Nach einem Schlussspurt im vierten Quartal zu einem kleinen Jahresgewinn 2010 will der Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister im laufenden Jahr wieder profitabler werden.
Von Matthias Karpstein, Dow Jones Newswires

MÜNCHEN (ks)–”Wir wollen eine vernünftige Rendite erwirtschaften”, sagte Vorstandsvorsitzender Rüdiger Kapitza am Mittwoch im Interview mit Dow Jones Newswires. Mehr als 4% Umsatzrendite sollen es 2011 werden, in “normalen Jahren” erreiche der MDAX-Konzern 5% bis 7%.
Die Gildemeister AG hatte am Morgen ihre Prognose für 2011 angehoben und geht nun von mehr als 1,5 Mrd Euro Umsatz aus. Eine Umsatzrendite von mehr als 4% würde demnach einen Gewinn von mehr als 60 Mio Euro bedeuten. Im Kerngeschäft mit Werkzeugmaschinen soll nach Kapitzas Planung der Umsatz auf mehr als 900 Mio Euro steigen, nachdem er 2010 knapp 770 Mio Euro erreicht hatte. Das Servicegeschäft soll Erlöse von mehr als 400 Mio Euro einbringen, nach rund 367 Mio Euro im vergangenen Jahr. Der junge Geschäftsbereich Energy Solutions dürfte laut Kapitza mehr als 200 (Vorjahr: 239,5) Mio Euro Umsatz einbringen.
Beim Auftragseingang rechnet der Bielefelder Konzern nun mit mehr als 1,6 Mrd Euro. Im Geschäft mit der regenerativen Energie konnte Gildemeister die Aufträge zuletzt kaum noch abarbeiten und entsprechend wenig zusätzliche Aufträge annehmen. Der Auftragseingang ging 2010 entsprechend um gut die Hälfte zurück. “Hier normalisiert sich die Auftragslage”, sagte Kapitza im Interview. Derzeit seien noch Aufträge für 160 Mio Euro abzuarbeiten, ab der zweiten Jahreshälfte sollen wieder Aufträge angenommen und die Durchlaufzeit der Aufträge verkürzt werden.
Das Kerngeschäft mit Werkzeugmaschinen allein soll im laufenden Jahr wieder für Neuaufträge jenseits der Milliarden-Euro-Grenze sorgen. Weitere gut 400 Mio Euro sollen aus dem Servicegeschäft kommen. Da Gildemeister in der Krise rund 1.000 Stellen abgebaut hat, wird nun auch wieder Personal aufgebaut. “Insgesamt wollen wir 200 Mitarbeiter einstellen, je 100 in der Produktion und im Servicebereich”, sagte Kapitza.
Die Aktionäre sollen ebenfalls von den verbesserten Geschäftsaussichten profitieren, denn nach einer Aussetzung der Dividende für 2010 wolle Gildemeister für das laufende Jahr wieder eine Dividende zahlen, erklärte der Vorstandsvorsitzende.
Gildemeister will in der ersten Jahreshälfte zwei Kapitalerhöhungen durchführen und damit den japanischen Wettbewerber und Kooperationspartner Mori Seiki zum Ankerinvestor machen. Das Geld soll großteils für den Abbau des Schuldenbergs verwendet werden und die Eigenkapitalquote der Bielefelder stärken. Derzeit liegt diese laut Kapitza zwischen 30% und 32%, nach den Kapitalerhöhungen sollen es rund 50% sein.
Für das erste Quartal rechnet Gildemeister mit Neuaufträgen von mehr als 350 Mio Euro und gut 300 Mio Euro Umsatz. Das Ergebnis soll “deutlich” besser als im Vorjahresquartal ausfallen, als der Vorsteuerverlust knapp 20 Mio Euro betrug. “Ein großes Plus” könne man zum Jahresauftakt zwar noch nicht erwarten, allerdings solle das Vorsteuerergebnis “Richtung schwarze Null” gehen.