Martin Kapp, Präsident des VDW. Bild: VDW

Martin Kapp, Präsident des VDW. Bild: VDW

FRANKFURT (ilk). Wie wichtig ist der Maschinenbau-Gipfel für Ihre Branche?
Für die Werkzeugmaschinenindustrie ist er eine gute Plattform, in Berlin im Schulterschluss mit dem gesamten Maschinenbau Flagge zu zeigen. Die Veranstaltung ist gut etabliert und erzeugt Aufmerksamkeit in den Medien, bei den Geschäftspartnern in der Industrie und nicht zuletzt bei den wirtschaftspolitisch Verantwortlichen. Sie bietet uns die Chance zum Dialog mit der Politik, um ihr unsere Bedeutung und unsere Bedürfnisse klarzumachen.

Zwei Themen dominieren derzeit die Diskussion: die Rohstoffversorgung und der demografische Wandel. Wie ist diesbezüglich die Lage im Werkzeugmaschinenbau, und sind die Unternehmen gut auf etwaige Engpässe eingestellt?
Die Werkzeugmaschinenindustrie ist kein Großverbraucher von Rohstoffen. Wir setzen im wesentlichen Stahl ein. Der Stahlpreis ist zwar wieder gestiegen, jedoch noch weit von den Höchstpreisen 2008 entfernt. Aufgrund bestehender Überkapazitäten erwarten wir auch keine allzu großen Preissprünge.
Der demografische Wandel baut Druck für die Nachwuchswerbung auf. Das trifft insbesondere die kleineren Firmen hart. Sie sind sich der Herausforderung größtenteils bewusst, haben jedoch längst nicht alle Register gezogen, um gegenzusteuern. Dazu gehört, die Qualität der Ausbildung weiter zu steigern, aber noch viel mehr, die eigenen Pluspunkte als attraktiver Arbeitgeber mit interessanten Aufgaben offensiv herauszustellen. Um junge Leute zu erreichen, spielen nicht zuletzt die neuen sozialen Netzwerke im Internet eine große Rolle.

Der Maschinenbau hat sich als das industrielle Rückgrat Deutschlands nach der Wirtschaftskrise erwiesen: Welche Weichen muss die Politik jetzt stellen, damit das auch in Zukunft so bleibt?
In der Krise am wichtigsten war für uns Unternehmen die Flexibilität am Arbeitsmarkt, die von der Politik mit der Kurzarbeiterregelung eingeräumt wurde. Das hat Kooperationsmöglichkeiten mit Betriebsräten und Gewerkschaften zur Lösung einzelbetriebliche Fragestellungen erheblich erleichtert. Und das hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Untenehmen ihre qualifizierten Mitarbeiter größtenteils halten konnten, die sie jetzt dringend benötigen. Diese Flexibilität und Kooperationsbereitschaft muss unter allen Umständen für die Zukunft erhalten bleiben.

An dem Geschehen in Japan kommen wir nicht vorbei: Welche Auswirkungen hat die Katastrophe dort auf den deutschen Werkzeugmaschinenbau; sehen Sie im schlimmsten Fall die Gefahr einer weiteren globalen Krise?
Derzeit sieht es nicht so aus, auch wenn die Entwicklung von vielen Unbekannten bestimmt wird. Die internationale Wirtschaftsentwicklung hat sich bisher trotz der Risiken durch die hohe Verschuldung der Euroländer, die Unruhen in Afrika und nicht zuletzt die schlimmen Ereignisse in Japan als erstaunlich robust erwiesen. Gleichwohl ist nicht auszuschließen, dass solche externen Schocks zu einem Rückschritt führen könnten.

In diesem Zusammenhang: Muss der deutsche Werkzeugmaschinenbau nach der fürchterlichen Japan-Katastrophe den Rückwärtsgang einlegen? Ist unter Umständen in Teilbranchen das Funktionieren der Lieferketten gefährdet?
Dass wir den Rückwärtsgang einlegen müssen, glaube ich nicht. Für die deutsche Werkzeug-maschinenindustrie ist Japan ein vergleichsweise kleiner Markt mit unter 2 Prozent Anteil an den Ausfuhren. Für die Gesamtexporte fällt das kaum ins Gewicht. Einzelne deutsche Anbieter, die Speziallösungen in größerem Umfang nach Japan liefern, werden möglicherweise vorübergehend weniger verkaufen können. Mit 12 Prozent Anteil an den Werkzeugmaschinen-importen spielt Japan als Lieferant eine größere Rolle. Auch bei Chips und anderen elektroni-schen Bauteilen sind die Japaner wichtige Lieferanten. Noch können die Hersteller aus den Lagerbeständen schöpfen. Wenn diese aufgebraucht sind, kann es jedoch zu Engpässen kommen, weil der Nachschub noch nicht wieder funktioniert oder zunächst bevorzugt japanische und andere asiatische Kunden beliefert werden. An welchem Teil der Lieferkette dies der Fall sein wird, ist dabei heute nicht unbedingt ersichtlich.