"Gesteigerte Produktivität und verbesserte Energieeffizienz sind kein Wiederspruch", sagt Siemens-Vorstand Siegfried Russwurm.

Sabine Spinnarke

BERLIN. Wenig sinnvoll sei es, einzelne Effizienz-Maßnahmen isoliert zu betrachten. Um einen ökologisch, ökonomisch und sozial sinnvollen Umgang mit dem Thema Energieeffizienz zu pflegen, “sollte man sich mit dieser schwierigen Frage ganzheitlich beschäftigen.” Dass Innovation der Schlüssel zur Nachhaltigkeit sei, betont Russwurm in seinem Vortrag und verweist auf die Technologien des Unternehmens entlang des gesamten Produktionsprozesses. Denn gerade in der Produktion läge noch gewaltiges Optimierungspotenzial.

Mit ihrer Forderung einer CO2-Reduzierung von 20% sei die umweltorientierte Politik der EU sehr ehrgeizig. “In Deutschland haben wir uns noch ambitioniertere Ziele gesetzt und wollen den CO2-Ausstoß um das doppelte reduzieren”, betont Russwurm. Allerdings beurteilt er die Auswirkungen dieser Entscheidung als durchweg positiv. Denn der gesamte Markt der Effizienz- und Energietechnologien hätte eine gewaltige Dynamik und Deutschland spiele hier dadurch eine dominante Rolle. Er verweist hierzu auf eine Studie von McKinsey “Wettbewerbsfaktor Energie”, die Deutschland einen stark wachsenden Umsatz in den energierelevanten Branchen Maschinen- und Anlagenbau und Automotive mit Energieeffizienz-Technologien voraussagt. Von einem jährlichen Wachstum von 13% in diesen Branchen ausgehend, würden Energieeinsparungen von 53 Mrd Euro im Jahre 2020 erreicht werden können, zugleich würden in den Energieeffizienz-Wachstumskernen bis dahin etwa 850 000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Inzwischen hätten auch andere Nationen diese Marktchancen erkannt, so Russwurm, mit Verweis auf den chinesischen 5-Jahres-Plan in dem die grünen Technologien einen große Rolle spielen würden.

Wichtig sei es daher, das eigene Verhalten zu ändern, die notwendigen Technologien flächendeckend einzusetzen und die Allokation aller endlichen Ressourcen sorgfältig zu planen. An Hand zahlreicher Beispiele demonstriert Russwurm, wie Siemens-Technologien entlang der gesamten Kette Energieerzeugung, -Verteilung und -Verbrauch zu einer Steigerung der Produktivität bei gleichzeitiger Reduzierung des Energieverlustes bzw. Verbrauchs führen können.

Allerdings sei eine stärkere Handlungsbereitschaft seitens der Politik wünschenswert: “Wenn unsere Politiker den Konjunktiv endlich wegließen und tatsächlich auf uns Fachleute hören würden, könnte ich gut damit leben”, sagt Russwurm am Ende seines Vortrags.