Ulverich,MAN,Fabrik des jahres

Michael Ulverich, Leiter Production Truck&Parts Management&Prokurist, Werkleitung München, MAN Truck & Bus AG, siegte in der Kategorie "Digitale Transformation". - Bild: Produktion

Die Jury hatte sich „aus dem Fenster gelehnt für eine Netzwerkoptimierung, die noch nicht ganz abgeschlossen ist“, merkte Laudator Dr. Marc Lakner von A.T. Kearney an. Nichtsdestotrotz habe die Art und Weise, wie die Optimierung Schritt für Schritt in Angriff genommen und sozialverträglich gestaltet wurde, stark beeindruckt. Im Stammwerk seien zudem ambitionierte Leistungsverbesserungen erzielt worden. „Zusätzlich ist das Produktionsnetzwerk zusammengerückt, die Projekte werden übergreifend koordiniert und über Gewerkekreise gemanagt“, so Lakner.

„Wenn ich ehrlich sein soll, ist die Produktion ohne Logistik hilflos und Logistik ohne Produktion sinnlos“, sagte Michael Ulverich, Leiter Production Truck & Parts Management und Werksleiter München bei der MAN Truck & Bus AG. „Wir haben festgestellt, dass eine Diskussion darüber, welche Werte wir einführen und wie wir einen Prozess betreiben, ganz essentiell ist“, erinnerte sich Ulverich. Aus den Werten Respekt, Integrität, Umsetzungskraft, „der Kunde zuerst“  und Teamgemeinschaft sei das Leitbild einer cross-funktionalen Aufstellung entstanden. Sie wurde durch Gewerkekreise und Steckbriefprojekte verwirklicht.

Wie schon andere Gewinner der Fabrik des Jahres stellte auch Ulverich heraus: „Streitkultur, kritisches Denken und intensiver Wissensaustausch sind die Grundlage für unseren Erfolg, davon bin ich überzeugt“. Man habe während der letzten Jahre durchschnittliche Effizienzsteigerungsraten von fünf bis sechs Prozent pro Jahr und eine deutliche Schärfung des Profils aller mitteleuropäischen MAN-Werke erreicht. An einem 1999 in München geplanten Band mit einer Kapazität von 21000 LKW werden heute mit Adaptionen dank Kaizen 45000 LKW gebaut, künftig sogar im Vier-Minutentakt.

Das habe im Werkeverbund einen Verdrängungswettbewerb ausgelöst. Zuvor gab es drei große, schwere LKW-Werke sowie ein leichtes und mittelschweres Werk, darüber hinaus ein Ersatzteilverbund, verteilt über die Landkarte. Man habe ein „Defrag-Programm“ gestartet und einen „gestraffteren Verbund hingestellt“, erklärte Michael Ulverich.

So wurde zum Beispiel das Werk Salzgitter komplett zum Zentrallager umgebaut und die Fahrerhausfertigung aus Steyr abgezogen. Parallel erweiterte man den Standort München, derzeit werde dort die modernste LKW-Lackieranlage in Europa gebaut. „Wir haben bei laufendem Betrieb mit dem Bagger eine neue Linie gebaut und in der Logistik aufgeräumt“, erzählte Ulverich.

Ulverich,Fabrik des Jahres
Michael Ulverich präsentierte, wie MAN die Transformation zum agilen Produktionsnetzwerk gelang. - Bild: Produktion

Es sei im Werkeverbund natürlich schwierig zu sagen, dass ein Werk keine LKW mehr montieren wird. „Deshalb haben wir dafür Gewerkekreise zusammengebracht, die oberhalb der Werke funktionieren“, so Michael Ulverich. Die Montage- oder Fahrerhaus-Mitarbeiter konnten so selbst Lösungen entwickeln und waren in das Geschehen eingebunden. „Wir haben sie zu einer virtuellen Gruppe von Unternehmern gemacht“, berichtet Ulverich.

Um die hohe Qualität aufrecht zu erhalten, gehe kein Fehler verloren. 90 Prozent der Probleme würden innerhalb von 24 Stunden abgearbeitet. Thema ist derzeit bei MAN vor allem die Modularisierung des Montageprozesses. Diesel- und elektronische LKW sollen im Mischbetrieb an einem Band gefertigt werden. Beim Thema Digitalisierung, also wie die Werke in der Montagereihenfolge und Komplexität  unterstützt werden, werde sich noch einiges tun, prognostizierte Ulverich.