VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner: Am 18. und 19. Oktober treffen sich Top-Entscheider aus dem

VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner: Am 18. und 19. Oktober treffen sich Top-Entscheider aus dem Maschinenbau in Berlin. Bild: VDMA

FRANKFURT (ilk). Wirtschaftsminister Brüderle und Forschungsministerin Schavan haben ihre Teilnahme am 5. Maschinenbau-Gipfel zugesagt. Würden Sie soweit gehen und den Maschinenbau-Gipfel als Pflicht-Termin für hochrangige Politiker bezeichnen wollen?

Beide Vertreter des Bundeskabinetts haben uns zu verstehen gegeben, dass sie den Maschinenbau-Gipfel sehr gerne besuchen – insofern möchte ich eher von Kür als von Pflicht reden. In den letzten Jahren ist es selbstverständlich geworden, dass wir auf dem Gipfel mit hochrangigen Politikern ins Gespräch kommen. Und diese Selbstverständlichkeit gehört durchaus zur Zielsetzung der Veranstalter.

Ein Kongress ist nur so gut wie sein ‚Take-home-Value‘. Was sind die wichtigen Themen, die im Oktober in Berlin diskutiert werden?

Neben wichtigen innenpolitischen Themen, die wir mit unseren Ministern Rainer Brüderle und Professor Dr. Annette Schavan diskutieren wollen, wagen wir als führende Exportbranche mit einem Welthandelsanteil von etwa 20% und einer Exportquote von etwa 75% in diesem Jahr den globalen Rundumblick und haben vor allem internationale Themen auf der Agenda. Wie ist es um den Standort Deutschland im internationalen Vergleich bestellt? Wo verbergen sich die Chancen und wo liegen die Herausforderungen für unsere Branche? Welthandel im Schatten von Interessenkonflikten, Verschiebungen in der Triade, internationale Arbeitsteilung, Chancen des Maschinenbaus bei wachsenden Mega-Cities, die ASEAN-Staaten, europäische Forschungsförderung sowie die globale Rohstofffalle werden u.a. Themen des kommenden Gipfels sein. Aber auch die Themen Umwelt und Energie, vor allem mit Blick auf die schrecklichen Ereignisse in Japan, wollen wir im Oktober behandeln.

Zwei Themen dominieren derzeit: die Energiediskussion und die Rohstoffversorgung. Wie positioniert sich der VDMA zur Energiepolitik und wie ist bei der Rohstoffversorgung die Lage im Maschinenbau, und was ist zu tun, um Engpässe zu meistern?

Bei den Schlüsselthemen Energie- und Umwelt kommt niemand am deutschen Maschinenbau vorbei. Wir sind die Branche, die für Innovationen steht und es sind unsere Maschinen und Anlagen, die den Umwelt- und Klima- sowie Ressourcenschutz erst ermöglichen. Das Japan-Unglück hat die Diskussion um das Thema Energie neu entfacht und entscheidende Konsequenzen für die Energiepolitik in Deutschland herbeigeführt. Es gilt das Primat der Politik. Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau kann Optionen für eine Weiterentwicklung unseres Energiesystems aufzeigen. Zwei Dinge vorausgesetzt: einen beschleunigten Netzausbau ohne jahrelange Prozesse mit Betroffenen und ein parteiübergreifendes Energiekonzept – eine Stabilität in der Energiepolitik über mehrere Wahlperioden hinweg – das unserer Industrie Planungssicherheit und langfristige Investitionsbedingungen schafft.

…und die Rohstoffe?

Auf die Frage zur Rohstoffsicherheit gibt es keine einfache Antwort. Das fängt schon beim Thema Betroffenheit an: Die wenigsten unserer Unternehmen wissen im einzelnen, welche Rohstoffe in den Vorprodukten stecken, die sie einkaufen. Nur in Ausnahmefällen engagieren wir uns direkt auf Rohstoffmärkten – etwa die Hersteller von Hartmetallwerkzeugen. Die Knappheitssignale der Rohstoffmärkte kommen daher meist nur indirekt bei uns an. Die Gemengelage ist also komplex, und ich kann nur andeuten, wo unsere Aufgaben liegen. Zum einen brauchen wir Vermeidungsstrategien, das heißt zum Beispiel konsequenter Leichtbau und die Suche nach Ersatzstoffen. Zum anderen müssen wir beim Thema Recycling besser werden. Beides kann uns enorm wettbewerbsfähiger machen. Und wir sollten drittens unsere heimischen Rohstoffquellen besser erschließen. Bei alledem kann der Staat helfen – aber bitte nicht als „VEB Rohstoffe“. Wir brauchen eine Handelspolitik, die wirksam gegen Protektionismus eintritt, um nicht von der internationalen Rohstoffversorgung abgeschnitten zu werden. Hilfreich wäre auch eine stärker auf die gerade genannten Themen ausgerichtete FuE-Politik. Aber keine direkten Markteingriffe, bitte. Die Rohstoffstrategie der Bundesregierung geht hier übrigens durchaus in die richtige Richtung.

Der Maschinenbau hat sich als das industrielle Rückgrat Deutschlands nach der Wirtschaftskrise erwiesen: Welche Weichen muss die Politik jetzt stellen, damit das auch in Zukunft so bleibt?

Der Weg zum Erfolg führt auch in Zukunft nur über Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Dafür kann die Politik einiges tun. Wir brauchen eine Bildungspolitik, die möglichst viele junge Menschen mitnimmt und Begeisterung für Technik weckt, eine breitenwirksame und technologieoffene Forschungspolitik, eine aktive Politik gegen den drohenden Fachkräftemangel, faire steuerliche Investitionsbedingungen, nicht zuletzt auch eine Politik zur Sicherung offener internationaler Märkte. Das sind nur einige wenige Punkte. Die Liste ließe sich beliebig erweitern.

Welche Auswirkungen hat die Japan-Katastrophe dort auf den deutschen Maschinenbau; sehen Sie im schlimmsten Fall die Gefahr einer weiteren globalen Krise?

Es ist momentan schwer abzuschätzen, ob die derzeit vorhandenen konjunkturellen Risiken durch die Atomkatastrophe, den Libyen-Krieg und der Eurokrise die Stimmung der Investoren eintrüben wird. Dennoch zeigt sich die Weltwirtschaft robust und alle Indizien sprechen für eine Fortsetzung des Aufschwungs. Auch für unsere Branche haben wir die Produktionsprognose gerade nach oben korrigiert, so dass man trotz aller Tragik nicht über das Risiko einer globalen Krise sprechen kann. Ich denke, die Japan-Krise wird die deutsche Wirtschaft und den deutschen Maschinenbau deutlich weniger treffen als vielfach gedacht. Jenseits der erschütternden Nachrichten von massiven Schäden, vom Kampf um eine intakte Umwelt und von unendlichem menschlichem Leid ist für uns jedoch offen, ob und gegebenenfalls welche Veränderungen der Versorgungsstrukturen mit strategisch wichtigen Vorprodukten entstehen
werden.