Der Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister will mit zwei Kapitalerhöhungen seine Eigenkapitalquote stärken und den japanischen Wettbewerber Mori Seiki zum industriellen Ankerinvestor machen.


Von Matthias Karpstein, Dow Jones

MÜNCHEN (ks)–”Wir haben vereinbart, dass der Gildemeister-Anteil von Mori nach den Kapitalerhöhungen leicht über 20% liegen soll”, sagte Vorstandsvorsitzender Rüdiger Kapitza am Montag im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Die Schwelle von 24,9% werde Mori Seiki dabei aber nicht überschreiten, fügte Kapitza hinzu. “Wir haben überhaupt keine Angst vor einer Übernahme.”

Die beiden Wettbewerber vereint bereits eine Überkreuzbeteiligung von jeweils 5%. Zudem haben beide Unternehmen je einen Sitz im Aufsichtsrat des Konkurrenten. Nach den Kapitalerhöhungen könnten die Japaner einen zweiten Sitz im Kontrollgremium der Bielefelder erhalten, wie Kapitza sagte.

In einer ersten Kapitalerhöhung ohne Bezugsrecht will die Gildemeister AG ihr Kapital um bis zu 10% erhöhen, Abnehmer wäre in diesem Falle Mori Seiki. Eine zweite, zeitlich eng an die erste Kapitalerhöhung gekoppelte Ausgabe neuer Aktien würde das Kapital dann um weitere rund 20% erhöhen. Hier können die Altaktionäre Anteilsscheine erwerben, auch Mori Seiki kann entsprechend seinen Anteil in der zweiten Runde erhöhen. “Letztlich wollen wir, dass Mori Seiki als starker industrieller Ankerinvestor rund 20% hält und 80% im Freefloat sind. Derzeit haben wir einen Freefloat von rund 95%”, sagte Kapitza.

Der Vorstandsvorsitzende will mit dem zusätzlichen Kapital “massiv die Entschuldung vorantreiben”. Derzeit hat der MDAX-Konzern eine Fremdverschuldung von rund 300 Mio Euro. “Wir wollen unsere Eigenkapitalquote massiv stärken, denn unsere Finanzierungskosten sind momentan leider relativ hoch”, erklärte Kapitza im Interview.

Im Zuge der Überkreuzbeteiligung will Kapitza auch den Anteil von Gildemeister an den Japanern langfristig erhöhen. Ein Zeitpunkt hierfür steht aber noch nicht fest; zur Höhe der künftigen Beteiligung an Mori Seiki wollte sich Kapitza nicht äußern.

Kapitza ist nach dem dritten Quartal optimistisch, das Jahr 2010 ohne Verlust abschließen zu können. “Dann wären wir einer der wenigen, wenn nicht gar der einzige Maschinenbauer, der ohne Verlust durch die Krise gekommen ist”. Ein ausgeglichenes Ergebnis vor Steuern sei weiterhin möglich. “Wir müssen im vierten Quartal mehr als 500 Mio Euro Umsatz machen, um die schwarze Null zu erreichen”, sagte er. Bislang hatte Gildemeister im Schlussquartal Erlöse von mehr als 400 Mio Euro erwartet. “Der Oktober hat einen guten Schritt in Richtung schwarzer Null gebracht”.

Für das kommende Jahr rechnet Kapitza weiterhin mit einem Auftragseingang und Umsatz von jeweils mehr als 1,4 Mrd Euro. Allerdings könnte diese Prognose erhöht werden, wenn die Planungsphase für 2011 abgeschlossen ist. Bereit jetzt erhöhte Kapitza die Prognose für das Servicegeschäft im kommenden Jahr: Bislang wurde hier mit mehr als 275 Mio Euro Auftragseingang gerechnet, nun erwartet Gildemeister mehr als 350 Mio Euro. “Es kann auch Richtung 400 Mio Euro gehen”, sagte Kapitza.

“2011 werden wir wieder auf Normalniveau sein, 2012 dann auf dem Rekordniveau von 2008″, sagte Kapitza. Im Spitzenjahr 2008 lag der Umsatz bei 1,9 Mrd Euro, der Auftragseingang erreichte fast 1,9 Mrd Euro und das Vorsteuerergebnis lag bei rund 127 Mio Euro.

Für das laufende Jahr hat Gildemeister mit den Drittquartalszahlen die Prognose leicht angehoben. Nun wird beim Auftragseingang mit mehr als 1,35 Mrd Euro gerechnet, zuvor waren 1,3 Mrd Euro erwartet worden. Der Umsatz dürfte bei über 1,3 Mrd Euro liegen. Hier waren zuvor über 1,25 Mrd Euro in Aussicht gestellt worden.