Infineon,fabrik des Jahres,Recklies

„Wir mussten alles während der laufenden Produktion machen, nicht ganz trivial bei einem Betrieb von 24 Stunden pro Tag an 365 Tage“, sagte Jörg Recklies, Produktionsliter bei Infineon in Dresden. - Bild: Produktion

„In Dresden ist alles im Fluss und alles passiert in sehr hoher Geschwindigkeit. Viele, sogar fast alle Prozesse sind digitalisiert, die Maschinen vernetzt“, sagte Laudator Dr. Marc Lakner von A.T.Kearney. Durch digitale Methoden habe Infineon eine große Verbesserungsdynamik erreicht und es geschafft, den Standort zu sichern. 3,5 Milliarden investierte Infineon am rund 2000 Mitarbeiter starken Standort Dresden, an dem man beispielsweise mit Tier Ones das autonome Fahren voranbringt oder Chip Cards zu Beispiel für Pässe herstellt.

Wettbewerbsnachteile entstehen den Dresdnern durch hohe Personalkosten im Vergleich zu asiatischen Fertigungen. Automatisierung und Digitalisierung der Fabrik waren also notwendig, um den Standort zu halten. „Wir mussten alles während der laufenden Produktion machen, nicht ganz trivial bei einem Betrieb von 24 Stunden pro Tag an 365 Tage“, sagte Jörg Recklies im Rückblick. Alle eingebrachte Hardware musste zudem Reinraum-tauglich sein. „Wir haben am Markt keine Anlagen gefunden, die Digitalisierungs-fähig sind“,  erinnerte sich der Produktionsleiter Infineon Technology Dresden GmbH auch. Stattdessen habe man mit einem Partner eigene Lösungen entwickelt.

Das Unternehmen hat es mit einer komplexen Fertigungsumgebung zu tun, 600 bis 1200 Produktionsschritte gibt es für jeden Wafer, die Durchlaufzeit beträgt  zwischen 25 und 70 Tagen. „Die Voraussetzung für die Digitalisierung war eine Standardisierung der Prozesse – ein großer Changer für Ingenieure, die gewöhnt waren, ihre Anforderungen an jedes Los anzuhängen“, so Recklies. Man habe zudem RFID eingeführt, um das Material jederzeit zu identifizieren. Das Material meldet sich an der Anlage an, die dann aus dem System das Rezept für das jeweilige Produkt bekommt.

Darüber hinaus wurden über 180 Robotersysteme eingesetzt, die zusammen mit begleitenden Projekten zum Automatisierungsgrad von über 80 Prozent beitragen. Eine besondere Herausforderung sei die neue Sensorik gewesen, weil sie nicht in die alten Anlagen intergiert werden konnte. Deshalb habe man sie autonom aufgesetzt. Auch eine neue Softwarelösung wurde integriert, die Echtzeit-Dispatching erlaubt.

Advanced Analytics und Big Data spielen für Infineon in Dresden vor allem bei der Fehleranalyse und preventive Maintenance eine Rolle. „Wir glauben, dass wir die bisher benötigte Test-Wafer künftig nicht mehr brauchen werden, sondern rein mit Hilfe von Datenmodellen Anlagen freigeben können“, erklärte Recklies.

Es sei ein langwieriger Prozess gewesen, die Mitarbeiter einzubinden und umzuschulen. „Die Automatisierung hat dazu geführt, dass wir weniger Mitarbeiter an der Linie haben, aber mehr im Controlling und Steuerung“, berichtete Recklies. Immerhin fünf bis sechs Prozent Effektivitätssteigerung schafft das Werk so im Jahr.