Die Region um den Veranstaltungsort Guangdong im Süden Chinas gilt mittlerweile als eines der

Die Region um den Veranstaltungsort Guangdong im Süden Chinas gilt mittlerweile als eines der wichtigsten Gravitationszentren der Druckbranche. China ist der wichtigste Markt für die deutschen Druckmaschinenhersteller (Bild: Messe Düsseldorf China).

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Sowohl Heidelberger Druck als auch Koenig&Bauer und manroland zeigten sich mit dem Verlauf der Messe, die mittlerweile als weltweit zweitwichtigstes Branchentreffen nach der Drupa in Düsseldorf gilt, sehr zufrieden. “Die deutschen Aussteller buchen die Messe durchweg als Erfolg”, sagte Markus Heering, Geschäftsführer des Fachverbandes Druck- und Papiertechnik im Verband der deutschen Anlagen- und Maschinenbauer (VDMA).

Entsprechend zufrieden äußert man sich bei der Offenbacher manroland AG: “Die Stimmung war sehr gut. Wir waren sehr erfolgreich und haben gut verkauft”, so manroland-Sprecher Thomas Hauser. Insgesamt seien 300 Bogen-Druckwerke bestellt worden sowie eine Reihe von Verbrauchsmaterialien, Dienstleistungs- und Beratungspaketen. “Dies entspricht etwa einem Gesamtmesseauftragseingang im mittleren zweistelligen Millionenbereich.”

Auch die Messebilanz von Koenig&Bauer fällt positiv aus: Die Würzburger verkauften mehr als 250 Druckwerke im Klein-, Mittel- und Großformat sowie zwei Rotationsmaschinen, womit die Erwartungen des Unternehmens deutlich übertroffen wurden. Details zum Auftragsvolumen wollte der SDAX-Konzern aber ebenso wenig nennen wie die Heidelberger Druckmaschinen AG. Bei den Heidelbergern standen nach Messeende allein von der in China neu vorgestellten Bogenoffsetdruckmaschine Speedmaster CX102 über 40 Maschinen in den Auftragsbüchern. Mit zahlreichen weiteren Bestellungen auch aus der lokalen Produktion konnte die HeidelDruck nach eigenen Angaben ihre führende Position in China festigen. Die Heidelberger sind der einzige deutsche Hersteller, der in Reich der Mitte einen eigenen Produktionsstandort betreibt.

Die Print China fand zwischen dem 9. und dem 13. April in Dongguan in der Provinz Guangdong unweit von Hongkong statt. Die Region im Süden Chinas um die Millionenmetropole und Industriestadt gilt mittlerweile als eines der wichtigsten Gravitationszentren der Branche. Von weltweit 400.000 Druckereien sind rund 100.000 im Reich der Mitte ansässig; alleine etwa 35.000 in der Provinz. Mit weit mehr als 120.000 Besuchern ist die Messe inzwischen die zweitgrößte der Welt und hat damit der britischen Ipex den Rang abgelaufen. Gut 1.250 Aussteller aus 18 Ländern präsentierten auf der Print China ihre Produkte. Das weltweit größte Branchentreffen ist allerdings nach wie vor die drupa in Düsseldorf, die alle vier Jahre stattfindet und bei der zuletzt rund 400.000 Besucher gezählt wurden.

“Die Print China hat den Eindruck bestätigt, dass China inzwischen der mit Abstand wichtigste Markt für die Branche ist”, sagte VDMA-Vertreter Heering. “Das wird auch so bleiben – China boomt weiter”. Nicht nur die schiere Anzahl der Besucher habe überzeugt, auch deren Qualität. So hätten viele Ausländer, unter anderem auch aus Indien und dem Südosten Asiens, die Print China besucht.

Nach Daten der Branchenanalysten von PIRA stieg China 2009 nach den USA und Japan mit einem Gesamtvolumen von fast 49 Mrd Euro zum drittgrößten Markt für die weltweite Druckmaschinenindustrie auf. Besonders imposant ist das Wachstum: Von 2003 bis 2009 verdoppelte sich das Volumen, bis 2014 soll es um gut 40% auf dann fast 70 Mrd Euro zulegen.

Für die deutschen Druckmaschinenhersteller, die sich in den USA und Japan großer heimischer Konkurrenz ausgesetzt sehen, ist China auch beim Volumen heute schon der wichtigste Markt: Laut Statistiken des VDMA wurden in den ersten zehn Monaten des Jahres 2010 (aktuellere Daten liegen noch nicht vor) von deutschen Konzernen Druckereimaschinen im Wert von knapp 375 Mio Euro nach China exportiert – zwei Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum und mehr als doppelt so viel wie in den zweitgrößten Markt USA. Insgesamt gingen damit etwa 16% der Exporte in die Volksrepublik.

In den vergangenen beiden schwierigen Jahren hatte die Nachfrage aus Asien, speziell China, und Lateinamerika einen noch tieferen Sturz der Branche verhindert. Einige Marktbeobachter befürchteten zuletzt aber, dass sich das Wachstumstempo nun merklich abschwächen könnte.

Die Industrie schätzt ihre Perspektiven im Reich der Mitte aber als weiter sehr gut ein. “Wir sehen in China nach wie vor sehr große Potenziale”, sagte manroland-Sprecher Hauser stellvertretend. Das gelte vor allem, weil der Faktor Qualität nach wie vor ein großer Wettbewerbsvorteil für die deutschen Hersteller sei. Dies gelte auch und gerade, da die Ansprüche der Kunden in China höher würden. Das sieht auch VDMA-Experte Heering so: Zwar gebe es auch eine größere Anzahl chinesischer Druckmaschinenhersteller, aber für höherwertige Druckprodukte würde noch immer deutsche Spitzentechnik benötigt.