von Hans Bentzien, Dow Jones

FRANKFURT (ks)–VDMA-Präsident Thomas Lindner forderte am Dienstag in Frankfurt zudem größere Anstrengungen bei der Gewinnung qualifizierten Nachwuchses für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Lohnerhöhungen sind in der Branche seiner Einschätzung nach nur begrenzt möglich.

“Sicher können wir Währungsschwankungen in Grenzen kurzzeitig abfangen. Aber eines muss klar sein: Ein dauerhaft starker Euro schwächt unsere preisliche Wettbewerbsfähigkeit”, sagte Lindner. Er verwies darauf, dass deutsche Unternehmen auch in den Euro-Ländern und selbst in Deutschland auf Wettbewerber aus anderen Währungsgebieten, insbesondere aus den USA, Japan und China, träfen. Gravierend veränderte Wettbewerbsbedingungen zögen aber zwangsläufig gravierende Veränderungen der Exportstrategien und Standortentscheidungen nach sich.

“Insofern kann es uns nicht gleichgültig sein, wenn durch handelspolitisch motivierte Aktionen die Wechselkurse wichtiger Kunden- und Wettbewerbsländer manipuliert werden oder gar ein Währungskrieg ausgerufen wird”, sagte Lindner und warnte: “Wer das tut, spielt mit dem Feuer.”

Der Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau ist im September deutlich langsamer als im Vormonat gewachsen. Wie der VDMA mitteilte, lagen die Auftragseingänge real um 28% über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im August hatte der Zuwachs noch 45% betragen. Das Inlandsgeschäft stieg im September binnen Jahresfrist um 33% (Vormonat: plus 30%), bei der Auslandsnachfrage nahm das Plus auf 26% (plus 55%) ab.

Im Dreimonatszeitraum Juli bis September ergab sich insgesamt ein Zuwachs von 40% (Juni bis August: plus 52%) im Vorjahresvergleich, bei den Inlandsaufträgen ein Plus von 34% (plus 45%) und bei den Auslandsaufträgen ein Plus von 43% (plus 56%).

“Die Orderentwicklung im September bestätigt den bereits im August aufgekommenen Eindruck einer Wachstumsverlangsamung”, kommentierte VDMA-Präsident Lindner die Zahlen. Nachholeffekte, die wesentlichen Anteil an den extremen Zuwächsen des ersten Halbjahres hatten, verleihen Lindner zufolge derzeit kaum noch zusätzliche Impulse. “Die Investoren schalten offenbar auf Normalmodus”, sagte er.

Lindner äußerte sich vor diesem Hintergrund zu Lohnerhöhungen eher zurückhaltend. “Wir befinden uns in der Produktion zunächst einmal auf dem Niveau von Sommer 2006, wir haben eine extrem unterschiedliche Situation in den Branchen und auch in den einzelnen Unternehmen und wir sollten keineswegs vergessen, dass der Tarifvertrag bis 2012 läuft”, sagte er.

Die Art und Weise, wie der Maschinenbau die jüngste Krise überstanden habe, sei nur durch ein außerordentliches Zusammenspiel zwischen den Betriebsräten, den Unternehmen, den Arbeitgeberverbänden und der IG Metall möglich gewesen. “Und deshalb finde ich es auch völlig in Ordnung, wenn Unternehmen, die das Niveau von 2008 wieder erreicht haben, mit ihren Arbeitnehmern über betriebliche Lösungen sprechen”, sagte Lindner.

Nach seinen Angaben sind die Kapazitäten im Maschinen- und Anlagenbau noch nicht so ausgelastet, dass es schon in den “roten Bereich” hinein liefe. “Wir laufen noch in die vorhandenen Kapazitäten hinein”, sagte er.

Als drängendes Problem seiner Branche stellte Lindner den Arbeitskräftemangel dar. “Wir haben, obwohl die Krise kaum vorbei ist, schon wieder etwa 5.000 offene Ingenieurstellen”, sagte er. Fachleute wiesen darauf hin, dass derzeit die Zahl der Arbeitslosen schneller zurückgehe als die Beschäftigtenzahlen zunähmen. Dieses “Jobwunder” sei der Vorbote einer dramatischen Zuspitzung: “Das Angebot an Fachkräften wird zum limitierenden Faktor”, so Lindner.

Der VDMA-Präsident bezeichnete “gezielte Zuwanderung” vor diesem Hintergrund als “hilfreich”. Vor allem aber müsse sich Deutschland um seine eigenen Potenziale kümmern. Jeder fünfte Jugendliche habe eine so geringe Kompetenz in Lesen und Mathematik, dass er auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt kaum eine Chance habe. Zudem müsse das Potenzial der Studienabbrecher – immerhin 49% der Studienanfänger – gehoben werden.