Daniel T. Jones, Fabrik des Jahres, Digitalisierung, Lean, Produktion

Die digitale Revolution wird sehr unvorhersagbare Ergebnisse hervorbringen“, meinte Jones auf dem Kongress zum Wettbewerb Die Fabrik des Jahres. - Bild: Produktion

„Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die Anstrengungen von Ihnen und früheren Gewinnern der Fabrik des Jahres dazu beigetragen haben, die Fabrik-Performance zu verbessern und Produktionsjobs in Deutschland zu halten“, lobte Prof. Daniel T. Jones, Chairman der Lean Enterprise Academy ltd., die Sieger.

„Die digitale Revolution wird sehr unvorhersagbare Ergebnisse hervorbringen“, meinte Jones, dessen Lean-Buch aus den Neunzigern die deutsche Industrie revolutioniert hat. Die Voraussagefähigkeit unserer Systeme mache die Welt sogar eher unvorhersagbarer, glaubt der Lean-Experte. Als wichtigste Entwicklung sieht er die Möglichkeit, seine Kunden durch Datenanalysen besser zu verstehen.

Während Fabriken kaum noch Commodity-Produkte fertigen, sondern einen immer größeren, kundenindividuellen Produktmix, dessen Takt sich eher täglich als innerhalb von Jahren verändert, werde die Fähigkeit über funktionale Silos hinweg zu arbeiten immer wichtiger, konstatierte Jones.

„Die Unternehmen, die schneller lernen als ihre Wettbewerber, werden überleben“, prognostizierte der Experte. Derzeit sieht er eine spannende Diskussion zwischen dem Ansatz der menschenfreien Fabrik und der Idee einer menschenzentrierten Fabrik mit Technologieunterstützung.  Toyota setze konsequent auf letzten Ansatz, wolle simplere und flexiblere Fabriken zu 40 Prozent weniger Kosten und mit „Zero Emmissions“.

„Die Verschwendung findet an der Spitze statt“, kritisierte Daniel Jones. Dort würden Barrikaden gegen den Wandel errichtet, eine der derzeit größten Hürden der Digitalisierung. Die Headquarters seien verbissen darauf fokussiert, ihre Macht zu erhalten. Es helfe, diesen Aspekt bewusst wahrzunehmen und in Teams Lösungen zu entwickeln, die die Zentralen umgehen.

Jones ist sich zudem sicher, dass Lean – nicht das etablierte Lean, sondern die Philosophie Lean – maßgeblich bei den Herausforderungen der Disruption helfen kann. Lean eigne sich für Entrepreneure, für Startups, um Unternehmen aufzubauen und für Design Thinking.  „Viele verpassen derzeit den wichtigsten Punkt von Lean: dass es eine andere Art zu denken ist“, so Jones. Ihm geht es vor allem um das Lernen. Es müsse einen Fluss des Lernens von unten her geben, von den Leuten, die die eigentliche Arbeit machten.

„Führung sollte sich heute auf das Entwickeln von Fähigkeiten und die Unterstützung des Lernens konzentrieren“, erklärte Jones. Chefs sollten ihre Mitarbeiter coachen und vor allem Fragen stellen. „Leading from the ground up“, nennt er das. „Von einem Toyota-Sensei bekommt man nie eine Antwort auf die Frage, sondern er antwortet mit einer Frage, um den Mitarbeiter zum Nachdenken anzuregen“, beschrieb es der Lean-Experte. Dieses tiefe Wissen könne nicht gekauft werden, sondern müsse von unten her aufgebaut werden, indem nicht nur Expertenwissen, sondern das große Wissen der Mitarbeiter und der Kunden mit einbezogen werde. Anstatt der typisch westlichen Art, Entscheidungen zu treffen nach dem Motto „Entscheiden, Planen, Handeln und mit den Konsequenzen leben“, gehe es darum, die richtigen Probleme zum jeweiligen Zeitpunkt zu finden.

„Ich bin nicht beeindruckt davon, wie sich die erste Welle der Digital-Unternehmen entwickelt. Sie wirken alt, organisatorisch müde und es ist nicht gesagt, dass sie die Zukunft beherrschen“, befand Jones. Es werde neue Unternehmen geben, denn bei den bisherigen Playern gehe es am Ende nur um Netzwerke. „Deshalb kann Deutschland auf das Beste hoffen“, konstatierte der Lean-Experte.

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