Dr. Philip Grützner erhält im Rahmen der Fabrik des Jahres/GEO den Günter-Spur-Preis für seine

Dr. Philip Grützner erhält im Rahmen der Fabrik des Jahres/GEO den Günter-Spur-Preis für seine Dissertation „Prozessentwickung für das Fügen durch Knickbauchen“. - Bild: privat

Das Fügen durch Knickbauchen kann Einsparungen bis zu 20 % erzielen, fand Dr. Philip Grützner in seiner Dissertation heraus. Dafür erhält er im Rahmen des Wettbewerbs Die Fabrik des Jahres/GEO den Günter-Spur-Preis.

Da das Verfahren von Philip Grützner in vielen Anwendungen zu erheblichen technologischen und wirtschaftlichen Vorteilen gegenüber konventionellen Fügeverfahren führt, entstand für den Hersteller von Servospindelpressen Promess ein neues innovatives Anwendungsfeld für seine Pressen. Für die Durchführung von Versuchen sowie durch den Verkauf und die Vermietung von Pressen für Grützners Variante des Fügens durch Knickbauchen konnten bereits Umsätze erzielt werden.

Auch bei den Awendern des Verfahrens ergeben sich wirtschaftliche Vorteile: Wenn Schweißverfahren wie zum Beispiel das MAG-Schweißen durch das Fügen durch Knickbauchen ersetzt wird, können Einsparungen von 10 bis 20 % erzielt werden. Aus diesen Gründen entschied sich der Beirat der Fabrik des Jahres/GEO dafür, Philip Grütz­ners Dissertation „Prozess-entwicklung für das Fügen durch Knickbauchen“ mit dem Günter-Spur-Preis auszuzeichnen. Dieser Preis wird in Gedenken an den 2013 verstorbenen Vater der Produktionstechnik in Deutschland, Professor Günter Spur, verliehen.

Ursprünglich wollte ThyssenKrupp das Verfahren umsetzen

Das Fügen durch Knickbauchen ist ein umformtechnisches Fügeverfahren. Durch den Einsatz umformtechnischer Fügeverfahren ergeben sich im Vergleich mit thermischen Verfahren in vielen Fällen Vorteile. Vor dem Hintergrund des Trends zum Leichtbau und den damit verbundenen Anforderungen an Werkstoffe und Fertigungsverfahren können zum Beispiel unterschiedlichste Ma­terialien wirtschaftlich miteinander verbunden werden. Vorteile dürften auch im Hinblick auf eine ener­gieeffiziente Fertigung entstehen. Obwohl das Fügen durch Knickbauchen bereits seit Langem bekannt ist, fehlten bislang sämtliche für eine industrielle Anwendung des Verfahrens erforderlichen Grundlagen.

Grützner hatte in seiner Doktorarbeit über das umformtechnische Verfahren Fügen durch Knickbauchen vertiefte wissenschaftliche Untersuchungen angestellt und die parametrischen Wirkzusammenhänge sowie allgemeingültige Erkenntnisse zur Prozesstechnik und Bauteilqualität ermittelt und damit die Voraussetzungen für eine praktische Umsetzung geschaffen. Dadurch wurde es möglich, dieses Verfahren zu durchdringen und wirtschaftlich zu nutzen. Anwender aus verschiedenen Industriezweigen, die in der Vergangenheit die geringe Verbreitung des Verfahrens auf einen Mangel an Informationen zurückführten, zeigen jetzt laut Promess großes Interesse an dem Fügeverfahren.

Ursprünglich war man bei ThyssenKrupp Umformtechnik in Bielefeld-Brackwede daran interessiert gewesen, dass Verfahren Fügen durch Knickbauen industriell umzusetzen. Aufgrund des damaligen geringen Erkenntnisstandes war eine zeitnahe Umsetzung nicht möglich. Da das Unternehmen das Anwendungspotenzial sah, bot es das Thema für eine Promotion an. Parallel dazu wurde ein Forschungsantrag gestellt. Dabei arbeiteten Lehrstühle an der BTU Cottbus und der Universität Hannover zusammen.

Philip Grützner wird auf dem Kongress Die Fabrik des Jahres/GEO am 26./27.3. im Hannover Congress Centrum ausgezeichnet. Anmeldung: Tel. 08191/125 872, E-Mail: ricarda.herrmann@sv-veranstaltungen.de, www.produktion.de/fabrik-des-jahres

Gunnar Knüpffer