BSH Nauen: Immer besser in allen Bereichen 1

NAUEN (hi).  „Den GEO-Sieger BSH in Nauen zeichnet sicher eine über Jahre kontinuierliche Verbesserung aus. Dazu kommt eine stark wertorientierte Unternehmensführung , die sich unter anderem in hoher Wertschöpfung pro Mitarbeiter und einer gerade in 2009 signifikanten Steigerung des Economic Value Added manifestiert“, begründet Dr. Günter Jordan, bei A.T. Kearney zuständig für die Durchführung des gemeinsam mit Produktion durchgeführten Wettbewerbs „Die Fabrik des Jahres“.

Dies sei auch notwendig, da die Hausgerätewerk Nauen GmbH nahe Berlin, die eine 100prozentige Tochter der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH ist, im kontinuierlichen Wettbewerb mit leistungsfähigen Weiße-Ware-Fabriken beispielsweise in Polen stehe. „Dazu leisten die Mitarbeiter in der strukturschwachen Region mit ihrer sehr hohen Flexibilität einen wesentlichen Beitrag“, so Dr. Jordan.

Das Werk in Nauen hat sich im Lauf der Jahre zu einem der profitabelsten Produktionsstandorte der BSH weltweit entwickelt. Das war nicht immer so. Bis 2005 wurden am Standort Nauen Wäschetrockner und Toplader produziert, welche durch Veränderungen am Markt verbunden mit zunehmenden Kostendruck jedoch nicht mehr wettbewerbsfähig waren.

Strategische Herausforderungen

„Die strategische Überlegung und Herausforderung bestand darin, den Neuanlauf eines Premiumprodukts für den mitteleuropäischen Markt zu starten“, schildert Tilman Dominik, Geschäftsführer von BSH Nauen. Heute werden hier zwei Produkt-Plattformen von Waschmaschinen produziert – eine davon ist eine Premiumgerätereihe mit immer neuen innovativen Produktmerkmalen für die verschiedensten Märkte. Die neueste Innovation ist eine Waschmaschine, die mit dem intelligenten, vollautomatischen Dosiersystem i-Dos und damit einer Weltneuheit ausgestattet ist. Der Konsument befüllt die Maschine mit Flüssigwaschmittel – und für die nächsten etwa 20 Waschgänge regelt das System automatisch die Waschmittelmenge und die Wasserzufuhr je nach Verschmutzungsgrad und Waschprogramm. Die Vorteile sind deutliche Einsparungen bei Waschmittel, Wasser und Energie. Der Markterfolg ist durchschlagend. „Wir können mittlerweile den Markt nicht mehr bedienen und sind mit unserer Kapazität an der Obergrenze angelangt“, so Dominik. Auch der letzte Testsieger der Stiftung Warentest wird hier produziert.

Wichtig: Arbeitszeit und Flexibilität

Bis zu diesem Erfolg galt es, wichtige Hürden zu nehmen. Einen wesentlichen Beitrag zur positiven Entwicklung des Standorts haben die Mitarbeiter mit Zugeständnissen bei Arbeitszeit und Flexibilität geleistet. Außerdem galt es, die nächste Stufe der Lean-Production-Philosophie in Nauen zu erreichen. Dazu wurde bereits seit 2003 ein BSH-Produktions-System entwickelt, das auf dem Toyota-Produktionssystem basiert. Dieses war die Basis für das in der ganzen BSH eingeführte Produktionssystem, das mittlerweile in allen 41 Fabriken weltweit angewandt wird.

Es besteht aus fünf Säulen und umfasst die Bereiche „Bedarfsgerecht produzieren“, „Robuster Produktanlauf und -auslauf“, „Mitarbeiter fordern und fördern“, „Fehler vermeiden (Null Fehler)“ und „Verschwendung vermeiden“. Mitarbeiter zeichnen für die jeweiligen Bereiche verantwortlich und entwickeln das System kontinuierlich weiter.

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg von BSH Nauen ist die Organisation des Materialflusses. Insbesondere die Anbindung der Lieferanten war ein bedeutender strategischer Punkt. „Wir haben die dichtest mögliche Anbindung der Lieferanten als Benchmark erreicht. „Drei große Lieferanten sind unmittelbar am Zaun unseres Firmengeländes angesiedelt und beliefern uns durch den Zaun mit großen Kunststoff-, Blech- und Betonteilen just in time“, schildert Dominik. Die Lieferanten hätten sich spezielle Fahrzeuge angeschafft, mit denen eine schnelle Anlieferung an den Rampen gewährleistet sei. „Logistik ist ein wesentlicher Faktor, um mit niedrigen Reichweiten eine hohe Flexibilität abzubilden.“

Kanban-System mit milk run

Innerbetrieblich wird ein Kanban-System eingesetzt in Kombination mit „milk run“. Das stellt eine schnelle und reibungslose Versorgung der Arbeitsplätze insbesondere auch mit Kleinteilen sicher. Auffallend ist in der Produktionshalle der niedrige Anteil von Gabelstaplern. Statt dessen kommen Zugfahrzeuge zum Einsatz, die pro Fahrt mehrere Wagen schleppen können und somit Zeit sparen. Bushaltestellen nachempfundene Schilder zeigen die jeweiligen Haltestellen an.

Um die Kapazitäten des Werks zu erhöhen, wurde in Nauen heuer eine zweite Montagelinie in Betrieb genommen. Im nächsten Jahr ist eine zweite Trommelfertigung geplant. „Die Komplexität geht weiter nach oben, und wir müssen unsere Prozesse dann erneut unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls anpassen“, sagt Dominik.

Hohe Saisonalität der Produktion

Eine Herausforderung stellt auch die Saisonalität in der Waschmaschinenproduktion dar. Diese erfordert im Herbst eine deutlich höhere Ausbringung im Vergleich zum Frühjahr. Diese Saisonkurve wurde bisher mit Leiharbeitern aufgefangen. „Der Markt für Leiharbeiter hat sich allerdings in den letzten Jahren stark verändert, so dass es den klassischen Produktionshelfer auf dem Arbeitsmarkt kaum noch gibt. Das beudeutet für uns umdenken. Wir benötigen ein angepasstes Personalkonzept für die Zukunft“, führt Dominik aus. Nachgedacht werde über Beschäftigungsmodelle wie beispielsweise mehr Teilzeit-Lösungen, befristete Arbeitsverträge oder auch Saison-Arbeitszeiten.

Zu den ausgezeichneten Stärken des Werkes Nauen gehört eine gute innerbetriebliche Logistik. Doch auch in diesem Bereich will man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. „Zu den großen Herausforderungen der Zukunft in der Produktionslogistik gehören Materialbelieferungsmodelle mit Variantenteilen“, schildert Dominik. Im Werk gebe es hinsichtlich Motoren, Getrieben oder Stoßdämpfern eine große Variantenvielfalt zu bewältigen. „Unsere Aufgabe für die Zukunft ist es, die Mitarbeiter an der Linie nicht mit Materialbeschaffung zu belasten, sondern den Nachschub zu automatisieren.“

Die BSH Hausgerätewerk Nauen GmbH hat sich vorgenommen, den Weg des Lean Manufactoring konsequent weiter zu gehen, denn nur so könne man die Potenziale der Mitarbeiter umfassend nutzen und durch kontinuierliche Verbesserung in allen Prozessen im Wettbewerbsumfeld bestehen.

Zu diesem Zweck betreibt das Werk in Nauen ein ständiges Benchmarking mit anderen Werken sowohl innerhalb des BSH-Fertigungsverbundes als auch mit anderen Firmen, die Stärken auf interessanten Gebieten haben. Man sei noch lange nicht am Ende der Verbesserungen angekommen und habe durchaus noch einige Ideen. „Von uns wird auch in der Zukunft zu hören sein“, ist sich Tilman Dominik sicher.