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Materialbereitstellung mit ‚Pick by Voice‘: Mitarbeiter sortieren Bauteile bei Rohde & Schwarz in Memmingen via Kopfhörer-Ansage. Das spart Zeit und Arbeit. Durch Kontrollmechanismen über Spracheingabe von Codes werden Fehler vermieden. - Bild: Rohde & Schwarz

„Der Nordstern unseres Produktionsleitbildes ist die Tagesfabrik – das heißt der Kunde bestellt und am nächsten Tag können wir liefern“, sagt Jürgen Steigmüller, Werkleiter und Geschäftsführer der Rohde & Schwarz Messgerätebau GmbH in Memmingen. Was für Amazon-Kunden längst zur Normalität geworden ist, wirkt bei einem Hersteller hochkomplexer High-Tech Produkte allerdings wie ein schier unerreichbares Ziel.

Denn allein im Werk Memmingen kann ein Kunde 300 verschiedene Geräte in rund 30 Millionen Kombinatoriken bestellen – von Mobilfunktestern über Funkgeräte bis hin zu Lösungen zur Funküberwachung und -ortung.

„Jeder unserer über 40 000 Kunden hat ganz spezifische Anforderungen und bekommt ein eigens auf seine Wünsche konfiguriertes Gerät, wir bieten nichts von der Stange an“, erklärt Steigmüller. Dazu kommt die Herausforderung eines volatilen Kundenbestellverhaltens mit Schwankungen im Bereich von 300  Prozent.

Prozessqualität gesteigert

Trotz dieser äußerst schwierigen und komplexen Produktionsbedingungen hat sich das Rohde & Schwarz-Werk in Memmingen seit 2006 auf die Reise in Richtung Tagesfabrik gemacht und sich dabei auf Lean-Methoden und Werkzeuge gestützt. Dazu hat das Werk eine eigene Lean-Abteilung geschaffen – eine Stabstelle von acht bis zwölf Mitarbeitern, die sich Problemen wie hohen Liegezeiten, nicht beeinflussbaren Verfügbarkeiten von Zulieferteilen und einem hohen Koordinationsaufwand in der Fertigung angenommen haben.

Die Ergebnisse, die unter anderem mit Prozessoptimierungen, der systematischen Anwendung von Heijunka, Produktivitätssteigerungen an den Arbeitsplätzen, Verbesserungsideen von Mitarbeitern und Lieferantenintegration erzielt worden sind, beeindrucken: In der automatischen Bestückung wurde die Durchlaufzeit im Zeitraum 2011 bis 2015 von 9 auf 2,3 Tage reduziert, die Prozessqualität stieg von 78 auf 93 Prozent, die Umrüstungen von Maschinen und Anlagen der Bestückungslinie stiegen von 3 994 auf 8 643 Rüstungen pro Jahr.

„Nicht zuletzt durch Lösungen von Mitarbeitern haben wir die Rüstungen mehr als verdoppelt, ohne dass das Produkt teurer geworden ist“, schwärmt Achim Müller aus dem Lean-Team von Rohde & Schwarz.