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„Das erfolgreichste Exportprodukt ist die deutsche Konstruktionslehre, 60 Prozent der Welt konstruieren danach“, sagte Prof. Günther Schuh auf dem Kongress zum Wettbewerb Fabrik des Jahres. - Bild: Produktion

„Die Fabrik des Jahres ist eine Meinungsmacher-Veranstaltung“, lobte Prof. Günther Schuh von der RWTH Aachen. Hier habe man schon immer diskutiert, wie es weitergehen könnte – gruppenpsychologisch sei es wohl so, dass die besten am meisten interessiert sind, was man verbessern kann. Das, womit man vor 20 Jahren gewonnen habe, würde heute bei weitem nicht mehr reichen, meinte Schuh, der den Wettbewerb seit vielen Jahren begleitet.

„Wie das Produktionssystem oder Lean ist die Digitalisierung heute genauso ein Einschnitt“, so Schuh. „Wir haben wahnsinnig viele Daten und machen im Verhältnis fast nichts damit. Die Fabrik der Zukunft muss binnen kürzester Zeit Kundenfeedback aufgreifen und Veränderungen in die Produktion einphasen“, erklärte Schuh. Die Fabriken des Jahres in der Zukunft werden genau diesen Aspekt umsetzen, war sich Schuh sicher.

Seine eigene Erfahrung mit dem Bau des Elektroautos e:go habe gezeigt: „Wenn ein Produktioner tief in den Prozess eingreifen kann, ist es möglich, ein günstiges Elektroauto zu bauen“. Statt vielen Millionen für die Herstellung kam das Projekt mit 300.000 Euro zurecht, indem teure Probleme wie Pressen und Karosseriebau anders gelöst wurden. Diese Erfahrung zeige, innerhalb von acht Wochen sei ein tiefgreifender Change-Request-Prozess machbar. „Diese Fähigkeit ist jetzt möglich, und dann müssen sie die Pacemaker und Meinungsmacher daran mitarbeiten“, so Günther Schuh.

„Das erfolgreichste Exportprodukt ist die deutsche Konstruktionslehre, 60 Prozent der Welt konstruieren danach“, sagte Schuh. Die Realität bei den besten der Unternehmen hier sei jedoch schon eine ganz andere, man bewege sich in Loops. Aus Schuh’s Sicht ist Scrum die geeignete neue Herangehensweise. Schuh rät, einen digitalen Schatten zu schaffen, denn Change Requests seien auch deshalb so aufwendig, weil es mindestens 15 Hauptanwendungen von CAD bis ERP gibt, die Massendaten enthalten, mit denen sich derzeit domainübergreifend nichts anfangen lassse.

„Wir brauchen darüber schlicht eine Middleware, das geht relativ einfach. Alle, die eine Cloudarchitektur haben, können diese im Wesentlichen nutzen, um von jeder Domäne einen aggregierten Schatten zu erstellen: ein Flugschreiber, der sich in Echtzeit abrufen lässt“, so Schuh. Unternehmen wie Tesla fehle es an ingenieurstechnischem Tiefgang, der in den produzierenden Regionen Deutschlands überall zu finden sein. „Wir sind viel näher am Ziel, das auch zu können, als die meisten glauben. Keiner ist so nah an diesem Ziel dran, wie die Unternehmen, die Lean Production machen“, zeigte sich Schuh überzeugt.

A.T.Kearney-Partner Dr. Marc Lakner. - Bild: Produktion
A.T.Kearney-Partner Dr. Marc Lakner. - Bild: Produktion

„Wenn Sie und Ihre Vorgänger vor 25 Jahren die Produktion nicht in Frage gestellt hätten, könnte es uns heute wie einigen de-industriealisierten Ländern gehen“, stellte Dr. Marc Lakner fest, Partner bei A.T. Kearney und zuständig für das Benchmarking des Wettbewerbs.  Die Siegerwerke seien schlank fokussiert und innovativ. Man habe in einer Erhebung geschaut, wie sich die Siegerwerke in den letzten 25 Jahren verändert haben.

Das Ergebnis: Die Durchlaufzeiten reduzierten sich um 36 Prozent, die direkten und indirekten Mitarbeiter um 52 Prozent, der Anteil fehlerhafter Lieferungen um 95 Prozent. Doch jetzt stünde wie in den Neunzigern eine neue Herausforderung an. „Digitalsierung bedeutet eine Zeitenwende. In einer Situation der Stärke müssen wir uns wieder in Frage stellen“, konstatierte Lakner.

In Tagen statt in Jahren denken

„Acht- bis neunfache Produktivitätssteigerungen sind in den ersten Unternehmen möglich. Viele zögern noch, gerade kleine und mittelständische Unternehmen, es gibt oft nicht die Ressourcen, die Mittel und den Willen. Ich kann Ihnen nur zurufen, gehen Sie es an“, so Marc Lakner. Mut, Schnelligkeit und Offenheit seien die Kompetenzen, die jetzt gebraucht werden. Dazu gehöre der Mut, mit den neuen Technologien auch mal Sprünge von 20 bis 40 Prozent anzugehen. „Wir müssen lernen, in Tagen statt Jahren zu denken, und Dinge einfach auszuprobieren“, erklärte Lakner.

Für die Digitalisierung reiche kein sequentieller Ansatz, ein integrierter Ansatz sei gefragt. Marc Lakner rät, ein pragmatisches Zielbild zu finden, Workshop-getrieben mit der Einbindung von Entscheidern, allen  Stakeholdern und dem Betriebsrat. Danach gilt es, die passenden Experimente zu definieren, die Kreativität der Mitarbeiter zu heben, Hackatons oder Lean Startups zu machen und die Mitarbeiter zu begeistern

Fabrik des Jahres: Die Meinungsmachmaschine

  • Der Saal in München füllte sich beständig. Kein Wunder - beim Kongress zum härtesten Benchmark-Wettbewerb der Branche wollte und sollte keiner fehlen. - Bild: Produktion

    Der Saal in München füllte sich beständig. Kein Wunder - beim Kongress zum härtesten Benchmark-Wettbewerb der Branche wollte und sollte keiner fehlen. - Bild: Produktion

  • Mehr Benchmark geht im Produktions-Bereich nicht: Die Fabrik des Jahres. Der ultimative Wettbewerb und der beste Kongress der Branche. - Bild: Produktion

    Mehr Benchmark geht im Produktions-Bereich nicht: Die Fabrik des Jahres. Der ultimative Wettbewerb und der beste Kongress der Branche. - Bild: Produktion

  • Der Chefredakteur der Fachzeitung Produktion, CLaus Wilk, hieß die versammelte Branchen-Elite beim Kongress zum Wettbewerb Fabrik des Jahres willkommen. - Bild: Produktion

    Der Chefredakteur der Fachzeitung Produktion, CLaus Wilk, hieß die versammelte Branchen-Elite beim Kongress zum Wettbewerb Fabrik des Jahres willkommen. - Bild: Produktion

  • Franziska Blume, die Projektleiterin des Kongresses Fabrik des Jahres, ist die "Chefin" im Hintergrund. - Bild: Produktion

    Franziska Blume, die Projektleiterin des Kongresses Fabrik des Jahres, ist die "Chefin" im Hintergrund. - Bild: Produktion

  • Prof.Dr.-Ing.Dipl.-Wirt.-Ing. Günther Schuh, die Produktions-Legende ind Sachen Industrie 4.0, hielt am ersten Tag die Keynote zum Thema "Production Systems 4.0 - Verbindung von Prozessinnovation und kontiouierlicher Verbesserung" und gab so die Pace für den Kongress vor. - Bild: Produktion

    Prof.Dr.-Ing.Dipl.-Wirt.-Ing. Günther Schuh, die Produktions-Legende ind Sachen Industrie 4.0, hielt am ersten Tag die Keynote zum Thema "Production Systems 4.0 - Verbindung von Prozessinnovation und kontiouierlicher Verbesserung" und gab so die Pace für den Kongress vor. - Bild: Produktion

  • "Wir können das! Sie können nix falsch machen! Einfach anfangen!" - Prof. Schuh schwor die versammelte Produktioner-Elite auf kommende Herausforderungen ein. - Bild: Produktion

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  • Dr. Marc Lakner, bei A.T.Kearney seit 16 Jahren der "Man in Charge" für die Fabrik des Jahres, gab einen Rückblick auf 25 Jahre Benchmark-Wettbewerb und Kongress - und vor allem auf die fulminanten Fortschitte der Produktion. - Bild: Produktion

    Dr. Marc Lakner, bei A.T.Kearney seit 16 Jahren der "Man in Charge" für die Fabrik des Jahres, gab einen Rückblick auf 25 Jahre Benchmark-Wettbewerb und Kongress - und vor allem auf die fulminanten Fortschitte der Produktion. - Bild: Produktion

  • Leerstehende Fabriken - Das soll nicht passieren: Dr. Lakner warnte vor einem Nachlassen im Streben nach zukunftsfähigen Technologien. - Bild: Produktion

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  • "Die Flaggschiffe der deutschen Wirtschaft gehen die Herausforderungen mit voller Kraft an - die KMU zögern. Ich kann aber nur sagen; gehen Sie es an!", sagte Dr. Lakner.

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  • Auch der Ausstellerbereich des Kongresses war gut besucht. - Bild: Produktion

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  • Der Sieger der Fabrik des Jahres, ASM Assembly Systems, im Interview: Vice President Supply Chain Management, Jörg Cwojdzinski (r.), stand Produktions-Redakteur Gunnar Knüpffer (m.) vor der Kamera von Wolfgang Scheidle Rede und Antwort. - Bild: Produktion

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  • Die Fabrik des Jahres wird 25 - wenn das nicht mit einer entsprechenden Torte gefeiert werden muss, was dann? - Bild:

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  • "Wir sind zum Erfolg verdammt", sagt Johan Kraus, Werkleiter in Teisnach von Rohde&Schwarz, der Sieger des GEO-Award. - Bild: Produktion

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  • Due Jury hat es sich nicht einfach gemacht. Hier die Kurzübersicht für den GEO-Sieger Rohde&Schwarz, Teisnach. - Bild: Prodktion

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  • Steffen Reiche, seines Zeichens Director Fabrica Martorell, Seat, gewann mit seinem Werk in der Kategorie Hervorragende Qualität. Er sieht sein Werk auf dem Weg vom Top-Produzenten zum top-Coach. - Bild: Produktion

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  • Warum Sear Matorell eine Kategorie des Fabrik des Jahres gewonnen hat, sieht man hier. - Bild: Produktion

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  • Auch Prof. Schuh stand unserem Redakteur Gunnar Knüpffer und unserem Kameramann Wolfgang Scheidle Rede und Antwort. - Bild: Produktion

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  • Joachim Drees (r.), Vorsitzender des Vorstands, MAN SE und MAN Truck & Bus AG im Interview mit dem Chefredakteur der Fachzeitung Produktion, Claus Wilk (2.v.r.). - Bild: Produktion

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