Gertrud R. Traud

„Während ich vor einem Jahr gesagt habe, es ist zu viel Angst im Markt, sage ich jetzt, es ist zu viel Gelassenheit“, so Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin und Bereichsleitung Research bei der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen auf dem 9. Maschinenbau-Gipfel. - Bild: Sabine Ehlen

Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin und Bereichsleitung Research bei der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen wagte einige Prognosen für das nächste Jahr. Die Volkswirtin geht davon aus, dass der Euro von 1,15 Dollar auf 1,10 Dollar zurück geht und dann im nächsten Jahr wieder langsam steigt.

Mit Blick auf die EZB prophezeit Traud: „2018 werden wir eine Zinserhöhung haben, alles wird ein bisschen anders und von der Finanzierungsseite etwas schwieriger. Seien Sie vorbereitet!“. Sie glaubt, dass Draghi in seinem letzten Jahr nicht als EZB-Präsident in die Geschichte eingehen will, „der die Zinsen kaputt gemacht hat“. Deshalb werde der Einlagezins leicht nach unten gehen.

Die TED-Umfrage unter den Teilnehmern zeigte erheblichen Optimismus mit Blick auf die Zukunft des Euro. 63 Prozent sind der Meinung, der Euro wird sich weiter bewähren und neue Länder anziehen, 34 Prozent glauben, er wird über kurz oder lang eine Währung für einen harten Kern von Ländern. Nur 2 Prozent sehen keine Zukunft für den Euro. Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich beim Brexit einigen wird, liegt aus Sicht von Traud bei 60 Prozent.

Doch sei Vorsicht geboten. „Während ich vor einem Jahr gesagt habe, es ist zu viel Angst im Markt, sage ich jetzt, es ist zu viel Gelassenheit“, so die Expertin. Frühindikatoren zeigten schon wieder in die andere Richtung, dennoch hätten die Gelassenheit, auch an den Aktienmärkten, zugenommen. Aus ihrer Sicht birgt die insbesondere die mögliche Abspaltung von Katalonien erhebliche Gefahren für die europäische Wirtschaft.

Die transatlantische Generation tritt ab

Auch an anderer Stelle sieht perspektivisch nicht alles rosig aus. Deutsche Politiker und Wirtschaftvertreter unterschätzten die Stimmung in Washington, die nach einer drei- bis vierjährigen Diskussion auf breiter Basis in einer Kritik des deutschen Exportüberschusses gemündet habe. „Dass die Bundesregierung da nicht eine Taskforce gegründet hat, ist mir schleierhaft. Da stehen Milliarden auf dem Spiel und Argumente im Raum, die massiv schaden können“, so Dr. Michael Werz, Senior Fellow der Abteilung Nationale Sicherheit und Internationale Politik beim Center for American Progress in Washington DC.

Er wies zudem darauf hin, dass die demografische Veränderung in den USA um ein Vielfaches extremer sei als in Deutschland. Es erwachse eine „pazifische Generation“, in der es eine Mehrheit von hispanischen und asiatischen Bürgern geben werde, die die transatlantische Generation ablöse. Die Bindekräfte nach dem Zweiten Weltkrieg nähmen immer mehr ab. Dies sei noch nicht ausreichend angekommen.

Ihr blute das Herz, dass Deutschland für den Exportüberschuss „geschimpft“ wird, sagte Volkswirtin Traud: „Volkswirtschaftlich betrachtet sollte man uns dafür bemitleiden. Wir bekommen dafür einen Zettel, auf dem Dollar steht und wir produzieren auf das Versprechen hin, dass irgendwann bezahlt wird“. Sollte der Verbrennungsmotor verboten werden, wäre die Hälfte des deutschen Handelsüberschusses weg. Es sei ein fragiles Geschäftsmodell, warnte Traud.

Bilderstrecke: Das ist der Maschinenbau-Gipfel 2017

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, Saal

    Kurz bevor die Tore des 9. Deutschen Maschinenbau-Gipfels aufgingen, herrschte im Saal des Maritim-Hotels in Berlin noch die Ruhe vor dem Sturm. - Bild: Sabine Ehlen

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, Saal

    Das änderte sich schlagartig, sobald die Türen freigegeben wurden - die Spitzen des deutschen Maschinenbaus kamen zum 9. Gipfel zusammen. - Bild: Sabine Ehlen

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, Nina Ruge

    Nina Ruge eröffnete den 9. Deutschen Maschinenbau-Gipfel. - Bild: Sabine Ehlen

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, WIlk, Welcker, Ruge

    Die Gastgeber des 9. Deutschen Maschinenbau-Gipfels: VDMA-Präsident Carl Martin Welcker (rechts) und der Chefredakteur der Fachzeitung Produktion, Claus Wilk. - Bild: Sabine Ehlen

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, Welcker, VDMA

    Carl Martin Welcker: "Wir dürfen die Zukunft der Arbeit nicht kaputtreden", sagte der VDMA-Präsident in seiner Eröffnungsrede des 9. Deutschen Maschinenbau-Gipfels. - Sabine Ehlen

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, App

    Vernetzung und Digitalisierung waren beim Maschinenbau-Gipfel nicht nur Phrasen sondern wurden mit der speziell für den Gipfel entwickelten App auch gleich umgesetzt. - Bild: Sabine Ehlen

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    Die Bedeutung des Maschinenbau-Gipfels und der hier vertretenen Branche wurde auch durch die Anzahl Vertreter der Presse vor Ort deutlich. - Bild: Sabine Ehlen

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, Kamera

    Live und in Farbe: So nah und konzentriert wie auf dem Maschinenbau-Gipfel rückt die Branche sonst nur selten zusammen. - Bild: Sabine Ehlen

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, Oettinger

    "Europa muss endlich erwachsen werden", so der EU-Kommissar für Haushalt und Personal, Günther Oettinger auf dem Maschinenbau-Gipfel. - Bild: Sabine Ehlen

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, Oettinger

    "Wir müssen für unsere Werte mehr kämpfen", schrieb Oettiner den Maschinenbauern ins Stammbuch. - Bild: Sabine Ehlen

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, Oettinger, Nördinger

    Der EU-Kommissar für Haushalt und Personal, Günther Oettinger, stand nach seiner vielbeklatschten Rede Susanne Nördinger, der Chefin vom Dienst Print der Fachzeitung Produktion, Rede und Antwort. - Bild: Weinzierl

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, Werz

    Dr. Michael Werz, Senior Fellow, National Security Department, Center for American Progress in Washington D.C., ging mit der aktuellen Trump-Administration hart ins Gericht. - Bild: Sabine Ehlen

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, Traud

    "Es ist zu viel Gelassenheit im Markt", sagte Dr. Gertraud R. Traud, Chefvolkswirtin und Bereichsleiterin Research der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen auf dem Maschinenbau-Gipfel 2017. - Bild: Sabine Ehlen

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    Für Wolf-Henning Scheider, Vorsitzender der Konzern-Geschäftsführung und CEO bei Mahle ist die Elektromobilität eine Herausforderung der Transformation Aber: „Das zu machen, was jeder macht, ist schwierig“, sagt er auf dem Maschinenbau-Gipfel 2017. Darum stellte sein Unternehmen auf der IAA die Stadt-Elektroauto-Demo Meet vor. – Bild: Sabine Ehlen

  • Maschinenbau-Gipfel 2017, TED

    In der App des Maschinenbau-Gipfels 2017 wurde auch ein TED-Umfragetool integriert - so konnten die Teilnehmer ihre Meinungen zu diversen Fragen sofort und live bekanntgeben. - Bild: Sabine Ehlen

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    Prof. Dr. Michael Bargende, Vorsitzender des Vorstandes, FKFS, widmete sich den Kraftfahrzeugantrieben der Zukunft und unterschied dabei sehr klar zwischen Wunsch und Wirklichkeit. - Bild: Sabine Ehlen

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    Ein klares Plädoyer pro mehr Engagement in Sachen E-Mobilität forderte Stefan Roßkopf, geschäftsführender Gesellschafter bei Teamtechnik. - Bild: Sabine Ehlen

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    Pro Brennstoffzelle argumentierte Dr. Klaus Bonhoff von der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie - NOW GmbH. - Bild: Weinzierl