Welcker VDMA

VDMA-Präsident Welcker fand viel Zustimmung seitens des Publikums auf dem Maschinenbau-Gipfel 2018. - Bild: Anna McMaster

„Wir sehen immer mehr Einzelentscheidungen im Kleinen und immer weniger Politik für die  Rahmenbedingungen“, merkte Carl Martin Welcker auf dem Branchenkongress an. Zum derzeitigen Zustand der großen Koalition sagte der VDMA-Chef: „Ich erwarte Verantwortungsbewusstsein von allen und Führung von denen, die den Auftrag angenommen haben, mit dieser Mannschaft unser Land zu gestalten“.

Die richtigen Weichenstellungen seien dringend nötig. „Ein klares Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft: Das sollte unsere Antwort auf den wachsenden Wettbewerb aus China und die lauten Töne aus den USA sein“, erklärte Welcker weiter. Als Vorbild nannte er die Politik des vor 55 Jahren gewählten Bundeskanzlers Ludwig Erhardt, der die soziale Marktwirtschaft entscheidend geprägt hatte.

Wandel lässt sich nicht erzwingen

So sei gerade beim Thema Mobilität wichtig, den Wettbewerb zu nutzen, um zu den besten Lösungen zu kommen, statt auf Quoten und Kaufanreize zu setzen. „Wandel muss gestaltet werden; er wird sich aber nicht erzwingen lassen“, fasste es der Verbandschef zusammen.  

Zudem sei es problematisch, Investoren aus anderen Ländern auszubremsen. Besonders am Herzen liegt dem Verband die Frage nach dem wohin die Reise beim geplanten Investitionsschutz geht.

Mit dem Verweis auf nationale Sicherheit sollten weitgehende Einschnitte in die unternehmerische Freiheit gerechtfertigt werden, so der VDMA-Chef. Bisherige Überlegungen aus der Politik seien jedoch weder im Sinne einer weltoffenen Industrienation, noch bringe es Zugewinne bei der Frage der nationalen Sicherheit.

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"Wir brauchen keinen Brexit"

Der um sich greifende Protektionismus und Nationalismus drohe, das Rad zurückzudrehen und die grenzüberschreitende Arbeitsteilung zu zerstören: „Wir brauchen keinen Brexit, wir brauchen keinen Handelskrieg, wir brauchen viel mehr ein funktionierendes Europa und ein transatlantisches Abkommen“, sagte Welcker und erntete dafür großen Applaus von den Gipfelteilnehmern.

Auch beim Thema Digitalisierung stehe die Definition von Rahmenbedingungen aus, während Unternehmen massiv in Technologie, Know-how und Menschen investieren. „Ich kann die Politik nur auffordern, die Expertise der Unternehmen einzubinden“, erklärte Welcker.

Eine steuerliche Forschungsförderung sei sinnvoll, jedoch immer wieder zerredet worden. Von einer solchen Förderung müsse jedes Unternehmen profitieren, gerade aber der deutsche industrielle Mittelstand.

Zwar deutete sich ein Entgegenkommen der Netzbetreiber beim Flächenausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G an, Welcker bekräftigte jedoch noch einmal: „Die Anbindung im ländlichen Raum und entlang der Verkehrswege muss vorrangiges Ziel sein. Ich warne davor, Vergabeverfahren primär auf Auktionserlöse auszurichten. Nicht der Bundeshaushalt soll wachsen, sondern die Übertragungsgeschwindigkeit!“

Als begrüßenswert bezeichnete der Verbandschef, dass die Brisanz des Fachkräftemangels endlich politisch erkannt worden sei und mit dem Einwanderungsgesetz nun Taten folgen. Abschließend sagte Welcker mit Blick auf die Herausforderungen der Zukunft: „Politik und Industrie müssen ein gemeinsames Zukunftsbild für den Technologiestandort Deutschland haben“.

 

Autorin: Daniela Hoffmann