Wolf-Henning Scheider

„Wir müssen selber ran und unser Schicksal massiv in die Hand nehmen", sagte Wolf-Henning Scheider, Vorsitzender der Konzern-Geschäftsführung und CEO der Mahle GmbH auf dem Maschinenbau-Gipfel in Berlin. - Bild: Sabine Ehlen

| von Daniela Hoffmann

Wie es ganz praktisch aussehen kann, sich auf die ungewisse Entwicklung einzurichten, darüber berichtete Wolf-Henning Scheider, Vorsitzender der Konzern-Geschäftsführung und CEO der Mahle GmbH. Sein Resümee: „Wir müssen engere Partnerschaften schließen und wir müssen nach Brüssel. Wir müssen selber ran und unser Schicksal massiv in die Hand nehmen“. Dass die Transformation zur Elektromobilität komme, sei klar. Mahle wolle dazu beitragen und sie aktiv angehen.

Doch nicht nur die Komplexität, sondern auch die zeitliche Komponente bereiteten Schwierigkeiten, denn einige wollten die Elektromobilität sehr schnell. „Wir haben neben einem Basisszenario auch Extremszenarien entwickelt, um aufgerüttelt zu werden und keinem Trugschluss zu erliegen“, so Scheider.

Eines davon nennt sich „Green Planet“, es geht davon aus, dass unter massivem politischen Einfluss die Anzahl von Plug-in-Hybriden und Elektroautos bis 2030 auf 67 Prozent ansteigt. Das Szenario „Mr. Roboto“ nimmt an, dass automatische Fahrzeuge massiv übernehmen und die Verbraucher angesichts von Robotaxis deutlich weniger Autos brauchen.

Darüber hinaus befasst man sich mit neuen Themen. In einer Konzeptstudie namens Meet hat das Unternehmen den 48-Volt-Motor weiterentwickelt für ein Stadtfahrzeug. Anstatt 10 bis 14 Kilowatt erreicht der Motor laut Scheider durchgängig 20 Kilowatt. Man wolle aber keine Autos bauen, sondern das Modell den OEMs anbieten.

Maschinenbau-Gipfel: Mahle-CEO Scheider im Interview

Das Rezept von Mahle ist ein neues „Betriebssystem“ im Unternehmen, das auf Agiles und Exploratives in der Zusammenarbeit mit den Partnern fokussiert. Organisatorisch sei das eine Herausforderung, so Scheider: „Top-down muss eine eigenständige Organisationsform eingebracht werden, weil bisherige Prozesse zu langsam sind. Diese brauchen wir aber weiterhin, um die Qualität sicherzustellen“.

E-Mobilität verändert Verhältnis zu OEMs

Man spreche deshalb von „zwei Betriebssystemen“ im Haus. Auch die Weiterbildung der Mitarbeiter ist ein Kernthema. Die Veränderung durch die Elektromobilität verändert zugleich, nicht nur bei Mahle, das traditionelle, sehr hierarchische Verhältnis zwischen den Autoherstellern und ihren Zulieferern. „Ich freue mich darüber, wenn ich seit zwei Jahren einen engeren Austausch mit den OEMs sehe“, sagt Scheider.

Mahles Doppelstrategie sieht vor, den Marktanteil bei den Verbrennern von 30 auf 50 bis 70 Prozent auszubauen. „Der letzte Kolben, der in der Autoindustrie verkauft wird, kommt von Mahle“, gibt sich Scheider kämpferisch. Auf der anderen Seite werde man unter dem Stichwort „Shape the Future“ sehr viel in Startups investieren. Aber Scheider verspricht auch: „Wenn wir weitergehen, werden wir auf engste Partnerschaft mit dem Maschinenbau setzen“.

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