HAMBURG (Dow Jones/ks)–Deshalb habe man jetzt freie Bahn für Zukäufe, sagte Klaus Stahlmann, MAN-Konzernvorstand und Chef der Diesel-und-Turbo-Sparte, im Gespräch mit der “Financial Times Deutschland” (FTD – Mittwochsausgabe). “Wir hätten keine Schwierigkeiten, auch dreistellige Millionenbeträge beim Kaufpreis anzudenken”, so der Manager.

Die Sparte des DAX-Konzerns erlöste in den ersten neun Monaten 2010 rund 2,7 Mrd Euro. Über Jahre gab es laut “FTD” immer wieder Gerüchte, MAN wolle das Geschäft verkaufen. “Ich kenne keinen bei MAN, der uns verkaufen möchte”, sagte Stahlmann. Stattdessen soll der Bereich wachsen – vor allem in Schwellenländern. “Im Moment interessieren uns insbesondere Serviceunternehmen”, erklärte er weiter. Einen großen Teil der Gewinne erwirtschaftet die Sparte nicht mit dem Verkauf der Produkte, sondern mit Wartung und Ersatzteilen. Der Preis für Servicezukäufe liegt jedoch unter dem dreistelligen Millionenbereich. Teurer und schwerer zu finden seien Unternehmen, die selbst Maschinen bauen, etwa Gasturbinen.

“In Brasilien zum Beispiel suchen wir Technologieanbieter für das Öl- und Gasgeschäft, weil dort ein hoher Local Content gefordert wird”, sagte Stahlmann. MANs Kunde Petrobras, der staatliche Ölkonzern, ist verpflichtet, einen Großteil seiner Fördertechnik bei heimischen Herstellern einzukaufen. Deshalb brauche MAN eine Tochter, die in Brasilien zu Hause ist. Das Energiegeschäft mit Brasilien boomt. “Die steigende Nachfrage im Öl- und Gasgeschäft ist im Moment der größte Treiber für unseren Bereich Turbomaschinen”, so Stahlmann weiter. “Insbesondere die Entwicklungsländer haben noch viel aufzuholen und einen großen Bedarf an Kraftwerken.”

MANs weiteres großes Standbein, der Bau von Schiffsmotoren, schwächelt dagegen noch. Der Schiffbau ist in der Krise massiv eingebrochen. “Im maritimen Bereich gibt es jetzt eine gewisse Erholung, aber sie verläuft langsam”, sagte Stahlmann. Es kämen zwar wieder mehr Aufträge herein, aber: “Bis wir wieder das Niveau von vor der Krise erreichen, wird es noch eine Zeit lang dauern. Wir reden hier von 2015, 2016 oder 2017.