Dr. Karl Tragl, CEO der Bosch Rexroth AG will mit seinem Unternehmen der Wertschöpfung vor Ort

Dr. Karl Tragl, CEO der Bosch Rexroth AG will mit seinem Unternehmen der Wertschöpfung vor Ort folgen und in das Just-enough-Segment einsteigen (Bild: Anna McMaster).

von Daniela Hoffmann

BERLIN (ks). Tragl geht davon aus, dass die Märkte sich Richtung der BRIC-Staaten entwickeln werden und eine zunehmend starke Differenzierung in der Branchenentwicklung stattfinden wird. Die Regionen-Verschiebung des Unternehmens wird in den Umsatzzahlen deutlich. Während der Umsatz in Deutschland von 31% im Jahr 2003 auf 25 in 2010 zurückging, stieg er im Asien-Pazifik-Raum von 13 auf 27%, bis 2017 werden es voraussichtlich um die 37% sein. Man will stärker den internationalen Kunden folgen, das hat Tragl zufolge jedoch einen positiven Effekt auf die Beschäftigung in Deutschland, denn die Mitarbeiterzahl wachse deutlich.
„Wir wollen die Anforderungen aus den Schwellenländern extrem gut verstehen“, erklärt der Geschäftsführer. Denn die Anforderungen an Know-how, Prozesse und Ausrüstung steigen dort kontinuierlich. Ziel von Bosch Rexroth ist daher, mit der Wertschöpfung vor Ort zu gehen und in den Midrange-Markt (Just-enough-Segment) einzusteigen. Die immer fitteren asiatischen OEMs würden sich ihrerseits in neuen Zielregionen probieren, wie Lateinamerika, Afrika, Osteuropa und Südostasien, meint Tragl.
Der Ansatz des deutschen Herstellers ist ein erfolgreiches „Design to Region“, Produkte also in den Märkten für die Märkte. „Es geht nicht um einen einfachen Transfer, sondern um deutsche Plattformen im Kern, ergänzt um Applikationen für die Emerging Markets“, erläutert Tragl. Um eine internationale Wertschöpfung zu erreichen, sei es wesentlich, zunächst die Beschaffung lokal zu organisieren, dann die Produktion und anschließend das Engineering. Auch ein lokales Management mit Kennern der Kultur vor Ort sei wichtig. Das Problem des Diebstahls von geistigem Eigentum umgeht Bosch Rexroth, indem kein Source- sondern nur compilierter Code weitergegeben wird: Elektronik verbunden mit Software sei im Gegensatz zur Hardware relativ gut zu schützen.
Und die Antwort auf die Frage nach der Befindlichkeit? „Zukunft braucht Herkunft“, zitiert Tragl. „Wir wollen aber auch ein Unternehmen sein, das in jedem Land vollständig zuhause ist.“