Die krisengebeutelte Heidelberger Druckmaschinen AG ist im dritten Quartal 2010/11 in die Gewinnzone zurückgekehrt. Zwischen Oktober und Dezember schrieb der Weltmarktführer für Bogendruckmaschinen dank des strengen Sparkurses rein operativ – also vor Zinsen, Steuern und Sonderposten – erstmals in diesem Geschäftsjahr schwarze Zahlen.


Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (Dow Jones)–Überraschend gelang dem MDAX-Konzern dank der sanierten Finanzen und eines Steuereffektes sogar ein Nettogewinn – der erste seit elf Quartalen. Die Börse dankt dies mit deutlichen Kursaufschlägen. Nach Angaben vom Mittwoch verdiente HeidelDruck rein operativ 15 Mio Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 13 Mio Euro angefallen war. Den letzte Gewinn auf operativer Ebene hatte der Branchenprimus im Schlussquartal des vergangenen Geschäftsjahres verbucht.

Dank einer Kapitalerhöhung über 420 Mio Euro, mit deren Hilfe die drückende Schuldenlast reduziert wurde, die dem MDAX-Konzern seit Jahren über hohe Zinslasten die Bilanz verhagelte, und eines Steuerertrags erzielte HeidelDruck zwischen Oktober und Dezember sogar einen Nettogewinn von 10 Mio Euro. Das war der erste seit etwa zweieinhalb Jahren. Auf Neunmonatssicht stehen trotz der nun angefallenen Gewinne allerdings sowohl operativ als auch unter dem Strich noch rote Zahlen zu Buche.

Die Nachfrageerholung hielt im dritten Quartal an – auch wen der Aufwärtstrend weiter eher schleppend vonstatten geht: Der Auftragseingang lag mit 684 Mio Euro um 12% über dem Vorjahreswert, wobei 44 Mio Euro des Anstiegs auf Währungseffekte zurückzuführen sind. Auch die Sorgenkinder des Konzerns, das Geschäft mit Neumaschinen und der US-Markt, legten dabei zu. Der Wert der Bestellungen in den Büchern des MDAX-Konzerns stieg zum Ende der ersten neun Monate insgesamt um mehr als ein Fünftel auf 770 Mio Euro.

Da bereits im ersten Halbjahr die Neuaufträge zugelegt hatten, wuchs im dritten Quartal auch der Umsatz und erreichte mit 687 Mio Euro (+19%) den höchsten Wert des laufenden Geschäftsjahres. Darin enthalten sind Währungseffekte von 43 Mio Euro.

Sämtliche Finanzkennzahlen lagen über den Analystenerwartungen. Es sei offensichtlich, dass sich das Unternehmen auf einem guten Kurs befinde, sagte ein Analyst. Entsprechend gut kamen die Zahlen auch am Markt an: Kurz nach Handelseröffnung gewinnt die Aktie fast 5% und notiert bei 3,92 Euro.

Für die vergleichsweise guten Zahlen ist neben der Sanierung des Konzerns auch ein saisonaler Effekt verantwortlich. Die Monate Oktober bis März, die im HeidelDruck-Geschäftsjahr dem zweiten Halbjahr entsprechen, sind traditionell ohnehin die stärksten. Anders als in anderen Zweigen des Maschinenbaus sehen Branchenexperten in der Druckmaschinenindustrie nach wie vor nur einen eher schleppenden Aufwärtstrend, der vor allem von der Nachfrage in Asien getragen wird.

“Dank des stabilen Wachstums der Weltwirtschaft sind wir im dritten Quartal beim Auftragseingang in allen Regionen und in allen Sparten gewachsen. Dennoch zeigen sich nach wie vor die regionalen Unterschiede der konjunkturellen Erholung: Während in Asien, Europa und Lateinamerika anhaltend steigende Auftragseingänge zu verzeichnen sind, setzt die Erholung im wichtigen Markt der USA erst langsam ein”, sagte Vorstandsvorsitzender Bernhard Schreier.

Die Ziele für das im März endende Geschäftsjahr bekräftigte der Manager: “Die positiven Entwicklungen der vergangenen neun Monate zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, unser Ziel zu erreichen – ein ausgeglichenes Betriebsergebnis im laufenden Geschäftsjahr.” Dazu muss Heidelberger Druck im Schlussquartal ein Minus von rund 26 Mio Euro aufholen. Auf Gesamtjahressicht gelang ein ausgeglichenes Ergebnis zuletzt 2007/08. Auch der Umsatz soll 2010/11 erstmals seit drei Geschäftsjahren wieder über dem Vorjahresniveau liegen.

Die weltweite Druckmaschinenbranche hat die zwei schwierigsten Jahre ihrer Geschichte hinter sich. Branchenprimus Heidelberger Druck musste auf dem Höhepunkt der Krise sogar Staatshilfen beantragen, um eine Insolvenz zu verhindern. Speziell das Geschäft mit Neumaschinen sowie die Märkte in den USA und Kanada bereiten den Herstellern nach wie vor große Sorgen. Experten bezweifeln, dass der Markt für klassische Bogen- und Rollendruckmaschinen das Vorkrisenniveau jemals wieder erreichen wird.