Das Resilienzmodell der Beratung Goetzpartners: Es beruht auf den Säulen Agilität, Redundanz,

Das Resilienzmodell der Beratung Goetzpartners: Es beruht auf den Säulen Agilität, Redundanz, Dezentralität, Diversität und permanenter Lernprozess (Graphik Goetzpartners).

München (gk). Nur wer es schafft, auch nicht vorhersehbare Risiken wie Naturkatastrophen oder Unfälle schnell und ohne Schaden zu meistern, kann nachhaltig und erfolgreich wachsen. Dabei spielen die Faktoren Agilität, Redundanz, Dezentralität, Diversität und permanenter Lernprozess eine maßgebliche Rolle. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von Goetzpartners, die auf einer Umfrage über verschiedene Branchen hinweg basiert.  Wie wichtig die Fähigkeit ist, mit vorhersehbaren und unvorhersehbaren Risiken umzugehen, zeigt sich darin, dass 72 % der Befragten Supply-Chain-Risiken aktiv behandeln. „Was fehlt, ist die systemische und gesamthafte Betrachtung und Umsetzung, um darauf aufbauend die Supply-Chain-Organisation und ihre Prozesse resistenter gegen Störfälle zu machen“, meint Marc Staudenmayer, Managing Director bei Goetzpartners.  Die Beratung hat fünf Faktoren identifiziert, die eine resiliente Supply-Chain prägen:
1. Agilität
Agilität steht für die Fähigkeit des schnellen Kurswechsels, das heißt, sich aktiv und flexibel an veränderte Bedingungen anzupassen. Eine maßgebliche Rolle spielen Kenntnisse der Kundenwünsche und deren Beeinflussung. Frühwarnsysteme für Krisenfälle sowie Alternativpläne für Standardsituationen sind ebenso wichtig wie Dual- oder Multi-Source im Einkauf. Dem Risiko tragen die Befragten bereits Rechnung: 61 % haben bei strategischen Materialien Zweitlieferanten identifiziert und qualifiziert.
2. Redundanz
Das mehrfache Vorkommen von Informationen oder Elementen führt zu einheitlichen, vergleichbaren und somit austauschbaren Prozessen. Die Hälfte der Befragten gab an, im Hinblick auf Redundanzen in der Produktion einen Standard für Layout, Infrastruktur, Produktionslinien und Technik zu verfolgen, der als Basis für die Werke weltweit dient. Redundanz kommt auch in einer Gleichteile-/Normstrategie zum Tragen, die jedoch bei über 75 % nur bei neueren, aktiven Produkten angewandt wird. Um die Zahl der Produktvarianten zu minimieren und Kosten zu sparen, ist die Verschiebung des Variantenbestimmungspunkts nach hinten in die Wertschöpfungskette eine optimale Lösung. Obwohl Redundanz die einfachste Methode ist, eine Supply-Chain resilient zu machen, ist sie auch die kapitalintensivste. Daher sollte als Entscheidungsgrundlage eine detaillierte Kosten-Nutzen-Rechnung durchgeführt werden.
3. Dezentralität
Dabei geht es um die Entkoppelung von Steuerungsprozessen und die Erhöhung der Autonomie und Innovationsfähigkeit einzelner Produktions- und Lagerstandorte. Knapp 75 % gaben an, sowohl politische als auch geologische Faktoren bei der Standortwahl zu berücksichtigen. Darüber hinaus verfügen die meisten Befragten über eine globale Lieferantenstruktur. Ebenso wichtig ist ein kontinuierlicher Informationsfluss sowohl innerhalb des Unternehmens und über die verschiedenen Business-Units hinweg als auch extern zu den Erstlieferanten, um auf Änderungen in der Nachfrage schnellstmöglich reagieren zu können. 56 % gaben an, dazu weniger als zwei Tage zu benötigen.
4. Diversität
Dabei geht es vor allem um das Einstellen und die Integration von „Querdenkern“ und das Fördern von interdisziplinären wie interkulturellen Vermischungen. Diesem Aspekt wird in den Unternehmen nur wenig Rechnung getragen: Es gibt selten einen Diversity-Management-Verantwortlichen (25 %). Daneben spielt auch Gruppenarbeit für eine resiliente Supply-Chain eine essenzielle Rolle. Dies wird auch in den meisten Unternehmen umgesetzt.
5. Permanenter Lernprozess
Die Resilienz in oder nach einer Krise hängt auch davon ab, ob ein permanenter Lernprozess im Unternehmen etabliert ist. Für die Supply-Chain bedeutet das vor allem, auf Basis einer validen Absatzplanung Produktionskapazitäten optimal zu nutzen und Notfallszenarien systematisch vorzubereiten. Über 50 % verfügen nach eigenen Angaben über eine Prognosegenauigkeit von über 80 %. Darüber hinaus gaben über 50 % der Unternehmen an, in Notsituationen sofort eine Task Force zu gründen. In 56% der Unternehmen gilt zudem Weiterbildung als äußerst wichtiges Thema, um Mitarbeiter zu motivieren und durch aktuelles Know-how einen Wettbewerbsvorteil behaupten zu können.
Supply-Chain-Resilienz biete allen vorausschauend agierenden Managern einen Blickwinkel auf strategische Unternehmensentscheidungen, der weit über die gängigen Kosten-Nutzen- oder Business-Case/Return-on-Investment-Berechnungen hinausgehe,  so Christophe Hudelmaier, Manager bei Goetzpartners. Sie sei der Schlüssel zu nachhaltigem Unternehmenserfolg.