Gertrud R. Traud

„Während ich vor einem Jahr gesagt habe, es ist zu viel Angst im Markt, sage ich jetzt, es ist zu viel Gelassenheit“, so Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin und Bereichsleitung Research bei der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen auf dem 9. Maschinenbau-Gipfel. - Bild: Sabine Ehlen

| von Daniela Hoffmann

Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin und Bereichsleitung Research bei der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen wagte einige Prognosen für das nächste Jahr. Die Volkswirtin geht davon aus, dass der Euro von 1,15 Dollar auf 1,10 Dollar zurück geht und dann im nächsten Jahr wieder langsam steigt.

Mit Blick auf die EZB prophezeit Traud: „2018 werden wir eine Zinserhöhung haben, alles wird ein bisschen anders und von der Finanzierungsseite etwas schwieriger. Seien Sie vorbereitet!“. Sie glaubt, dass Draghi in seinem letzten Jahr nicht als EZB-Präsident in die Geschichte eingehen will, „der die Zinsen kaputt gemacht hat“. Deshalb werde der Einlagezins leicht nach unten gehen.

Die TED-Umfrage unter den Teilnehmern zeigte erheblichen Optimismus mit Blick auf die Zukunft des Euro. 63 Prozent sind der Meinung, der Euro wird sich weiter bewähren und neue Länder anziehen, 34 Prozent glauben, er wird über kurz oder lang eine Währung für einen harten Kern von Ländern. Nur 2 Prozent sehen keine Zukunft für den Euro. Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich beim Brexit einigen wird, liegt aus Sicht von Traud bei 60 Prozent.

Doch sei Vorsicht geboten. „Während ich vor einem Jahr gesagt habe, es ist zu viel Angst im Markt, sage ich jetzt, es ist zu viel Gelassenheit“, so die Expertin. Frühindikatoren zeigten schon wieder in die andere Richtung, dennoch hätten die Gelassenheit, auch an den Aktienmärkten, zugenommen. Aus ihrer Sicht birgt die insbesondere die mögliche Abspaltung von Katalonien erhebliche Gefahren für die europäische Wirtschaft.

Die transatlantische Generation tritt ab

Auch an anderer Stelle sieht perspektivisch nicht alles rosig aus. Deutsche Politiker und Wirtschaftvertreter unterschätzten die Stimmung in Washington, die nach einer drei- bis vierjährigen Diskussion auf breiter Basis in einer Kritik des deutschen Exportüberschusses gemündet habe. „Dass die Bundesregierung da nicht eine Taskforce gegründet hat, ist mir schleierhaft. Da stehen Milliarden auf dem Spiel und Argumente im Raum, die massiv schaden können“, so Dr. Michael Werz, Senior Fellow der Abteilung Nationale Sicherheit und Internationale Politik beim Center for American Progress in Washington DC.

Er wies zudem darauf hin, dass die demografische Veränderung in den USA um ein Vielfaches extremer sei als in Deutschland. Es erwachse eine „pazifische Generation“, in der es eine Mehrheit von hispanischen und asiatischen Bürgern geben werde, die die transatlantische Generation ablöse. Die Bindekräfte nach dem Zweiten Weltkrieg nähmen immer mehr ab. Dies sei noch nicht ausreichend angekommen.

Ihr blute das Herz, dass Deutschland für den Exportüberschuss „geschimpft“ wird, sagte Volkswirtin Traud: „Volkswirtschaftlich betrachtet sollte man uns dafür bemitleiden. Wir bekommen dafür einen Zettel, auf dem Dollar steht und wir produzieren auf das Versprechen hin, dass irgendwann bezahlt wird“. Sollte der Verbrennungsmotor verboten werden, wäre die Hälfte des deutschen Handelsüberschusses weg. Es sei ein fragiles Geschäftsmodell, warnte Traud.

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