Carl Martin Welcker

"Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs", sagte der Präsident des VDMA, Carl Martin Welcker, beim Maschinenbau-Gipfel in Berlin. - Bild: Sabine Ehlen

| von Daniela Hoffmann

VDMA-Präsident Carl Martin Welcker bezeichete sich scherzhaft als „Gutwetter-Präsident“, denn schon lange sah die Wirtschaftslage der Branche nicht mehr so rosig aus wie derzeit. „Wir werden die Prognose von drei Prozent Wachstum mit Sicherheit bestätigen“, erklärte er vor den 480 Gipfelteilnehmern. Es müsse aber die Branche beschäftigen, warum das Wachstum im Ausland stärker ist als im Inland sagte Welcker, dessen Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer am Vorabend sein 125. Jubiläum gefeiert hatte.

Angesichts der schwierigen weltpolitischen Situation fragte Moderatorin Nina Ruge, ob die gute Lage in Gefahr sei. „Wir sind sehr gelassen über den Zustand in dem sich die Konjunktur befindet. Ich wundere mich, wie Prognostiker glückliche Zeiten für 2019 verkünden. Es kann sich alles sehr schnell ändern - wenn wir nicht aufpassen, werden wir sehr schnell Bremsspuren spüren“, so Welckers Antwort.

Man müsse die Frage stellen, ob wir in Deutschland und Europa die richtigen Rahmenbedingungen und ob auch kleine Unternehmen das Rüstzeug haben, um Antworten auf diese großen Herausforderungen zu finden.

Warnung des VDMA-Präsidenten

Carl Martin Welcker warnte vor allem, die Abkehr von Verbrennungsmotoren von oben zu verordnen. „Es kann für manche nicht schnell genug gehen, Verbrennungsmotoren ins Museum zu verbannen, ohne Rücksicht auf Verluste. Das führt zu Friktionen in anderen Sektoren, gerade im Maschinenbau“, war Welcker überzeugt. Der neuen Regierung gab der Verbands-Präsident mit auf den Weg: „Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs. In der beginnenden Legislatur werden die Weichen gestellt: so oder so. Vieles, was in den letzten Jahren aufgeschoben wurde, lässt sich nun nicht weiter verschieben“, ist der VDMA-Präsident überzeugt.

Als wichtiges Problem sieht er zudem, dass noch nicht definiert worden sei, was Europa sein soll. „Was auch immer wir uns von der EU erhoffen, wir müssen zu einschneidenden Veränderungen bereit sein“, so Welcker.

Export-Vorgaben reduzieren

Für die Branche forderte der VDMA-Präsident eine Politik, die Chancen auf den Weltmärkten mit den richtigen Maßnahmen flankiert. Dazu gehöre vor allem, dass die neue Bundesregierung die Vorgaben für Exporte auf das Notwendigste reduziert, aber auch Exportfinanzierung mit Small-Ticket-Lösungen, die gerade für Mittelständler „ein enorm wichtiges Instrument“ sei. Visaregelungen für Mitarbeiter ausländischer Tochterunternehmen, die zur Fortbildung nach Deutschland kämen, sollten auf mehr als drei Monate erweitert werden.

Besonders wichtig ist dem VDMA das Thema Digitalsierung. Dazu gäbe es viel zu sagen, es seien Themen, die der Industrie „unter den Nägeln brennen“. Stattdessen bleibe vor allem die Feststellung: „Am Breitbandausbau wird sich entscheiden ob unsere Industrie und gerade die Mittelständler ihr Potential bei der Digitalisierung abzurufen vermögen“, erklärte Welcker. Das sei in der Politik immer noch ein Thema für Sonntagsreden.

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