Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Sorgen bereitet aber immer noch das Nordamerika-Geschäft. Besserung ist dort zwar in Sicht, kurzfristig dürfte das Marktumfeld aber schwierig bleiben. Das könnte zum Problem werden: Denn auch wenn die Bedeutung des US-Marktes in den vergangenen Jahren stetig abnahm, spielt er immer noch eine bedeutende Rolle für die Branche – vor allem weil sich das rasante Wachstumstempo in den Schwellenländern verlangsamt.

“Der Markt hat nach wie vor eine nicht zu vernachlässigende Bedeutung, da die Branche neue Wachstumslokomotiven braucht”, sagte ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte. Denn aus der tiefen Rezession der vergangenen beiden Jahre half den Herstellern besonders die Nachfrage aus Asien, speziell China, sowie Lateinamerika. “Diese Märkte werden zwar auch in Zukunft wachsen, allerdings wohl bei Weitem nicht so stark wie zuletzt”, so der Branchenkenner. “Die Märkte Osteuropa und vor allem USA rücken damit in den Fokus”.

Nordamerika war über lange Jahre der größte Auslandsmarkt für den deutschen Druckmaschinenbau. In der schweren Branchenkrise liefen die Chinesen den Amerikanern allerdings den Rang ab. Nirgendwo ist das doppelte Dilemma der Druckmaschinenindustrie so gut zu erkennen wie in den USA: Zum einen haben Kunden Bestellungen wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf Eis gelegt und halten sich angesichts der nur zögerlichen Konjunkturerholung nach wie vor zurück. Zum anderen wandern immer mehr traditionelle Printinhalte wie Werbung oder auch Nachrichten ins Internet ab.

Wie arg die Krise des US-Marktes die Branche belastet, zeigt das Beispiel HeidelDruck: Der höchste Umsatz des Weltmarktführers dort lag 2006/07 bei gut 620 Mio Euro und machte damit rund ein Sechstel der Gesamterlöse aus. In den folgenden drei Geschäftsjahren ging es rapide bergab – mit Raten von teilweise mehr als einem Drittel. 2009/10 nahm der MDAX-Konzern dann nur noch knapp 270 Mio Euro in Nordamerika ein; auch im bisherigen Verlauf des aktuellen Geschäftsjahres gab es keine Wende bei den Erlösen.

Der Auftragseingang – mit reichlich Rückenwind durch den Wechselkurs – stieg dagegen zuletzt deutlich an. “Positiv wirkt sich vor allem die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit durch die Veränderung der Wechselkursrelation von Euro und US-Dollar zu Japanischem Yen aus”, sagte Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel. Die deutschen Hersteller konkurrieren vor allem mit Japanern wie Komori oder Ryobi und den Amerikanern Goss. Beim Umsatz sind die Steigerungen der Bestelleingänge indes noch nicht angekommen. Das dauert wegen der langen Vorlaufzeiten eine ganze Weile.

Von einem nachaltigen Aufwärtstrend kann also nicht die Rede sein. Das sieht auch Commerzbank-Analyst Schachel so: “Insgesamt kann man aus meiner Sicht nicht von einer deutlichen Trendwende sprechen, und es gibt auch keine konkreten Anzeichen dafür. Der Markt bewegt sich weiter auf relativ niedrigem Niveau von etwa 55% bis 60% des Höchststandes”.

Der anonyme Analyst rechnet in den nächsten zwölf Monaten mit einer merklichen Erholung. “Es gibt einen riesigen Investitionsstau”. Maschinen befänden sich in Nordamerika teilweise schon zwei bis drei Jahre über ihren eigentlichen Ersatzzeitpunkt hinaus im Einsatz. Er geht aber nicht davon aus, dass der Markt das Vorkrisenniveau jemals wieder erreichen wird. “Die alten Peaks sehen wir nicht wieder”.

Auch Schachel sieht mit Blick auf das Alter der installierten Basis Luft nach oben, bleibt aber zurückhaltend: Der globale Druckmaschinenmarkt werde langfristig wieder auf etwa 80% des Vorkrisenniveaus zurückkehren. “Für den US-Markt bin ich da pessimistischer”. Dort dürfte der Markt nur wieder etwa drei Viertel der alten Höchststände erreichen.

Auch in der Industrie selbst gibt man sich noch zurückhaltend, was die Entwicklung in Nordamerika angeht. Heideldruck-Vorstandschef Bernhard Schreier sagte unlängst, dass der Aufwärtstrend nur langsam einsetze. Zwar habe sich die Auslastung der dortigen Druckereien leicht verbessert und liege bei rund 70%. Die Investitionen würden aber erst ab der Marke von 80% wieder angekurbelt. “Wir sind verhalten optimistisch”, sagte Schreier und verwies auf die zuletzt guten US-Konsumdaten. Mit dem privaten Konsum ziehen in der Regel auch die Werbeausgaben an, was wiederum Druckereien und den Maschinenlieferanten zu gute kommt.

“Der US-amerikanische Markt erholt sich nur langsam. Die Verunsicherung bei den Marktteilnehmern ist nach wie vor hoch, auch die anhaltend schwierigen Finanzierungsbedingungen schlagen sich auf das Investitionsklima nieder”, erklärte manroland auf Anfrage. “Aufgrund der Investitionszurückhaltung und des strukturellen Wandels hat die Bedeutung aktuell abgenommen. Es findet eine Verschiebung hin zu Wachstumsmärkten statt.”

Auch wenn das nicht zu bestreiten ist, spielt Nordamerika wohl auch in Zukunft eine nicht zu verachtende Rolle. Nach Angaben des VDMA-Fachverbands Druck- und Papiertechnik waren die Vereinigten Staaten zwischen Januar und Oktober 2010 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor – nach China der mit Abstand zweitwichtigste Exportmarkt.