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"Wir forcieren das Thema Mensch-Maschine-Interaktion, kollaborative Lösungen", sagte der Supply-Chain-Manager Jörg Cwojdzinski im Interview mit Produktion-Redakteur Gunnar Knüpffer. - Bild: ASM Assembly Systems

Produktion: Herr Cwojdzinski, was erwarten Sie durch die Einführung von Industrie 4.0 bei ASM Assembly Systems in München?

Jörg Cwojdzinski: "Was sind die eigentlichen Triggerpunkte für eine Supply-Chain? Das sind vier Punkte. Es ist einmal das klassische Zieldreieck, bei den Kosten, bei der Qualität und bei den Terminen besser zu werden. Der vierte Punkt ist, noch flexibler zu werden. Das sind die alleinigen Triebfedern für eine Supply-Chain – nichts anderes. Das ist genau das, was ich von den smarten Lösungen erwarte.

Wir werden in höherer Qualität, performanter und kostengünstiger in Zukunft produzieren können. Und nur noch flexibler werden damit. Davon bin ich fest überzeugt. Das darf auch nur die Triebfeder für Industrie 4.0 sein, nichts anderes.

Die Supply-Chain ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in jedem Unternehmen der Kostentreiber Nummer 1 und auch der Bereich, der sicherstellen muss, dass am Ende ein qualitatives Gut beim Kunden ankommt."

Produktion: Was machen Sie im Bereich Industrie 4.0?

Cwojdzinski: "Wir brauchten den Blick darauf, was Smart in der Montage bedeutet. Wir haben eine klare Stoßrichtung: Die heißt Smart Montage, Smart Assembly. Wir haben eine Smart Toolbox, aus der wir uns bedienen werden in der Zukunft. Wir machen viele Experimente und stellen fest, was für uns in Zukunft geeignet ist.

Eine andere Stoßrichtung ist die Automatisierung. Wir setzen nicht unflexible Roboter für eine bestimmte Lösung ein, die Automatisierung der vergangenen Jahre gibt es bei uns nicht. Wir forcieren das Thema Mensch-Maschine-Interaktion, kollaborative Lösungen.

In diesen Wochen installieren wir die ersten drei Automatisierungslösungen, wo es in diese Richtung geht. Zum Beispiel stapelt ein Roboter von Universal Robotics Zahnräder, die später zum Härten weitergeleitet werden, und legt jeweils einen Ring dazwischen. Zukünftig werden die Montagearbeitsplätze in einer Mischform existieren. Die Roboter sollen dann an verschiedenen Arbeitsplätzen zum Einsatz kommen, damit sie möglichst produktiv sind.

Zudem haben wir Potenziale beim 3D-Druck identifiziert. 3D-Druck nutzen wir, um Montage-Tools sowie Produkte für Kunden wie Sonder­pipetten zu erstellen. Vor allem Metall-Produkte werden hergestellt. Diese Technik hat jedoch insgesamt betrachtet noch nicht den nötigen Reifegrad für den massenhaften Einsatz."

Produktion: Werden im Zuge von Ihrer Industrie 4.0-Initiative Stellen auf- oder abgebaut?

Cwojdzinski: "All solche Initiativen haben nicht das Ziel, Mitarbeiter abzubauen. Das halte ich für sehr wichtig. Es war unser Ziel, die weltweite Nummer 1 zu werden. Das haben wir geschafft. Nun haben wir das nächste wichtige Ziel vor uns. Das Wachstum nachhaltig sichern! Personalreduzierung kann deshalb nicht das zentrale Thema sein. Die ASM Mitarbeiter sind so diversifiziert geschult, dass sie sehr vielseitig einsetzbar sind. Sie können überall in der Fertigung eingesetzt werden.

Produktion: Welche Erfolge haben Sie mit Ihren Industrie 4.0-Aktivitäten erzielt?

Cwojdzinski: "Es ist unser Ziel, unseren Erfolg in den nächsten Jahren bis 2020 abzusichern."

Produktion: Geben Sie das im Bereich Industrie 4.0 erarbeitete Wissen weiter?

Cwojdzinski: "Ja, klar. Das ist ein ganz wesentlicher Grundsatz bei uns. Wir sind hochgradig vernetzt – im internen ASM-Netzwerk, mit vielen anderen Benchmark-Partnern und natürlich mit unseren Lieferanten und Kunden, von denen wir viel lernen. Wir teilen unser Wissen und unsere Erfahrungen gerne und tauschen uns gerne mit anderen Experten aus. Das machen wir aus voller Überzeugung, weil wir wissen, dass bei allem, was wir geben, wir auch mindestens genauso viel zurückbekommen.

Diese Herangehensweise ist übrigens auch für unsere Kunden sehr wichtig. Denn nur wenn wir selbst verstehen, wie Lean-Manufacturing und digitale Fertigungsprozesse funktionieren und sie in unseren eigenen Innovation Centers anwenden, können wir für unsere Kunden kompetente Ansprechpartner auf dem Weg zur Smart SMT Factory sein.

Industrie 4.0 kann nur funktionieren, wenn alle versuchen, möglichst offen zu sein und miteinander zu sprechen. Ob dies auf Maschinenebene ist oder auf menschlicher Ebene. Sonst kann der Ansatz nicht erfolgreich sein.

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