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Für Rational CEO Dr. Peter Stadelmann (links) und CTO Peter Wiedemann ist die Konzentration auf den Kundennutzen das Erfolgsgeheimnis von Rational. - Bild: Susanne Nördinger

1. Prozessorganisation

Durchgängige Prozessorganisation im gesamten Unternehmen: Abteilungen gibt es bei Rational nicht. Das Unternehmen ist in die fünf Hauptprozesse Innovationsprozess, Produktions- und Lieferprozess, After Sales, Vertrieb & Marketing und die Dienstleistungsprozesse, zu denen zum Beispiel Personal und Einkauf gehören, gegliedert. “Wir versuchen, einen Kundenauftrag möglichst nicht aufzuteilen, sondern durch einen Prozess und idealerweise durch eine Person abzuwickeln, um Schnittstellen und Nachfragen zu vermeiden”, berichtet Rational-CEO Dr. Peter Stadelmann.

Innerhalb der Prozesse gibt es Hierarchien, damit die Verantwortlichkeiten geregelt sind. Auch im Rahmen eines Prozesses werden die Aufgaben wenig aufgeteilt. “Wir überlassen unseren Mitarbeitern einen möglichst großen Aufgabenbereich”, erklärt CTO Peter Wiedemann. “Dazu benötigen wir die besten Mitarbeiter, und diese sind auch sehr zufrieden mit ihrem Job.”

In der Montage zeigt sich das deutlich. Dieser Produktionsprozess besteht aus fünf Produktionsinseln, die jeweils ein versandfertiges Produkt liefern. Innerhalb der Insel montiert eine Person einen kompletten Combidämpfer selbst, eine weitere Person prüft das Gerät und ein dritter Mitarbeiter verpackt das Produkt. So entfallen jegliche Schnittstellen. Auf das Typenschild eines fertig montierten Gerätes wird der Name des Werkers aufgedruckt, der es montiert hat. “Unsere Mitarbeiter identifizieren sich so sehr stark mit dem Produkt”, verrät Wiedemann. Immer wieder berichten ihm Werker, dass sie auch privat in Restaurantküchen nachfragen, welcher Name auf dem dort installierten Gerät steht. Gleichzeitig führt das System dazu, dass die Mitarbeiter versuchen, Fehler zu vermeiden. Schließlich lässt sich einfach nachvollziehen, wem ein Montagefehler zuzuschreiben wäre.

“Die Prozessorganisation sorgt in allen Unternehmensbereichen dafür, dass ein Job bei Rational spannend ist”, freut sich Dr. Peter Stadelmann. So ist man in der Buchhaltung beispielsweise für eine komplette Tochtergesellschaft zuständig, Einkäufer sind für einen kompletten Lieferanten verantwortlich inklusive Qualitätsmanagement, Preisverhandlungen und der Überwachung des Produktionssystems beim Lieferanten.

2. Das Produkt

Das Produkt ‘Combidämpfer’: Rational hat den Anspruch an sich selbst, Produktführer zu sein. “Unser Produkt soll am Markt den Maßstab setzen, denn wir können Probleme nicht mit anderen Produkten kompensieren”, erklärt Wiedemann. Daher investiert Rational ständig in Forschung & Entwicklung und somit die Verbesserung des Produkts.

Bei Rational entstand 1976 die Idee, Dampf und Heißluft in einem Gerät zu kombinieren. Das Unternehmen hat damals eine Lösung entwickelt, um die Dampfsättigung im Garraum des Kombidämpfers regeln zu können. Heute bietet Rational mit dem Self-Cooking-Center 5senses ein Gerät, das selbstständig erkennt, wie sich die Speisen im Garraum verändern. Der Koch gibt nur noch den inneren und äußeren Gargrad vor, Heißluft, Dampf, Temperatur, Luftgeschwindigkeit und Garzeit justiert das Gerät anschließend selbst.

Von Beginn an lag die Philosophie aber darin, den Köchen zu nutzen. “Unser Produkt ist die Realisierung unseres Kunden-Nutzen-Versprechens”, freut sich Wiedemann. Das Hauptgeschäft sind Neukunden, die traditionelle Geräte durch Combidämpfer ersetzen, es entstehen aber auch neue Märkte, da derzeit die Verpflegung mit warmen Speisen an Schulen, aber auch an Tankstellen oder in Sportstätten zunimmt. “Wir bauen auf ein Grundbedürfnis auf”, berichtet Stadelmann. Denn warmes Essen werde immer benötigt. Die ganze Welt sei theoretisch ein Markt. Und Rational kann seine Kunden leicht definieren, denn Großküchen wie Restaurants, Krankenhäuser, Schulen usw. sind einfach zu finden.

“Grundsätzlich halten wir einen Technologievorsprung von fünf bis sieben Jahren gegenüber dem Wettbewerb und bieten damit noch mehr Kundennutzen als unsere Wettbewerber”, sagt Wiedemann. Um den Vorsprung abzusichern, hält Rational rund 450 Patente.

Das Produkt Combidämpfer ist an sich recht erklärungsbedürftig. Für den Vertrieb sei es daher die schwierigste Aufgabe, die Botschaft über den Kundennutzen in die Großküchen zu tragen. “Man muss unser Produkt einmal erlebt haben, dann ist man von den Vorteilen sofort überzeugt”, erzählt Wiedemann. Rational lädt potenzielle Kunden aus diesem Grund stets zu sogenannten Garen Live Veranstaltungen ein.

3. Das U.i.U.-Prinzip

Mitarbeiter sind Unternehmer im Unternehmen (U.i.U.): Ein Unternehmen kann nur das Beste für seine Kunden leisten, wenn es auch die besten Mitarbeiter beschäftigt. Rational sieht seine Mitarbeiter daher als ‘Unternehmer im Unternehmen’ (U.i.U.). Von allen Mitarbeitern wird erwartet, dass sie mitdenken, dass sie mit allen Dingen im Unternehmen sorgsam und sparsam umgehen und dass sie ihre Meinung kommunizieren und Dinge vorschlagen.

Der gelebte ‘Unternehmer im Unternehmen’ arbeitet ständig daran, seine Arbeitsprozesse zu verbessern. “Wir geben diesen Freiraum nicht nur, wir setzen auch voraus, dass er genutzt wird”, sagt Stadelmann. Das brauche auch die richtige Führung, weshalb Rational seine Führungskräfte intensiv ausbildet.

Zur U.i.U.-Philosophie gehört auch ein gelebter KVP-Prozess. Im Jahr 2013 wurden beispielsweise 3 800 von Mitarbeitern eingereichte Verbesserungsvorschläge umgesetzt, die für Einsparungen von rund ­1,2 Mio Euro gesorgt haben. Im Gegenzug hat das Unternehmen 90 000 Euro Prä­mien für die Verbesserungsvorschläge an die Mitarbeiter ausbezahlt. Prämiert wird dabei immer ein ganzes Team und niemals eine Einzelperson.

Einmal im Jahr macht jede Führungskraft mit ihren Mitarbeitern einen halbtägigen Workshop zum Thema U.i.U., um das Ganze zu reflektieren und am Leben zu halten.

4. Kundennutzen

Wichtigstes Ziel für jeden Mitarbeiter bei Rational ist es, Kundennutzen zu stiften. Dabei kann es sich um externe wie auch um interne Kunden handeln. “Diese Philosophie ist in der DNA unseres Unternehmens verankert”, berichtet Stadelmann. Die von Rational produzierten Combidämpfern nutzen den Köchen, die in Großküchen arbeiten. Sie vereinfachen deren Arbeitsablauf, gleichzeitig steigt die Produktqualität. Denn durch die Kombination aus Heißluft und Dampf bleiben die Nährstoffe erhalten und der Gewichtsverlust beim Erhitzen der Speisen sinkt auf ein Minimum. Das Essen bleibt somit saftiger. “Der Gastwirt kann so mit weniger Wareneinsatz mehr Menschen versorgen, auch das ist für uns Kundennutzen”, erläutert Stadelmann.

Dieser Kundennutzen steht bei Rational im Zentrum allen Handelns, quasi in der Mitte einer Spirale. “Wir wollen nicht Umsatz oder Gewinn erzielen oder mehr Geräte verkaufen, sondern Köche in Großküchen unterstützen”, sagt Stadelmann. Nützt man diesen Kunden, dann entstehe ein Sog. Denn die Köche sprechen miteinander und empfehlen Kollegen aus anderen Großküchen, ein Gerät bei Rational zu kaufen.

Dadurch steigt die Attraktivität des Produkts ‘Combidämpfer’. Als Folge erhöht sich die Nachfrage, Rational wächst und kann dank Skaleneffekten produktiver fertigen. “Am Schluss steigt dadurch der Umsatz”, berichtet Stadelmann. Umsatz werde aber stets als Ergebnis gesehen und nicht als Ziel. “Wenn man als Unternehmen den Kundennutzen steigert und dabei gut ist, dann wird der Gewinn von alleine steigen”, ist sich Stadelmann sicher.

Gleichzeitig unterstützt Rational seine Kunden durch Schulungen. In der Rational-Akademie lernen die Mitarbeiter aus den Großküchen, wie sie mit den Combidämpfern richtig umgehen.

5. Konzentration

Rational konzentriert sich auf die Zielgruppe Großküche und möchte die Menschen dort unterstützen, Speisen einfacher thermisch zuzubereiten. “Die Haushaltsküche ist nicht unser Markt, außerdem beschäftigen wir uns auch nicht mit Prozessen wie Lagern, Spülen oder Warenfluss innerhalb der Profiküche”, erläutert Stadelmann. Stattdessen konzentriere sich Rational auf die Technologie, die das Kochen in Profiküchen erleichtert.“

Momentan ist der Combidämpfer hierfür das beste Produkt”, erklärt Wiedemann. “Wenn es eine neue Technologie gibt, dann müssen wir die selbstverständlich kennen und als erste auf den Markt bringen.” Rational arbeite grundsätzlich nicht produktorientiert, sondern lösungsorientiert.

Um diese Konzentration zu realisieren, beschäftigt sich Rational intensiv mit seinen Kunden – den Köchen in der Profiküche – und holt sich die Zielgruppe auch in die Firma. So arbeiten im Vertrieb vorrangig gelernte Köche. Auch in der Anwendungsforschung, der Entwicklung oder Anwendungsberatung sind Köche beschäftigt. Rund 300 der weltweit fast 1 500 Rational-Mitarbeiter sind gelernte Köche.

“Wir sind froh, wenn unser Wettbewerb diversifiziert”, erklärt Stadelmann, dann verzetteln die sich und unser Vorsprung wird größer.” Da man sich bei Rational auf ein Produkt konzentriere, lerne man viel schneller. “Wir wissen genau, was wir tun, denn wir tun immer wieder dasselbe, man nennt das auch üben”, sagt Stadelmann und gibt zu bedenken, dass sich Spitzensportler auch auf eine Disziplin fokussieren.