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Bei MAN LKW handelt es sich um drei Marken: Die alte Steyr AG aus Österreich, die ehemalige Büssing AG aus Salzgitter und MAN in München. Im Bild ist das Werk in München. - Bild: MAN

„Wir sind Opfer unserer eigenen, guten Arbeit geworden. Denn Effizienzsteigerungen haben wir durch Erhöhung des Outputs erreicht“, beschreibt Michael Ulverich, Leiter Produktion Truck bei MAN in München. Seit Ende der 90er Jahre habe der LKW-Hersteller enorme Verbesserungsraten von durchgehend fünf bis sechs Prozent gehabt. „Gleichzeitig hatten wir bis zum Jahr 2008 ein enormes Wachstum“, sagt Ulverich.

Produktionsverbund aus den Werken München, Salzgitter, Krakau und Steyr

Was toll klingt, hat auch seine Schattenseiten, denn das Wachstum war schlichtweg zu schnell und zu stark. Somit ist einige Zeit nach Erholung von der Wirtschaftskrise 2008/2009 in einem sehr kleinen Kreis festgelegt worden, einen Produktionsverbund aus den Werken München, Salzgitter, Krakau und Steyr zu gründen, in dem alle LKW-Werke zusammenfasst werden.

Leicht gesagt, doch die entscheidende Frage dabei war: „Wie bekommen wir es hin, das Netzwerk zu verändern und gleichzeitig die Motivation bei den Mitarbeitern hochzuhalten. Schließlich gab es ja Bereiche, die gewandelt wurden“, erklärt Ulverich. Meistens produziere dies in jeder Belegschaft Ängste. „So mussten wir in der Vorbereitung alles tun, damit die Menschen dies auch akzeptieren.“

Die Umstrukturierung baut auf drei Säulen auf:

1. Standortübergreifende Organisation

Michael Ulverich, MAN
Michael Ulverich (2.v.l.), Leiter Produktion Truck. Ihm ist es enorm wichtig, nah an den Mitarbeitern und an den Themen am Band zu sein. - Bild: MAN

„Zuerst haben wir eine standortübergreifende ‚agile Matrixorganisation‘ aufgebaut.“ Dabei gehe es nicht in erster Linie darum, dass ein Mitarbeiter fest an einem Standort für diesen tätig ist und dort beispielsweise für einen gewissen Bandabschnitt Neuplanungen mache.

„Vielmehr sollen alle Spezialisten gemeinsam an der Definition für ein Standardband für alle Werke arbeiten – unabhängig, welcher LKW-Typ dort läuft“, erläutert Ulverich. Diese Strategie habe sogar eine gewisse Euphorie ausgelöst, da sich die Leute über die Standorte hinweg getroffen und zusammengearbeitet hätten. Ulverich dazu: „Das war eine ganz wichtige Säule, wie wir die Menschen dazu bringen, übergreifend zu arbeiten.“

2. Produktqualität

Bei der zweiten Säule habe es sich um die Produktqualität gehandelt, die „von unseren Werkern bestimmt wird“, betont Ulverich. „Dazu haben wir ein Qualitätsprogramm gestartet, indem wir unsere Qualitätswerkzeuge geschärft haben.

Wir haben zudem überlegt, wie wir aus der Kundenrücksprache und aus der Prozesskontrolle die Themen zu den Werkern transferieren können. Bei solchen Veränderungsprozessen besteht immer die Gefahr, dass die Motivation auf das Produkt negativ durchschlägt. Das wollten wir unbedingt vermeiden“, so der Produktionsleiter.

3. Strategische Überlegungen

Bei der dritten Säule ging es Ulverich darum, wie der Verbund strategisch aussehen soll und „wie wir es schaffen, dass das Unternehmen mit einer Sprache spricht.“ Natürlich gebe es in einer solchen Situation einen Anpassungsbedarf, „aber der muss erklärbar und sozial gerecht sein“, unterstreicht Ulverich.

Ferner müsse klar sein, dass es eine Neuausrichtung der Werke gebe. Zudem müsse darstellbar sein, dass jeder Mitarbeiter für seinen Abschnitt in der Wertschöpfungskette für sich stehen könne. „Genau das haben wir anhand der Mitbestimmung der einzelnen Werke aufgebaut“, hebt Ulverich hervor.

Das Werk in Kürze

  • Gründungsjahr: 1955
  • Werkfläche: 1 000 000 m²
  • Mitarbeiter*: 8 149 (insgesamt) 3 310 (gewerblich) 4 839 (angestellt)
    * Nur Produktion Werk München – Stand 31.12.2015
  • Normalkapazität pro Jahr: 63 200 Stück (Planjahr 2016)
  • Produktion LKW-Montage schwere Baureihe TGS und TGX
    46 700 Fahrzeuge
  • Achsen
    Hypoidachsen 111 500 Stück
    AP-Achsen 12 400 Stück
    Verteilergetriebe 9 700 Stück
    Durchtriebe 58 300 Stück
  • Weitere Produkte
    Fahrerhäuser der schweren Reihe TGS und TGX
    Rohbaukomponenten für den Fertigungsverbund