Der Preisdruck bei den Rohstoffen nimmt weiter zu, Entspannung ist auch angesichts der politischen

Der Preisdruck bei den Rohstoffen nimmt weiter zu, Entspannung ist auch angesichts der politischen Risiken nicht in Sicht. Bild: Thierry Burot - Fotolia.com

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Deutschlands größter Stahlkonzern Thyssenkrupp hebt die Preise immer schneller an. Waren früher Jahreskontrakte gang und gäbe, muss sich der Ruhrkonzern nun den Minenkonzernen BHP Billiton, Rio Tinto und Vale beugen, die 2010 kurzfristigere Preisanpassung durchgesetzt haben. Nun schlagen die Preisanstiege jedes Quartal auf die Kosten durch. Mittlerweile zahlt Thyssenkrupp mehr als doppelt so viel für Eisenerz wie vor einem Jahr – und ein Ende ist nicht in Sicht. Ab April dürften sich Stahlerzeugnisse vor allem für die Automobilindustrie daher deutlich verteuern, bevor sie im Juli nochmals anzögen, sagte der für den Stahlvertrieb zuständige Jost Massenberg kürzlich.

Den Autobauern bleibt kaum anderes übrig, als die Schwankungen zu akzeptieren. “Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Rohstoffmärkte volatiler geworden sind”, sagte Audi-Chef Rupert Stadler. Den Herstellern fresse der Anstieg der Rohstoffkosten einen Teil der Gewinne im laufenden Jahr auf, da die Kostensteigerungen nicht komplett auf die Kunden abgewälzt werden könnten, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, vor wenigen Tagen auf dem Automobilsalon in Genf. Daimler rechnet mit Mehrkosten von 700 Mio Euro, der französische Hersteller PSA Peugeot Citroën mit 500 Mio Euro.

Beim Zulieferer Continental schlägt alleine der rasant gestiegene Kautschukpreis mit 700 Mio Euro zu Buche, sollte der sich auf dem aktuellen Niveau von 5,50 Dollar pro Kilogramm einpendeln. Die Hannoveraner haben zwar angekündigt, die Reifenpreise erneut anzuheben, allerdings geschieht dies mit Verzögerung und gleicht den Mehrpreis nicht hundertprozentig aus. Einen Teil müsse der Konzern durch Kosteneinsparungen auffangen, sagte Vorstandsvorsitzender Elmar Degenhart. Der französische Konkurrent Michelin, der ebenfalls teurere Pneus angekündigt hat, rechnet im laufenden Jahr sogar mit Zusatzkosten von rund 1,5 Mrd Euro. Auch Bridgestone aus Japan will seine Preise anheben.

Mit zunehmender Sorge blickt der Verband der Automobilinustrie (VDA) auch auf die Öl- und damit Benzinpreise. Vor allem die Luxusautobauer fürchten, dass die Kunden bei einem weiteren Anstieg vermehrt auf kleinere, sparsamere Fahrzeuge umsteigen, mit denen Daimler, BMW, Audi und Co. deutlich weniger verdienen als mit den großen Geländewagen oder Luxuslimousinen, die sich derzeit wieder verkaufen wie warme Semmeln.

Die Chemiebetriebe können mit den rasant steigenden Rohstoffpreisen nicht mehr mithalten. Die Unternehmen könnten die Kosten nicht so schnell an die Kunden weitergeben, klagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VCI, Utz Tillmann, erst Anfang der Woche. Das belaste die Gewinnmargen.

Unternehmen versuchen immer, höhere Einkaufspreise auf ihre Kunden überzuwälzen. Die scharfe Konkurrenz setzt dem jedoch Grenzen. Während sich die deutschen Importe im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um knapp 12% verteuerten, stiegen die Großhandelspreise lediglich um 9% und die Preise für die Verbraucher schließlich nur noch um 2%. Allerdings waren die deutschen Unternehmen angesichts der wirtschaftlichen Erholung noch nie so zuversichtlich, höhere Kosten tatsächlich an ihre Kunden weiterreichen zu können, wie der von der EU-Kommission monatlich erhobene Index der Verkaufspreiserwartungen zuletzt zeigte.

Zu Jahresbeginn hatten die Importpreise nochmals drastisch angezogen. Rohöl, Eisen und Stahl kostete nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fast ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Der Preis für Eisenerz hatte sich binnen eines Jahres sogar verdoppelt. So lange die politischen Unruhen in Nordafrika, allen voran im Erdölland Libyen, andauern, ist auch keine Entspannung in Sicht. Lange haben die Unternehmen versucht, die Mehrkosten durch Einsparungen und höhere Produktivität auszuschwitzen. Damit ist nun Schluss.

Volkswirte äußerten sich besorgt über die Preisentwicklung in Deutschland. “Der Preisdruck in der Pipeline nimmt zu”, meinte Ken Wattret von BNP Paribas. Am Donnerstag hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, angedeutet, womöglich schon im April die Zinsen zu erhöhen, um die durch die gestiegenen Rohstoffkosten befeuerte Preisspirale zu stoppen. Getrieben von hohen Energiepreisen hatte sich die Teuerung im Euroraum im Februar auf 2,4% beschleunigt und lag damit über dem Ziel der Zentralbank von knapp unter 2%.