Von Nico Schmidt, Dow Jones

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Beim Schuldenabbau kommt das Unternehmen dank der erfolgreichen Kapitalerhöhung aber voran. “Heidelberg ist jetzt mit einer deutlich stabileren Kapitalstruktur auf Kurs in Richtung Profitabilität”, sagte Finanzvorstand Dirk Kaliebe am Mittwoch.

Zwischen Juli und September verbuchte der weltgrößte Druckmaschinenhersteller vor Zinsen, Steuern und Sonderposten einen Fehlbetrag von nur noch 6 Mio Euro nach 65 Mio Euro im Vorjahr. Ursächlich hierfür waren der Umsatzanstieg auf 633 (499) Mio Euro sowie die erfolgreichen Sparbemühungen. Im Zuge der schweren Branchenkrise hatte Heideldruck in den vergangenen Jahren mehrfach den Rotstift angesetzt und wird unter anderem durch einen massiven Stellenabbau ab dem Geschäftsjahr 2011/12 fast eine halbe Milliarde Euro einsparen.

Unter dem Strich schrieb der MDAX-Konzern im zweiten Quartal aufgrund der immens hohen Finanzierungskosten nun allerdings erneut einen deutlichen Verlust von 36 Mio Euro, der allerdings weit unter dem Minus des Vorjahres von 78 Mio Euro lag. Der Grund: Der Fehlbetrag beim Finanzergebnis verdoppelte sich wegen teurerer Kredite und einer Einmalzahlung zur Schuldentilgung auf rund 52 Mio Euro.

Positiv entwickelten sich erneut die Auftragseingänge, die ein wichtiger Indikator für die zukünftige Geschäftsentwicklung des Konkurrenten von manroland und Koenig & Bauer sind. In allen Sparten und nahezu allen Regionen, vor allem aber in China und Brasilien, gab es deutliche Zuwächse. Konzernweit legten die Bestellungen auf 650 (534) Mio Euro zu. Sowohl Auftragseingänge als auch Einnahmen wurden durch den zeitweise schwachen Euro gestützt.

“Die anhaltende konjunkturelle Erholung hat im ersten Halbjahr zu einer gestiegenen Investitionsbereitschaft unserer Kunden geführt. Allerdings entwickeln sich die Regionen sehr unterschiedlich: Während Asien, Lateinamerika und Europa zulegen, ist vor allem im wichtigen US-Markt nach wie vor keine deutliche Belebung zu erkennen”, sagte Vorstandsvorsitzender Bernhard Schreier.

“Die gute operative Entwicklung im ersten Halbjahr zeigt, dass wir mit unserer strategischen Neuausrichtung auf dem richtigen Weg sind”, erklärte der Manager. “Daher bestätigen wir unsere Prognose für das Gesamtjahr.” So rechnet Heideldruck für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr weiterhin mit einem moderaten Umsatzwachstum. Operativ soll zudem ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden, netto wird dagegen ein deutlicher Verlust erwartet.

Das vergangene Geschäftsjahr war das wohl das schwierigste in der mehr als 150-jährigen Unternehmensgeschichte: Aufgrund der schwachen Nachfrage aus der Printmedien-Industrie brachen die Einnahmen auf rund 2,3 (Vorjahr 3) Mrd Euro ein. Vor Zinsen und Steuern und bereinigt um Restrukturierungskosten fiel der Verlust mit 130 Mio Euro sogar noch höher aus als im Vorjahr (49 Mio Euro). Unter dem Strich gingen fast 230 Mio Euro verloren. Im Juni hatten nur Staatshilfen den MDAX-Konzern vor dem Aus gerettet.

Mittelfristig will Heideldruck wieder die 3-Mrd-Euro-Marke beim Umsatz knacken und eine operative Rendite von mehr als 5% erreichen. Wann diese Ziele erreicht werden können, wollte das Management bislang nicht sagen.

Deutlich voran kam das Unternehmen im zweiten Quartal mit dem dringend notwendigen Schuldenabbau: Dank der 400 Mio Euro schweren Kapitalerhöhung, deren Erlös vollständig zur Tilgung eingesetzt wurde, konnte Heidelberger Druck die Verbindlichkeiten um mehr als die Hälfte auf 243 Mio Euro zurückfahren. Zum Anfang des Geschäftsjahres hatte der Schuldenberg noch 695 Mio Euro betragen.