Professor Scheer spricht beim Kongress Die Fabrik des Jahres am 26.3. in Hannover über die

Professor Scheer spricht beim Kongress Die Fabrik des Jahres am 26.3. in Hannover über die Herausforderungen durch Industrie 4.0. -Bild: privat

Professor Scheer ist sich nicht sicher, ob Deutschland der gesetzte Gewinner bei Industrie 4.0 ist. Über seine Sicht auf das Thema spricht er auch am 26.3. beim Kongress Die Fabrik des Jahres in Hannover.

Professor Scheer, welche Nation wird gewinnen beim Wettlauf zu Industrie 4.0?
Man muss einfach sagen, dass die Amerikaner vorn sind in der Informationstechnik. Das sieht man auch an den Kooperationen unserer großen Automobilhersteller mit Google und Apple: Sie haben das Cockpit schon fast verloren.

Was ist der Grund dafür?
Einer der Gründe ist, dass die Hersteller zu stark proprietäre Systeme entwickeln. Jeder programmiert sein eigenes Navigationssystem. Der Kunde will aber, wenn er von A nach B umsteigt, seine Daten nicht umständlich nachtragen und setzt eher auf einen Standard. Der kann möglichweise von Google stammen.

Wie sieht der amerikanische Ansatz aus?
Was auch aus der Informationstechnik in Amerika kommt, ist der Ansatz, nicht inkrementelle Veränderungen umzusetzen, sondern disruptive. Das ist das Prinzip von Google. Die Firma baut nicht das bessere Auto, sondern stellt das ganze System auf den Kopf. Nach Ansicht von Google ist es unsinnig, dass ein Auto 95 Prozent der Zeit steht. Sie wollen es umdrehen: Das Auto soll 95 Prozent der Zeit fahren. Dafür benötigt die Firma einen neuen Ansatz: neue Informationssysteme für Car-Sharing. Diesen Ansatz kann man dann verbinden mit dem Thema Elektromobilität und mit selbstfahrenden Systemen. Auf diese Weise weiß das Fahrzeug, wo es hinfahren muss, wenn eine Fahrt abgeschlossen ist. Dieses Beispiel zeigt, dass es gerechtfertigt ist, Industrie 4.0 mit einer Revolution zu vergleichen.

Wo steht Deutschland bezüglich Industrie 4.0?
Ich bin mir nicht sicher, ob wir in Deutschland die gesetzten Gewinner sind. Wir sind in der klassischen Industrie sehr stark, aber man erkennt sehr häufig das Innovator’s Dilemma: Diejenigen, die Erfolg haben, bleiben zu lange bei ihrem Konzept und verschlafen dann die nächste Innovationswelle. Dieses nur halbherzig Machen funktioniert nicht in einer Welt, die so schnell ist und in der neue dramatische Business-Modelle Erfolg haben.

Was macht die Politik?
Was mir Sorgen macht, ist das Verhalten der Politik in Deutschland. Wenn ich sehe, dass wir versuchen, mit Regularien Innovationen zurückzuhalten bezüglich Uber, dann wird keiner Schnittstellen zu dem System anbieten.
Prof. Scheer spricht beim Kongress Die Fabrik des Jahres über Industrie 4.0. Anm.: Tel. 08191 /125 872, www.fabrik-des-jahres.de

Gunnar Knüpffer