MÜNCHEN (Dow Jones/ks)–Ein entsprechendes Zielprogramm für die kommenden Jahre präsentierte der Münchner DAX-Konzern am Donnerstag unter dem Titel “One Siemens” bei Vorlage seiner Jahreszahlen.

Mit dem Zielsystem legt Siemens zugleich einen Korridor für die künftigen Dividendenausschüttungen vor. Zwischen 30% und 50% des um außerordentliche, nicht zahlungswirksame Faktoren bereinigten Nachsteuergewinns sollen die Aktionäre in den nächsten Jahren erhalten. Für das abgelaufene Geschäftsjahr schlägt Siemens eine Dividende von 2,70 Euro je Aktie vor, nachdem für die vergangenen drei Jahres jeweils 1,60 Euro pro Anteilsschein ausgezahlt wurden.

Mit der Umsteuerung weg von den Margenzielen und hin zu kapitaleffizientem Wachstum rückt die Kennziffer ROCE (Return on Capital Employed) in den Mittelpunkt, mit der bemessen wird, wie effizient das eingesetzte Kapital gearbeitet hat. Für den Konzern strebt Siemens künftig ein Band von 15% bis 20% an.

Im bisherigen Unternehmensprogramm “Fit 4 2010″ hatte Siemens ein ROCE-Zielband von 14% bis 16% festgelegt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erreichten die Münchner einen ROCE-Wert von 10,3%.

Gekoppelt wird das ROCE-Ziel zudem mit einem Ziel für die Kapitalstruktur. Darunter versteht Siemens den Quotienten von “angepasster industrieller Nettoverschuldung” (die Finanztochter SFS etwa wird hier nicht mitberechnet) und angepasstem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA).

Hier strebt der DAX-Konzern künftig ein Band von 0,5 bis 1,0 an, bislang wollte Siemens den Quotienten zwischen 0,8 und 1,0 halten. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde dieses Ziel mit einem Wert von 0,08 klar verfehlt. Mit der neuen Bandbreite wolle sich Siemens bewusst eine gewisse Flexibilität bewahren, da sich diese während der Finanzkrise bewährt habe, hieß es vom DAX-Konzern am Donnerstag.

Die strenge Ausrichtung an der Kapitalrendite wird von Analysten sehr unterschiedlich bewertet. Zum einen sei der ROCE-Wert leicht zu manipulieren, zum anderen sei es äußerst schwierig, überhaupt ein passendes Ziel für den ROCE-Wert festzulegen, kritisierte Deutsche-Bank-Analyst Peter Reilly in einer Analyse Anfang November.

Reillys Kollege Ben Uglow von Morgan Stanley führt in seiner Studie an, dass die bisherigen 17 verschiedenen Margenziele, 14 für die Divisionen und drei für die Sektoren, der “Overkill” seien. Dies gelte es zu beachten, auch wenn der Markt besorgt sei, weil durch das neue Zielsystem Siemens möglicherweise weniger transparent wird.

Von den Margenzielen für die Divisionen verabschiedet sich der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher mit “One Siemens”. Künftig gibt es nur noch Margenbänder für die drei Sektoren, die nun ohne zeitliche Befristung gelten. Grundlage für die Margenbänder ist zudem künftig das EBITDA, nicht mehr ein bereinigtes EBIT.

Der Industriesektor soll die Marge zwischen 10% und 15% halten, bislang lief das Band von 9% bis 13%. Im Energiegeschäft will Siemens ebenfalls Margen zwischen 10% und 15% erreichen, das alte Margenband reichte von 11% bis 15%. Das neue Zielband für die Medizintechnik lautet auf 15% bis 20%, nach zuvor 14% bis 17%.