Von Martin Rapp, Dow Jones

DÜSSELDORF (Dow Jones/ks)–In einem ersten Schritt werden die konzernweiten Aktivitäten im Bereich schlüsselfertiger Produktionsanlagen (Turnkey) zusammengelegt, wie die Roth & Rau AG am Freitag mitteilte. Zusammen mit Einsparungen aus der Optimierung von Abläufen soll die Profitabilität gesteigert werden. “Unser erklärtes Ziel ist es, schnellstmöglich zu angemessenen Gewinnmargen zurückzukehren”, wird der Gründer und Vorstandsvorsitzende Dietmar Roth zitiert.

In diesem Jahr werden bei dem Unternehmen vor Steuer- und Zinsabzug (EBIT) wohl nur gut 9 Mio Euro hängenbleiben, was bei einem angestrebten Umsatz von 285 Mio Euro eine deutlich schmalere Marge ist als die eigentlich angepeilten 9%. Dass der Gewinn 2010 so dürftig ausfällt, wurde Anfang November bekannt, als schon eingeplante Erlöse wegen des Ausfalls von Großprojekten in Indien und Spanien wieder abgeschrieben werden mussten.

Den Problembereich geht Roth & Rau nun als erstes an. Einer Sprecherin des Unternehmens zufolge ist geplant, die durch die Zukäufe von OTB und CTF hinzugekommenen einzelnen Turnkey-Geschäfte innerhalb des Konzerns zusammenzufassen und damit stärker zu integrieren. Im Zuge der Umstrukturierung wird das Segment eine neue Führung aus drei Managern erhalten. Der bisherige Leiter Martin Detje werde Ende dieses Jahres das Unternehmen verlassen. Die “bewusste Trennung von kaufmännischer und technischer Leitung” solle ein “stringenteres Projekt-Controlling unterstützen”, hieß es.

Nach diesem Modell werden wohl auch die anderen Bereiche zusammengeführt. Bisher ist Roth & Rau in die Segmente Photovoltaik, Plasma- und Ionenstrahltechnologie und Sonstige unterteilt, wobei die einzelnen Tochterunternehmen ihr eigenes Geschäft verfolgen und die Muttergesellschaft nur unterstützende Funktionen übernimmt.

Zudem sieht das Unternehmen weitere Kostensenkungen durch eine Optimierung in verschiedenen Bereichen vor. Dazu sollen allein durch den Wegfall von Berater- und Vertriebsverträgen 2011 bereits rund 5,0 Mio Euro gespart werden. Diese Sonderkosten waren in diesem Jahr der Sprecherin zufolge für die Zukäufe fällig geworden.

Spätestens Ende 2011 soll dann der Unternehmensumbau abgeschlossen sein, kündigte das Unternehmen aus dem sächsischen Hohenstein-Ernstthal an. Im Zwischenbericht zum dritten Quartal hieß es, dass bis dahin mit dem Sparprogramm das Fundament für eine “nachhaltig zweistellige EBIT-Marge” geschaffen sein solle.

Die finanziellen Früchte der Umstrukturierung wird bei Roth & Rau dann ein anderer Finanzvorstand ernten. Der bisher verantwortliche Carsten Bovenschen hat in dieser Woche von einem Tag auf den anderen seinen Hut genommen. Für diesen Schritt wurden “persönliche Gründe” in Anschlag gebracht.