Mögliche Ausfälle bei Halbleitern könnten zu Produktionsrückgängen in der Autoindustrie im 2.

Mögliche Ausfälle bei Halbleitern könnten zu Produktionsrückgängen in der Autoindustrie im 2. Halbjahr führen, sagte Leoni-Vorstand Uwe Lamann beim Kongress Fabrik des Jahres (Bild: Anna McMaster).

Die Unternehmen müssen sich auf Volatilität und Instabilität vorbereiten, warnte Dr. Jordan auf dem Kongress zur Fabrik des Jahres/GEO in Esslingen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten sie die Komplexität bei Produkten und Produktion reduzieren, riet Professor Schuh.

von Andreas Karius und Gunnar Knüpffer
ESSLINGEN. „Nehmen wir mal eine längere Phase von Ausfällen vor allem bei Halbleitern an, dann müssen wir damit rechnen, dass in der zweiten Hälfte des Jahres deutliche Produktionsrückgänge wahrscheinlich die Folge sein müssten“. Das befürchtete Leoni-Vorstand Uwe Lamann als Folge der Katastrophe in Japan für die Automobilindustrie in seiner Keynote auf dem Kongress Fabrik des Jahres/GEO. So musste der weltgrößte Produzent von Automotive-Chips Renesas Electronics seinen Output an 200-mm-Silizium-Wafern wegen bebenbedingter Störungen und Stromausfällen um die Hälfte auf rund 460 000 Stück reduzieren. Erst im Juli soll die Renesa-Fabrik in Naka, auf die 15 % der Kapazität entfällt, ihre Produktion wieder aufnehmen.
„Den Unternehmen drohen nach wie vor große Risiken“, warnte auch Dr. Günter Jordan, Vice President von A. T. Kearney. „Wir müssen uns auf die Volatilität und Instabilität vorbereiten.“ Dr. Jordan sieht jetzt wieder einen Trend zur Lokalisierung und Verkürzung von Logistikketten. Beirat Professor Günter Schuh riet den heimischen Firmen, die Komplexität bei Produkten und Produktionsstrukturen zu reduzieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. So seien beispielsweise in der Photovoltaik die Herstellungskosten durch den Eintritt der asiatischen Hersteller drastisch gefallen. Professor Schuh sagte, bei der Produktarchitektur müsse immer darauf geachtet werden, dass die Produktentwürfe physisch, strukturell oder zumindest gestalterisch mehrfach verwendet werden können.
Ein wichtiges Feld, mit dem sich ferner die Firmen beschäftigen müssen, ist laut Dr. Jordan die Demographie: Der Zahl der Menschen über 60 Jahre wird von derzeit 205 Mio bis zum Jahr 2050 auf etwa 2 Mrd steigen. „Diese nicht in den Arbeitsprozess einzubinden ist undenkbar“, sagte Dr. Jordan.
Als Vorbild für andere Unternehmen des produzierenden Gewerbes kann das Werk von BMW in Dingolfing dienen, das bei der feierlichen Abendveranstaltung mit dem Zukunftspreis Fabrik des Jahres/GEO für die Realisierung einer alternsgerechten Fabrik ausgezeichnet wurde. Werkleiterin Barbara Bergmeier hatte mit Unterstützung durch Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt eine Achsgetriebemontage geschaffen, die „hochproduktiv arbeitet aber zugleich Aspekte eines demographiefesten Betriebs vorbildlich umsetzt“, wie der Laudator Professor Sascha Stowasser, Direktor des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft in Düsseldorf, sagte. In Dingolfing wurden ergonomische Arbeitsplätze gestaltet, Ausgleichsübungen entwickelt und Ernährungstipps gegeben, so dass die Gesundheit der Mitarbeiter jedes Alters möglichst erhalten bleibt.