Bei der Fabrikplanung wurde Bahlsen in Barsinghausen von IPH und RMA Architekten unterstützt (Bild:

Bei der Fabrikplanung wurde Bahlsen in Barsinghausen von IPH und RMA Architekten unterstützt (Bild: Bahlsen).

HANNOVER (gk). Historisch gewachsene Produktionsstandorte in moderne und wandlungsfähige Fabriken zu verwandeln, ist nicht leicht. Dass durch eine vorausschauende Planung jedoch beachtliche Erfolge errungen werden können, hat Bahlsen mit einer wandlungsfähigen und logistikgerechten Restrukturierung des Standorts Barsinghausen bewiesen: Bei der Fabrik des Jahres/GEO hat Bahlsen den Preis für eine „hervorragende Standortentwicklung“ gewonnen.
Bei der Erstellung des Fabrikkonzepts ist Bahlsen vom Forschungs- und Beratungsdienstleister IPH – Institut für Integrierte Produktion Hannover GmbH sowie von der RMA Reichardt Maas Assoziierte Architekten GmbH&Co. KG unterstützt worden. Sie berieten Dr. Uwe Bretschneider, Leiter des zentralen Planungsteams bei Bahlsen, mit ihrer Expertise bei der Entwicklung eines wandlungsfähigen und logistikgerechten Fabrikkonzepts. Dabei kam ein in zahlreichen Projekten von IPH und RMA erfolgreich eingesetztes simultanes Vorgehensmodell der Fabrikplanung zum Einsatz. Traditionell werden diese Planungen nacheinander durchgeführt. Planungsfehler in frühen Projektphasen bedeuten jedoch in der Regel massive Änderungskosten im späteren Projektverlauf.
Der Grundgedanke des simultanen Vorgehensmodells ist eine parallele dreidimensionale Entwicklung der Fabrik aus Prozess- und -Raumsicht . So können durch diese ganzheitliche Planungssicht frühzeitige Fehler sowie späterer Änderungsaufwand vermieden werden. Eine weitere Besonderheit bei der Planung ist die kooperative Planung einheitlicher Flächen- und Raummodule für Prozesse und Logistik sowie Gebäudestrukturen. Dies ermöglicht eine gezielte Entwicklung und Bewertung von Varianten.
Herzstück des Vorgehens ist die Programmingtechnik des GENEering in Verbindung mit einer Nutzwertanalyse zur Bewertung von Werksvarianten. Auf Basis von Unternehmenszielen, die durch die neue Fabrik erreicht werden sollen, werden die Anforderungen an die zukünftige Fabrik mit „harten“ und „weichen“ Faktoren bewertet. Dieses Planungstool umfasst ein System von Zielkriterien, das die Anforderungen an die Fabrik für alle Bereiche auch visuell verdeutlicht. Insgesamt acht Wertefelder aus Prozess- und Raumsicht mit entsprechenden Unterkriterien erfassen unternehmensspezifische Zielkriterien. Dafür werden wiederum qualitative oder quantitative Anforderungen festgelegt. Das Tool wird auch für die weitere Verfeinerungen der Fabrikplanung genutzt und zum Beispiel mit Daten aus der vertiefenden Fabrikanalyse gefüllt, Zwischenergebnisse aus der Struktur-, Layout- und Gebäudeplanung werden regelmäßig per Nutzwertanalyse bewertet. Im Fall von Bahlsen war der Vergleichsmaßstab für die Standortentwicklung eine völlig neue „virtuelle“ Fabrik, bei deren „Grüne Wiese Planung“ keinerlei Restriktionen zu beachten waren. Bemerkenswert ist, dass mit der Restrukturierung des bestehenden Standorts über 90 % des Potenzials eines kompletten Neubaus gehoben werden konnte. Die Ziele der umfassenden, auch mittels einer Videoanimation vorgestellte Werkstrukturplanung, wurden mit einer Investition von circa 40 Mio Euro innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren im laufenden Betrieb realisiert. Die Zukunftsfähigkeit des „alten“ Standortes wurde durch den Ganzheitlichen Planungsprozess nachhaltig gesichert, Grundlage war die Entwicklung eines neuen „Gencodes“ für das gewachsene Werk und dessen Umsetzung mittels einer überzeugenden „Evolutionsprozesse“ für Anlagen, Logistik, und Gebäude.
Sven Baumgarten, Patrick Prüssing, IPH GmbH, Prof. Jürgen Reichardt, RMA Architekten

aus Produktion Nr. 50, 2011

Die Sieger

Das Bahlsen-Werk in Barsinghausen ist nur ein Kategoriesieger bei dem traditionsreichsten Benchmark-Wettbewerb für die verarbeitende Industrie. Alle sieben Sieger bei der Fabrik des Jahres/GEO und die Preisträgerin des Günter-Spur-Preises werden in der Produktion-Ausgabe 51/52 ausführlich vorgestellt.