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Washtec ist Spezialist auf dem Gebiet der Fahrzeugwäsche. Zum Programm gehören Portal- und Nutzfahrzeuganlagen, Waschstraßen, SB-Waschanlagen und Wasseraufbereitungen. Bildquelle: Washtec

„Wer von Ihnen will nicht gerne mal hier oben stehen?“ Diese Aufforderung von Dr. Marc Lakner auf dem Kongress ‚Die Fabrik des Jahres‘ löste bei Jörg Mielke die Frage aus „Warum eigentlich nicht?“. Der Werkleiter der Washtec GmbH, Augsburg, stellte spontan ein Team zusammen, um sich zu bewerben – mit Erfolg. Das Werk errang den Kategoriepreis ‚Hervorragende Standortentwicklung‘. „Für alle Teammitglieder eine Bestätigung der Leistung der vergangenen Jahre“, sagt Mielke. Und ein Spiegel für weitere Arbeitsfelder: „Man ist eben nie fertig, auch wenn man meint, große Schritte gemacht zu haben.“

Erfolgsstory

Mielkes Karriere ist mit der Geschichte von Washtec eng verbunden. Als Student stieg er im Jahr 2003 bei dem Unternehmen ein. Sein erstes Projekt war die Werkszusammenlegung der drei ehemaligen Augsburger Standorte. 2006 war er in Amerika, wo das Unternehmen eine Firma gekauft hatte, und 2009 Logistikleiter und Projektmitarbeiter im neu in Pilsen eröffneten Werk. Seit 2010 ist er Werkleiter in Augsburg und seit 2011 Geschäftsführer des Werkes in Tschechien. „In den vergangenen drei Jahren ist der Umsatz steil gestiegen, das Unternehmen hat sich hervorragend entwickelt – mit allen Herausforderungen, die sich daraus ergeben“, sagt Mielke und lacht. „Das ist wirklich eine Erfolgsstory“, setzt er hinzu – ein Beweis dafür ist der Aktienkurs, der in den vergangenen Jahren einen Sprung von plus 500 % gemacht hat.

Washtec ist Spezialist auf dem Gebiet der Fahrzeugwäsche. Zum Pro­duktprogramm gehört die Hard­ware wie Portalwaschan­lagen, Waschstraßen, Nutzfahrzeugwaschanlagen, SB-Wasch­anlagen und Wasseraufbereitungen sowie die Waschchemie, wie auch Service und Betreibermodelle. Washtec vertreibt seine Anlagen weltweit über Tochterunternehmen und Händler in 70 Ländern. Der Kernmarkt ist Europa, wobei Regionen wie Nordamerika und Asia/Pazifik in den vergangenen Jahren wesentlich zum Wachstum beigetragen haben. Die Firma ist seit über 50 Jahren im Car-Wash-Business tätig.
„Wir verbinden Wissenschaft und Technik zu überzeugenden Gesamtlösungen inklusive Serviceleistungen für den gesamten Produktlebenszyklus“, sagt Mielke. „Das kontinuierliche Hinterfragen und Verbessern unserer Produkte hat auch unsere Kunden überzeugt“, sagt Mielke. So konnte der Durchsatz im Werk Augsburg in den vergangenen drei Jahren um 50 % gesteigert werden.

Industrial Engineering

Die Philosophie der kontinuierlichen Verbesserung ist bei Wash­tec durchgängig verankert. „Wir hätten diese Steigerung mit dem Setup von vor drei Jahren nicht bewältigen können.“, sagt Mielke. Damit man einschätzen kann, wo und wann der nächste Engpass entsteht, ist für ihn die Kenntnis über die aktuelle Situation die Grundlage für alle Entscheidungen. Das Industrial Engineering überblickt alle produktabhängigen Wertströme und Kapazitätsengpässe.

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Dank flexibler Arbeitszeitmodelle kann sich die Produktion auf die aktuelle Auftragslage und die Kundenanforderungen einstellen. Bildquelle: Washtec

„2015 konnten wir das Wachstum durch den großartigen Einsatz aller Mitarbeiter bewältigen, uns war jedoch klar, dass einige Prozesse für das Auftragswachstum nicht stabil und schnell genug waren“, sagt Mielke. So wurden entlang der Supply Chain Projekte definiert und umgesetzt. Alle Mitarbeiter und jedes Team haben sich den neuen Anforderungen gestellt und Lösungen erarbeitet. Die Disposition investierte als Sofortmaßname in Tools zur Überwachung der Lieferketten und zum Bestandscontrolling, als Mittelfristmaßnahme wurde eine Sup­plier Relationship Management (SRM-) Plattform eingeführt. Artikel, die nicht direkt an die Montagelinien geliefert werden, steuert mittlerweile ein dynamisches Kanbansystem. Die variablen Mengen ergeben sich aus den Bedarfen der nächsten Zeiteinheit und lassen die Zykluszeit bei längeren Zeiträumen hoher Auslastung konstant. Sie senken die Bestände in Phasen niedriger Bedarfe.

Output erhöht

In die Blechfertigung wurde investiert, um den Output wesentlich zu erhöhen. Mit dem Lohnbeschichter wurde ein Projekt aufgesetzt, das Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche der internen Pulverbeschichtung beseitigt und damit Nacharbeiten und Störungen in der Endmontage gegen Null gehen lässt. Die Montage der Portalwaschanlagen wurde auf Taktfertigung umgestellt, wodurch Output und Schwankungsmöglichkeiten erhöht wurden und die Durchlaufzeit wesentlich verringert werden konnte. Eine Portalwaschanlage kann in Augsburg jetzt innerhalb weniger Stunden endmontiert werden.

Das Endmontagelayout hat die klassische U-Form und endet mit dem Prüfen der Anlage. Alle Vorteile des Layouts haben sich unmittelbar auf Qualität und Durchlaufzeit ausgewirkt. Mit der Installation eines firmenweiten WLAN werden Rückmeldungen vom Wareneingang bis zum Versand in Echtzeit durchgeführt und liefern so die Grundlage für eine durchgängige papierlose Fertigung. An den Arbeitsplätzen sind so immer der aktuelle Auftragsbestand und die Kundenstücklisten und Zeichnungen für den Mitarbeiter verfügbar. „Die Montagequalität und die Wertschöpfung haben wir durch diese Maßnahme gleichermaßen erhöht, unsere Mitarbeiter sind jetzt auch auf einen Blick in der Lage, Neuteile zu erkennen, da diese in der Stückliste für einen bestimmten Zeitraum rot hinterlegt sind,“ sagt Mielke.
Alle Aktivitäten basieren auf einem soliden skalierbaren Fundament. Zu Beginn des Auftragsdurchlaufs für einen Kunden stellt das technische Auftragszentrum der Produktion einen 100 % technisch geklärten Auftrag zur Verfügung, nachdem der Vertrieb das kaufmännisch mit den Kunden getan hat. An dieser Stelle ist das Auftragszentrum Garant für einen reibungslosen Ablauf. Ein Variantenkonfigurator ermöglicht es den Mitarbeitern, in kürzester Zeit eine Kundenauftragsstückliste aus derzeit circa 8 000 Positionen zu generieren. Danach kann auf mehr als 30 Arbeitsplätzen in Deutschland, Tschechien und bei Dienstleistern der Auftrag gestartet werden.

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Mitten in der Stadt: Das Werk von Washtec liegt im ehemaligen Textilviertel Augsburgs, nicht weit von der Altstadt und umfasst 40 000 m2 Fläche. Bildquelle: Washtec

Das Werk Augsburg hat sich mit seinen verlängerten Werkbänken in Recklinghausen und Tschechien und seinen rund 600 Lieferanten so eng verzahnt, dass sie im Kundentakt montieren können. Kommt von der Baustelle keine Bestätigung für die ursprünglich geplante Inbetriebnahme, wird der Auftrag nicht in die Montage genommen. Dabei sind Schwankungen im Output von bis zu 50 % von einer Woche auf die andere möglich. Washtec nutzt dafür mit der Belegschaft vereinbarte Arbeitszeitmodelle, die es ermöglichen, zwischen 21 und 42 Stunden in der Woche zu arbeiten und Mehr- bzw. Minderarbeit auf Arbeitszeitkonten von ± 300 Stunden aufzubauen. „Wir können uns damit zeitnah auf den Kundenbedarf einstellen“, sagt Mielke.

Steigender Bedarf

Insgesamt 35 000 Washtec-An­lagen sind weltweit installiert, täglich werden 2,75 Mio Autos darin gewaschen – und der Bedarf steigt. Allein in diesem Jahr sind 3 800 Aufträge hinzugekommen, davon rund 15 % mit Sonderkonstruktionen. Das können einfache Themen wie Aufkleber oder eine Spezialfarbe sein. Es ist aber auch denkbar, dass eine Anlage in ihren Dimensionen verändert werden muss. So sind beispielsweise am Flughafen München vier Washtec-Anlagen mit Sonderhöhe im Einsatz. Mielke: „Da kürzen Sie nicht nur den Stahlbau, da müssen Sie auch die Durchmesser der Bürsten, die Regeltechnik und die Sicherheitseinrichtungen anpassen.“

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Waschabläufe können je nach Verschmutzung des Fahrzeugs gewählt oder vom Kunden am Aktivierungssystem der Anlage konfiguriert werden. Bildquelle: Washtec

Dass die Abläufe so schnell sind, ist auch der durchgehenden Shopfloor-Prozesslandschaft zu verdanken. Wöchentlich tauschen sich cross-funktionale Teams auf dem Shopfloor aus. Engpässe werden in die Shopfloor-Meetings der Business-Units am folgenden Tag mitgenommen und vom Steuerungskreis besprochen, an dem auch Technik- und Vertriebsvorstand teilnehmen. „Damit haben wir zwischen Montag und Dienstagmittag alle Projekte durchgesprochen und können so im Takt bleiben“, sagt Mielke. In der Produktion werden zudem täglich die Zielerreichung visualisiert sowie die laufenden Ziele besprochen, ebenso die Auftragsmenge und -reihenfolge.

Reibungslose Fertigung

Alle Mitarbeiter durchlaufen Lean-Schulungen und eine Just-in-Time-Simulation und bleiben so sensibilisiert für eine reibungslose Fertigung. In Austauschprogrammen mit den anderen Standorten weltweit lernen sie zudem, ihr Wissen auf Standorte mit einem kleineren Auftragsvolumen anzuwenden und lokal anzupassen. „Augsburg ist das Leitwerk – wir übertragen unser Know-how von hier in die anderen Werke“, sagt Mielke.

Video: Family & Friends Day bei WashTec!