„Industrie 4.0 ist die Vernetzung der digitalen und veredelten Endgeräte und die Effekte daraus sind tatsächlich revolutionär, wie Production Systems oder Lean das seinerzeit waren“, sagte Professor Günther Schuh, geschäftsführender Direktor des WZL der RWTH Aachen, bei der 25. Fabrik des Jahres in München. Künftig werde es für produzierende Unternehmen wichtig werden, per Knopfdruck von allen Sales-Mitarbeitern zu erfahren, welches Feedback sie von ihren Kunden zu einem neuen Produkt erhalten. Wenn man signifikante Hinweise für Veränderungswünsche wie zum Beispiel breitere Reifen bei einem Automobil erhalte, könne man sich ziemlich sicher sein, dass man die Produktion verändern müsse.

„Mit einer derartigen Auswertung kann man sich ein paar Monate Zeit lassen“, meinte Schuh. Es bestehe jedoch auch die Möglichkeit, auf Daten eines Produktes zurückzugreifen, das schon längere Zeit auf dem Markt ist.

Es würde maximal drei Monate dauern, um einen Change Request durchzuziehen. Welche Folgen habe zum Beispiel die Veränderung der Reifenbreite für den Radkasten und den Achsträger?

„Nach drei Monaten sollte das abgeschlossen sein, auch wenn im Unternehmen acht Fachbereiche unmittelbar betroffen sind“, erläuterte das Mitglied im Beirat der Fabrik des Jahres. Nach weiteren drei Monaten müssten die neuen Prozesse reibungslos laufen. Das müsse die Fabrik der Zukunft können.

„Wenn das heute noch nicht Not tut, dann liegt das daran, dass die Markteintrittsbarrieren so hoch und die Vertriebskanäle so stark sind, dass man diesen eigentlichen Kundenwunsch nicht so direkt umsetzen muss.“ Die digital veredelte Welt werde den Unternehmen diese Zeit jedoch nicht mehr lassen: Das seien Relikte, die in kürzester Zeit verschwinden.