Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Schritt für Schritt soll die Zusammenarbeit dann ausgebaut werden; unter anderem sollen gemeinsame Anwendungen entwickelt werden.

Vor etwa einem Jahr hatte der weltgrößte Druckmaschinenhersteller erklärt, sich im Digitaldruck auf Partnersuche zu machen. Anfang des Monats stellte Vorstandschef Bernhard Schreier dann den baldigen Vollzug in Aussicht, spätestens bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres im März.

Anders als das klassische Geschäft mit Offsetdruck entwickelte sich der Digitaldruck auch in der Krise stabil. Kaum eine große Druckerei verzichtet heutzutage noch auf eine digitale Maschine, mit der vor allem kleine und individualisierte Auflagen gewinnbringend gedruckt werden können. Von diesem Trend will Heideldruck durch die Kooperation mit Ricoh profitieren.

“Durch die Vervollständigung unseres Offset-Portfolios durch ein innovatives digitales Produktionsdrucksystem bieten wir unseren Kunden künftig die Kombination von branchenführender Offset-Technologie und digitaler Drucktechnologie an”, sagte Schreier am Mittwoch. “Der Einsatz beider Technologien ermöglicht es unseren Kunden, neben dem bewährten, kosteneffizienten und hochwertigen Offsetdruck auch variablen Datendruck und kleinste Auflagenhöhen anzubieten”.

Ricoh-Vorstandsvorsitzender Shiro Kondo ergänzte: “Heidelberg ist weltweit führend im Werbe- und Verpackungsdruck. Die Partnerschaft unterstreicht das Vertrauen in unsere digitale Technologie und in Ricohs Fähigkeit, die Bedürfnisse der Druckbranche zu erfüllen. Gemeinsam sind wir bestens aufgestellt, die Kunden dabei zu unterstützen, ihre bisherige Ausstattung und ihre Dienstleistungen um eine digitale Lösung zu ergänzen.”

Heideldruck war früh in den Digitaldruck eingestiegen, hatte sich 2004 aber aus dem Geschäft zurückgezogen. Den eigenen Anteil am Digitaldruck-Joint-Venture Nexpress Solutions LLC verkauften die Heidelberger seinerzeit an den US-Partner Eastman Kodak.

Die nun vereinbarte Kooperation mit dem Hersteller von digitalen Bürokommunikationssystemen, die auch das Service- und Supportangebot von Ricoh umfasst, soll im April starten. Als erstes wird Heideldruck Ricoh-Produkte in Großbritannien und Deutschland vertreiben. Bis zur wichtigsten Branchenmesse, der drupa 2012 in Düsseldorf, soll die Vertriebspartnerschaft dann weltweit ausgebaut sein.

Der Abschluss der Vertriebsvereinbarung ist nach Unternehmensangaben nur der erste Schritt in der strategischen Zusammenarbeit beider Unternehmen. Heidelberg und Ricoh planen darüber hinaus in Zukunft die Integration mit Heidelbergs Prinect-Workflow-Lösung und die gemeinsame Entwicklung von Druckanwendungen. Prinect integriert die getrennten Bereiche Management, Vorstufe, Druck und Weiterverarbeitung und automatisiert den gesamten Druckprozess, was die Effizienz steigern soll. Heideldruck gilt in Sachen Vertrieb und Service als sehr gut aufgestellt, da der weltgrößte Hersteller von Bogendruckmaschinen weltweit aktiv ist.

Das japanische Traditionsunternehmen Ricoh wurde im Jahr 1936 gegründet. Der Hersteller von digitalen Bürokommunikationssystemen sitzt in Tokio und beschäftigt rund 109.000 Mitarbeiter. 2009/10 erwirtschaftete Ricoh unter anderem mit Digitaldruckern, Computern, Halbleitern und Digitalkameras Einnahmen von gut 2 Bill Yen oder umgerechnet rund 17 Mrd Euro. Der Konzern ist im Nikkei 225 notiert.

An der Börse kommt die Kooperation gut an: Die Heideldruck-Aktie wird vorbörslich bei 3,54 Euro zu 3,58 Euro getaxt – rund 1,1% über dem Vortagesschluss. “Das war lange erwartet und ersehnt worden und dürfte für eine gewisse Erleichterung sorgen”, sagte ein Händler.