gebot der Stunde. In allen Schlüsselbranchen. Unsere Aufgabe ist es nun, ökonomisch und ökologisch sinnvolle Produkte zu entwickeln”, sagt Dr. Klaus Schamel, Geschäftsführer bei Rampf Gießharze. Dafür hat das Unternehmen, das Dichtungsschäume, Elektrogießharze, Klebstoffe und Vergusssysteme herstellt, einen starken Partner an seiner Seite, die Schwesterfirma Rampf Ecosystems. Zusammen haben sie zwei Vergussmassen aus Rapsöl entwickelt, die unter anderem bei Ladesteckern von Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen.

Beide Unternehmen gehören zur internationalen Rampf-Gruppe aus Grafenberg. Der Unternehmensverbund zählt mit rund 410 Mitarbeitern und einem geplanten Umsatz von 85 Mio Euro für das Geschäftsjahr 2010/2011 zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Reaktionsgießharze und Maschinensysteme. Die fünf Firmen sind alle unter dem Dach einer Holding vereint., wichtige Auslandsmärkte sind Europa und Asien sowie die NAFTA-Regionen. Rampf unterhält eigene Vertretungen in den USA, Japan und China.

Verdoppelung der Recyclingkapazitäten für die Zukunft

Rampf Ecosystems aus Pirmasens widmet sich ausschließlich dem Recycling von Polyurethan und der Erforschung von nachwachsenden Rohstoffen wie etwa Rapsöl, Milchzucker, Fett und Glycerin. Polyurethan-Produktionsreststoffe und “post-consumer” PET aus Verpackungen sind für Rampf Ecosystems keine Abfälle, sondern wertvolle Rohstoffquellen. Sie werden durch spezielle chemische Verfahren, wie Glykolyse, Acidolyse oder Polyolyse zu (Recycling-) Polyolen aufbereitet. Die sogenannten Recypole und Petole fließen erneut in die Herstellung von Polyurethan ein. Kunden sind die Firmen der Rampf-Gruppe aber auch andere Systemhäuser. Für den Recyclingprozess hat Rampf eine Anlage für thermische Glykolyse entwickelt. Heute zählt sie zu den Größten ihrer Art in Europa. Und im Frühjahr 2011 wird eine weitere Anlage am Standort Pirmasens hinzukommen. Damit verdoppeln die Recyclingspezialisten ihre jährlichen Kapazitäten auf rund 5000 t.

Neben der Produktion von Formteilen wie Kopfstützen und Schaltknäufen übernimmt Rampf Ecosystems auch den Anlagenbau beim Kunden. Damit schließen sie vor Ort den Kreislauf aus PUR-Verarbeitung, Reststoffverwertung und erneutem Einsatz der gewonnenen Polyole.

Die Vorteile von Bio-Polyolen für Hersteller und Kunde liegen auf der Hand: Langfristige Verfügbarkeit, CO2-Neutralität und verbesserte Produkteigenschaften. “Im Vergleich zu einem Polyurethan auf petrochemischer Basis lässt sich der Ausstoß an Treibhausgasen um 30% reduzieren. Zudem lassen sich Verbesserungen bei den Funktionalitäten erzielen”, sagt Michael Kugler, Betriebsleiter bei Rampf Ecosystems. Beispielsweise zeigen Zuckerderivate hohe Funktionalitäten auf, die im späteren Polyurethan zu höherer Vernetzung und bei den Hartschäumen zu besseren mechanischen Schaumeigenschaften führen. Polyole auf Basis von Pflanzenölen, das heißt den entsprechenden Fettsäuren, zeigen einen ausgesprochen hydrophoben Charakter und werden deshalb gerne in hydrolysestabilen Polyurethanen eingesetzt. Den Beweis dafür liefern die ersten Produkte von Rampf Gießharze und Rampf Ecosystems auf Basis von Raps- und Sojaöl.

Seit kurzem ist eine effiziente Vergussmasse am Markt, die als Schutzhülle in Kabeltüllen für LKWs eingesetzt wird. Das Hartschaumprodukt aus Rapsöl überzeugt durch beste mechanische Festigkeiten und eine hervorragende Vibrations-, Schall- und Wärmedämmung. Weiter haben die Experten ein Elektrogießharz aus Bio-Polyolen entwickelt, das zum Beispiel im Ladestecker von Elektrofahrzeugen Verwendung findet. Das Material gleicht extreme Temperaturunterschiede aus, schützt aber auch vor Überhitzung, Stößen und Chemikalien.