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Herbert Klein, Site Manager&Manager Production Pbg, HE/Manufaturing Equipment bei Agfa Healthcare Werk Peißenberg, wurde für seine hervorragende Teilefertigung und Montage ausgezeichnet. - Bild: Produktion

Den Sieg in der Kategorie „Hervorragende Teilefertigung und Montage“ fuhr Agfa Healthcare mit dem Werk Peißenberg ein. Auch 2009 und 2012 hatte das Werk aus dem bayerischen Voralpenland bereits Preise bei der Fabrik des Jahres geholt. „Laptop und Lederhose sagt man in Bayern, um das nicht zu kopieren, nennen wir unser Programm Tablet und Tradition“, scherzte Herbert Klein, Site Manager & Manager Production im Werk Peißenberg bei der Agfa HealthCare GmbH. Der ehemalige Fotokonzern ist heute in den verwandten Gebieten Graphic Systems, Materials und Healthcare unterwegs.

Ein anderes Motto lautet: Team, Lean and Green. „Egal welche Technologien oder Methoden, es geht immer um den Menschen“, konstatierte Klein. Er lobte das Lean-Buch von Daniel T. Jones, der am morgigen Kongresstag spricht, als „Bibel des Maschinenbauers“. „Das war meine Generation, ich hab das Buch auswendig gekannt“, erinnerte sich Klein. Dennoch habe man auch damals erst die Menschen beobachtet, um die beste Vorgehensweise zu ermitteln. Es gehe immer darum, den Menschen zu befähigen, offen zu sein und neue Wege zu gehen, auch mal Fehler zu machen. „Wir Führungskräfte können nur Verständnis schaffen und Begeisterung wecken, die Rahmenbedingungen schaffen, dass man sich selber motiviert“, meinte Klein.

Der Druck des Wettbewerbs ist groß in der Branche. „Unsere Marktbegleiter sind in Mexico und China, deshalb müssen wir mit unseren Fertigkeiten immer den Schritt voran sein“, erklärte der Werksmanager. Dazu trägt eine vollautomatisierte Blechteilfertigung bei, die um eine Tablet-Anbindung zur erweiterten Maschinenbedienung über Intranet ergänzt wurde, derzeit ist eine Anbindung über Internet im Versuch. Über die App lassen sich Maschineninfos abrufen und Programmwechsel vornehmen, eine integrierte Kamera überträgt den Produktionsprozess live auf das iPad.

Der Werkschutz, der 24/7 vor Ort ist, wurde so ausgebildet, dass er Kleinigkeiten wie eine verhakte Platine gleich beseitigen kann. Obwohl am Wochenende keiner da ist, laufen die Maschinen. Die Vision lautet: „Vom Badestrand aus die Produktion steuern“. Technisch sei das überhaupt kein Problem, derzeit befasse man sich aber noch mit Aspekten der Prozesssicherheit. „Wir müssen aber über die Rahmenbedingen diskutierten, über Arbeitszeitgesetze und Versicherungspflicht, darüber müssen wir mit Betriebsräten und sogar dem Gesetzgeber sprechen, und aufzeigen, was  die Vorteile sind“, befand Klein.

Auch bei den Lieferanten geht man neue Wege. Sie sind per Konsignation mittels Webcam dafür zuständig, mindestens zweimal am Tag zu überprüfen, wie ihre Bestände aussehen und rechtzeitig nachzuliefern. „Keiner ist mehr mit Materialbeschaffung beschäftigt“, so Klein. Davon haben beide Seiten etwas, Agfa und die Lieferanten haben je vier Prozent Kostenreduktion.

Künftig will man auch „vom Sofa aus“ Geräte in Betrieb nehmen können. Zugleich wurde die Rolle der Vorgesetzten neu definiert, er oder sie ist jetzt Coach der Gruppe, soll Wissen und Fähigkeiten fördern. Ganz wichtig sind Klein Mitarbeiter, die auch Kritik üben können: „Das Feedback ist wichtig. Wir brauchen keine Jasager, der Mut zur Kritik muss gefördert werden“.

Mercedes-Benz: Größtes Werk weltweit

Den Preis in der Kategorie „Hervorragende Großserienfertigung“ erhielt Mercedes-Benz China für den das schnelle und effiziente Wachstum. Das Werk in Peking sei heute so groß wie Sindelfingen und Untertürkheim zusammen und das programmatisch umfassendste Werk weltweit, berichtete René Reif, Executive Vice President – Engineering & Manufacturing Beijing Benz Automotive Co. Ltd. 2013 kam das erste Mercedes-Benz-Motorenwerk im Ausland dazu.

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René Reif, Executive Vice President - Engineering & Manufacturing, Beijing Benz Automotive Co. (BBAC), Werk Peking, wurde für den Sieg in der Kategorie Hervorragende Großserienfertigung ausgezeichnet. - Bild: Produktion

In 2006 habe man noch 6000 Fahrzeuge pro Jahr nach deutscher Manier produziert, man habe erst lernen müssen, was der chinesische Kunde will. Um das Joint Venture mit dem chinesischen Partner BBAC erfolgreich zu gestalten, wurde die „One“-Philosophie kreiert. „Sie müssen die Leute abholen und mit ihnen gemeinsam eine Mission entwickeln. So ist uns gut gelungen, Shareholder-Themen aus dem Joint Venture herauszulassen“, erinnerte sich Reif.

Zudem habe man auf den eigenen Standard gebaut und das Advanced Mercedes-Benz Production System auch in China genutzt. Um das schnelle Wachstum sicherzustellen, kam ein interdisziplinäres, international aufgebautes Team zum Einsatz. Auch ein besonderes Qualifikationskonzept sollte das deutsch-chinesische Joint Venture stärken. „Das war unser Ansatz, mit dem wir, glaube ich, besondere Resultate erreichen konnten“, sagte Reif.

Mit dem modularen Trainingssystem lernten alle Mitarbeiter eine Woche lang in Simulationen das Produktionssystem kennen. „Wir haben viel Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter auf jeder Stufe über kontinuierliche Verbesserung nachdenken. Wichtig ist, dass ihre Ideen dann auch schnell umgesetzt werden“, so René Reif. Im Vergleich gehe das in China sehr schnell, da könne man in Deutschland noch lernen.

Ein „Riesenantrieb“ sei der dort entbrannte Wettbewerb, wer als nächstes eine gute Idee einbringt. „Entscheidend ist, dass das Management vor Ort ist und die Mitarbeiter ihre umgesetzten Verbesserungsideen zeigen können. Das war mit ein Erfolgsfaktor, um das Werk schnell nach oben zu fahren“, erzählte Reif. Genau wie Herbert Klein von Agfa meint auch der Mercedes-Manager: Die Mitarbeiter müssen wissen, wo sie stehen und wo sie hinwollen.

Fabrik-des-Jahres-Sieger: So geht Erfolg in der Produktion

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    Herbert Klein, Site Manager und Manager Production Pbg, HE/Manufacturing Equipment, Agfa HealhCare in Peißenberg, holte den Sieg in der Kategorie Hervorragende Teilefertigung und Montage. - Bild: Produktion

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    René Reif, Executive Vice President - Engineering & manufacturing, Beijing Benz Automotive, Werk Peking, holte mit seinem Team den Kategoriesieg "Hervorragende Großseriengfertigung". - Bild: Produktion

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    Reif erklärte wie es ihm gelang, beeindruckend schnelles und sicheres Wachstum zu erreichen. - Bild: Produktion

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