Von Nico Schmidt, Dow Jones

WÜRZBURG (ks)–Allerdings ist die Marktsituation vor allem im Rollendruck sehr schwierig geworden, so dass der SDAX-Konzern erneut auch auf die Kostenbremse treten wird, um zugleich profitabler zu werden, wie Vorstandsvorsitzender Helge Hansen in einem Interview mit Dow Jones Newswires sagte. Eine Konsolidierung in der krisengebeutelten Branche hält der Manager für sinnvoll – und würde sich entsprechenden Gesprächen nicht verweigern.

“Wir glauben, dass eine Konsolidierung innerhalb der Branche aus volks- und betriebswirtschaftlicher Sicht sehr sinnvoll wäre und stehen für solche Überlegungen offen zur Verfügung”, erklärte Hansen am Sitz des Traditionsunternehmens in Würzburg. Einschränkungen ergäben sich allerdings aus kartellrechtlichen Gründen.

Weltmarktführer Heidelberger Druckmaschinen beherrscht rund die Hälfte des Marktes für Bogendruckmaschinen, die vor allem bei der Herstellung von Verpackungen und in der Werbung eingesetzt werden. Koenig & Bauer kommt auf rund 15% Marktanteil. Ein Zusammenschluss beider Unternehmen wäre deshalb wettbewerbsrechtlich mehr als schwierig. Im vergangenen Jahr war eine Fusion von HeidelDruck mit dem Dritten der Branche, manroland, auf der Zielgeraden gescheitert. Nachdem in diesem Sommer wieder Spekulationen über eine Verschmelzung mit einem Wettbewerber aufgekommen waren, erklärte manroland im September, eigenständig bleiben zu wollen.

“Wenn wir sprechen werden, dann sicherlich aus einer Situation der positiven Selbsteinschätzung heraus”, stellte Vorstandsvorsitzender Hansen klar. Koenig & Bauer kam als einziger der drei großen deutschen Druckmaschinenhersteller ohne herbe Verluste durch das Krisenjahr 2009. HeidelDruck und manroland schrieben dagegen tiefrote Zahlen. Die Heidelberger musste sogar der Staat vor dem Aus retten, die in Offenbach und Augsburg beheimatete manroland AG wurde vom Mehrheitseigner Allianz alimentiert.

Eine Ursache für die vergleichsweise stabile Entwicklung des eigenen Unternehmens sieht Hansen in der breiten Aufstellung von Koenig & Bauer. Neben Maschinen für Zeitungs-, Zeitschriften- und Werbedruck stellen die Franken auch Maschinen für margenträchtige Nischenanwendungen wie den Metall- und Sicherheitsdruck her. Außerdem habe Koenig & Bauer schnell und konsequent auf die Krise reagiert. Dabei wird die Belegschaft von ehemals mehr als 8.000 auf rund 6.000 Mitarbeiter reduziert. Bis 2012 sollen so insgesamt etwa 500 Mio Euro eingespart werden.

Die Druckmaschinenbranche hatte im vergangenen Jahr die wohl heftigste Krise ihrer Geschichte. Hohe Stornoraten, Bestellrückgänge und Überkapazitäten machten den Herstellern schwer zu schaffen. Wegen der hohen Konjunktur- und Werbeabhängigkeit und des Wandels in der Medienwelt gehört die Branche trotz spürbar anziehender Nachfrage aktuell zu den Nachzüglern des aktuellen Wirtschaftsaufschwungs. Es wird nicht erwartet, dass die alten Höchststände jemals wieder erreicht werden.

“Bei uns ist die Krise nun sicherlich vorbei”, sagte Helge Hansen. Das vierte Quartal sei bisher gut gelaufen, man liege exakt auf Kurs, die Prognose für das Gesamtjahr zu erfüllen. Für 2010 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzplus von rund 7% auf gut 1,1 Mrd Euro sowie einer deutlichen Ergebnisverbesserung. 2009 hatte Koenig & Bauer vor Steuern 2,7 Mio Euro verdient und unter dem Strich 6,6 Mio Euro.

Sollte es keine bösen Überraschungen mehr geben, würden sich die zuständigen Gremien über die Zahlung einer Dividende für 2010 unterhalten, bekräftigte der Manager. Zuletzt waren die Aktionäre für das Geschäftsjahr 2007 mit einer Gewinnbeteiligung bedacht worden.

Den deutlich gestiegenen Auftragseingang in diesem Jahr sieht Hansen als Basis für ein rund 8-prozentiges Umsatzwachstum 2011. Parallel dürfte sich der weitere Auftragseingang entwickeln. “Zudem gehen wir von einer weiteren Ergebnisverbesserung aus”, sagte der Manager. “Das zeigt, dass man in der Druckindustrie trotz aller Schwierigkeiten noch immer Geld verdienen kann”.

Um noch profitabler zu werden, will Koenig & Bauer den Sparkurs noch verschärfen. “Weitere Adjustierungen (für den Rollendruckbereich) sind beschlossen worden”, sagte Hansen. Rollendruckmaschinen werden überwiegend bei großen Auflagen eingesetzt, zum Beispiel im Zeitungsdruck. Dieses Geschäft leidet vor allem unter nachhaltigen Veränderungen im Werbeverhalten. Wegen langer Vorlaufzeiten im Rollendruckgeschäft machte sich die Flaute in der Nachfrage erst deutlich später bemerkbar als im Bogendruck-Bereich.

Hansen will dem “substanziellen Rückgang” mit einem “komplexen Programm” entgegenwirken. Von den geplanten Maßnahmen seien Prozesse, Strukturen und auch Standorte betroffen. “Schmerzlichster Teil” sei der Abbau von 300 Stellen im Werk Frankenthal. Das ist rund die Hälfte der verbliebenen Stellen an dem rheinland-pfälzischen Standort. Weitere Details zum Sparprogramm wollte Hansen nicht nennen.

Die Suche von geschäftlichen Aktivitäten außerhalb der zyklischen Druckmaschinen-Branche geht laut Hansen weiter. “Das Thema wird sehr ernst verfolgt; wir sind da ständig dran”. Aktuell würden deutlich mehr als zehn mögliche Projekte genauer unter die Lupe genommen. Eine solche Prüfung sei sehr zeitintensiv.

Ende vergangenen Jahres hatte das Würzburger Unternehmen angekündigt, in den Bereichen Verpackungstechnik, Digitaldruck, Wasseraufbereitung sowie thermische Solartechnik nach alternativen geschäftlichen Möglichkeiten zu suchen. Eigentlich sollte schnell eine Entscheidung fallen; im Sommer hieß es dann allerdings, ein Projekt sei an zu hohen Risiken gescheitert. Es gebe keine Eile, sagte Hansen im Interview nun. Besonders genau schaue man sich aktuell den Bereich Verpackungstechnik an.