Preiswerter und leichter zu verarbeiten als CFK: Stahlbleche bleiben in Top-Form (Bild:

Preiswerter und leichter zu verarbeiten als CFK: Stahlbleche bleiben in Top-Form (Bild: Fotolia/Kadmy).

von Klaus Hiemer

(ks). Im Kampf um Gewichtseinsparungen haben kohlenstofffaserverstärkte Verbundwerkstoffe (CFK) in den letzten Jahren Boden gut gemacht. Aber das ‚Schwergewicht‘ Stahl und das Halbzeug Blech haben ihre herausragende Position verteidigt. „Die Verarbeitung von Stahl ist derzeit noch deutlich günstiger als von CFK, auch weil der Umformprozess selbst viel schneller ist. Die sogenannten hochfesten Stähle eignen sich ebenfalls für den Leichtbau: Mit ihnen lassen sich etwa dünnere Karosseriebleche produzieren“, sagt Lothar Gräbener, Direktor Vertrieb bei der Schuler SMG in Waghäusel.

Spezielle Pressen mit der so genannten Servo-Direkt-Technologie ließen sich sehr gut auf die besonderen Anforderungen der Kaltumformung hochfester Stähle abstimmmen. „Wegen ihrer hohen Festigkeitswerte kommen diese auch als Sicherheitsbauteile in Frage, zum Beispiel als Stoßfängerträger oder zur B-Säulenverstärkung“, meint Gräbener.
Bystronic, Schweizer Hersteller von Blechbearbeitungsmaschinen, weist den CFK eher eine Nebenrolle zu. „CFK sehe ich nur in Spezialanwendungen verbreitet“, sagt Dr. Juergen Hohnhaus, Leiter Entwicklung der Bystronic-Gruppe. Im Maschinenbau gebe es nur wenige Anwendungen im Vergleich zum Blech. Gegenüber den Composites weise Blech eine ganze Reihe von Vorteilen auf. „Blech ist vielseitig einsetzbar, schnell und einfach in verschiedenen Materialien, Wandstärken und Formaten verfügbar“, meint Hohnhaus. Auch die Bearbeitung sei problemlos. „Mit dem Laser lässt sich beispielsweise der Werkstoff Blech heute mit hohen Schnittgeschwindigkeiten schneiden.“

Auch technologisch macht die Blechbearbeitung laut Schuler Fortschritte. „Einen Schritt weiter geht man beim Formhärten – Pressure Controlled Hardening oder PCH -, wo die Bauteile im erhitzten Zustand durch hydraulische Pressen umgeformt und gleichzeitig abgekühlt werden“, beschreibt Lothar Gräbener. Das eingesetzte Material erreiche damit noch höhere Festigkeitswerte und könne mit geringeren Presskräften bearbeitet werden.

Trotz aller Präferenzen für den Werkstoff Blech negieren die Experten keineswegs die Bedeutung von CFK. „Wir haben bereits 1998 die ersten Pressen zur Verarbeitung von CFK entwickelt“, so Gräbener. Derzeit seien zehn Schuler-Pressen im Einsatz. Er geht davon aus, dass der Bedarf an CFK-Pressen in den nächsten Jahren noch deutlich steigen wird. Auch Thyssen-Krupp „sieht durchaus interessante Möglichkeiten, die beiden Werkstoffe zu kombinieren“, sagt Oliver Hoffmann, Leiter Anwendungstechnik. Kommt die Verdrängung also langfristig? „Nein, ich sehe diese Gefahr nicht“, beharrt Dr. Hohnhaus von Bystronic.

aus Produktion Nr. 46, 2012